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Temperatur steigt weniger stark Klimaeffekt von Trumps Niederlage berechnet

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Noch immer produziert die Menschheit jährlich mehr als 30 Milliarden Tonnen CO2.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Ausgang der US-Wahl könnte positive Folgen fürs Klima haben - zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Climate Action Tracker. Die Forscher berechnen sogar, wie groß der Einfluss auf die globale Temperatur sein wird. Die neue US-Politik ist aber nicht die einzige Entwicklung, die Hoffnung macht.

Im September dieses Jahres sah es für das Klima noch düster aus: Laut Berechnungen der Climate Action Tracker (CAT), einer Kooperation von Umweltorganisationen, steuerte die Welt trotz aller Klimavorhaben bis zum Jahr 2100 auf eine Erwärmung von etwa 2,7 Grad Celsius zu. Das war deutlich mehr als das ambitionierte 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens - auf diesen Wert soll die Erderwärmung nach Möglichkeit begrenzt werden, auf jeden Fall aber auf unter 2 Grad Celsius.

Neue politische Entwicklungen lassen die 1,5 Grad jedoch wieder in greifbare Nähe rücken. Dazu zählt neben neuen Klimavorhaben von Ländern wie China auch der Ausgang der US-Wahl - denn Trumps Nachfolger Joe Biden verfolgt eine völlig andere Klimapolitik. Laut einer aktuellen CAT-Analyse könnte unter den aktuellen Umständen der Anstieg der globalen Temperatur bis 2100 auf 2,1 Grad begrenzt werden.

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Die oberste blaue Kurve zeigt den Emissions-Korridor bei Weiterverfolgung der gegenwärtigen Politik ("Current policies") - das Ergebnis wäre eine Erderwärmung von im Schnitt 2,9 Grad Celsius im Jahr 2100. Die orange Kurve entspricht den ausgegebenen Null-Netto-Zielen ("Optimistic net zero targets") - die Temperatur würden nur um 2,1 Grad Celsius steigen.

(Foto: Climate Action Tracker)

Im September teilte Chinas Präsident Xi Jinping der UNO mit, dass sein Land bis 2060 die CO2-Emission netto auf null bringen will - zudem soll bereits vor 2030 der Ausstoß von Treibhausgasen in der Volksrepublik seinen Höhepunkt erreichen. Diese Maßnahmen könnten laut den CAT-Forschern die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts um 0,2 bis 0,3 Grad Celsius reduzieren. Auch Japan und Südkorea sind dem Beispiel Chinas gefolgt und wollen bis zum Jahr 2050 auf null Emissionen kommen. Andere Staaten wie Südafrika und Kanada gaben eigene Null-Netto-Emissions-Ziele bekannt.

Auch USA im Null-Netto-Klub

Aber eben auch die politische Umwälzung in den USA dürfte eine Rolle spielen. Schließlich sind die Vereinigten Staaten laut der Internationalen Energieagentur nach China der größte Emittent von CO2 weltweit. Und der Kampf gegen den Klimawandel ist beim gewählten Präsidenten Biden, anders als bei Trump, wichtiger Teil der politischen Agenda. So sollen die USA bis 2050 ebenfalls auf null Netto-Emissionen kommen, kündigte Biden an. Laut einer Berechnung von CAT dürfte das die globale Temperatur im 2100 Jahr um 0,1 Grad Celsius senken - diesen Einfluss hat also Trumps Abtritt auf das Klima.

"Dies könnte ein historischer Wendepunkt sein: Mit der Wahl Bidens hätten China, die USA, die EU, Japan und Südkorea - zwei Drittel der Weltwirtschaft und über 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen - bis Mitte des Jahrhunderts einen Netto-Null-Treibhausgasausstoß", sagte Bill Hare von Climate Analytics, einer der Partnerorganisationen von CAT. Insgesamt haben aktuell 127 Länder, die für 63 Prozent der Emissionen verantwortlich sind, bereits Netto-Null-Ziele übernommen oder erwägen dies zu tun. Diese neuen Verpflichtungen brächten "zum ersten Mal überhaupt die 1,5-Grad-Celsius-Grenze des Pariser Abkommens in greifbare Nähe", so Hare.

Aber es sind nicht nur die Ziele in der Zukunft, deren Umsetzung erst noch erfolgen muss, welche etwas Hoffnung machen. Laut CAT haben auch bereits umgesetzte Maßnahmen positiven Einfluss auf die Prognosen. Das zeigen Berechnungen zum Klimaeffekt der "aktuellen Politik" - im Jahr 2015 lag dieser noch bei 3,6 Grad Celsius Erwärmung im Jahr 2100. Mittlerweile ist dieser Wert laut CAT auf 2,9 Grad Celsius gesunken - unter anderem, weil verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt wird, der Einsatz von Kohle zurückgeht und die Prognosen zum Wirtschaftswachstum sinken - was zum Teil auch auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführen ist.

"Langfristige Ziele sind einfacher"

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"Fünf Jahre später ist klar, dass das Pariser Abkommen den Klimaschutz vorantreibt", sagte Niklas Höhne vom NewClimate Institute, einer weiteren Partnerorganisation von CAT. "Mit dem Pariser Abkommen wurde das Ziel einer globalen Netto-Null-Treibhausgasemission eingeführt, und jetzt sehen wir eine Welle von Ländern, die sich dem Abkommen anschließen."

Allerdings warnen die CAT-Forscher, dass trotz der ambitionierten Null-Netto-Ziele keiner der großen globalen Treibhausgasversucher bisher Anstalten macht, seine Klimaziele für das Jahr 2030 zu verschärfen - dabei läuft die Frist dafür dieses Jahr aus. Allerdings wird damit gerechnet, dass einige Länder dies noch tun werden. "Die Länder haben ihre kurzfristigen Maßnahmen noch nicht so angepasst, dass sie auf dem Weg zum langfristigen Ziel sind", sagte Höhne der BBC. Was die Gründe sind? "Langfristige Ziele sind einfacher, sie sind weit entfernt. Aber kurzfristige Aktionen finden gerade jetzt statt, und sie betreffen die Bürger, sie betreffen die Wähler. Und deshalb ist dies viel schwieriger."

Quelle: ntv.de

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