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In Wirksamkeit und Herstellung Läuft Sputnik V anderen den Rang ab?

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(Foto: REUTERS)

Mitte August wird Sputnik V als weltweit erster Corona-Impfstoff in seiner Heimat Russland freigegeben. Inzwischen setzen auch andere Länder auf das Mittel, dem französische Forscher nun eine hohe Wirksamkeit bescheinigen. Und auch Europa könnte davon profitieren.

Russland ist einem Medienbericht zufolge in der Lage, noch in diesem Jahr 700 Millionen Menschen mit dem Sputnik-V-Impfstoff zu versorgen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Chef des russischen Staatsfonds RDIF, der die Forschung finanziert.

Davon profitieren könnte dann auch die EU, sofern die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Wirkstoff zulässt, dem eine französische Studie jetzt eine hohe Wirksamkeit nach zwei Impfdosen bescheinigt. Ein entsprechender Antrag ist in der vergangenen Woche eingereicht worden. In der Bundespressekonferenz schloss der Präsident des Paul-Ehrlich-Institus, Klaus Cichutek, zuletzt die Zulassung nicht aus. Das Institut habe "die russischen Kollegen regulatorisch schon beraten". Es müsse aber sichergestellt werden, dass die Datenlage den Ansprüchen der Zulassungsbehörden genüge.

Engpässe bei anderen Herstellern

Weil der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca mit Produktionsproblemen zu kämpfen hat, will Russland mit seinem Vakzin aushelfen - beide Vakzine sind Vektor-Impfstoffe. Im zweiten Quartal könnten 100 Millionen Dosen nach Europa geliefert werden, teilte der staatliche Direktinvestmentfonds in Moskau mit, der das Vakzin mitfinanziert und im Ausland vermarktet. Ungarn hatte vergangene Woche als erstes EU-Land zwei Millionen Dosen des russischen Präparats bestellt.

Laut der in der renommierten britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie aus Frankreich schützte das vom russischen Forschungszentrum Gamaleja entwickelte Mittel in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Nach Angaben der Autoren wurde der Impfstoff zudem gut vertragen.

Russland selbst hatte bereits im Dezember damit begonnen, Risikogruppen mit Sputnik V zu impfen und im Januar eine großangelegte Impfkampagne gestartet. Nach jüngsten Zahlen haben mehr als 1,5 Millionen Menschen das aus zwei Komponenten bestehende Vakzin bereits erhalten. Sputnik V ist den Angaben zufolge mittlerweile in 15 Ländern registriert.

Gefragt in Südamerika

So wird Sputnik V trotz eines in der Ukraine verhängten Impfverbots inzwischen auch dort, im Osten des Landes, verabreicht. In den von Separatisten kontrollierten Gebieten an der russischen Grenze sollen gestern die ersten medizinischen Mitarbeiter, Beschäftigten sozialer Dienste und Vertreter von Sicherheitsorganen eine Impfung erhalten haben, berichteten Medien in der Ostukraine.

Und auch Algerien und Bolivien haben eine erste Lieferung des Medikaments erhalten und mit den Impfungen begonnen. Ebenso setzen Kolumbien, Honduras, Peru und Uruguay auf Sputnik V. Zuletzt unterschrieb Mexiko einen Vertrag über die Lieferung von 7,4 Millionen Dosen bis April, teilt Vize-Gesundheitsminister Hugo Lopez-Gatell mit. Weitere Lieferungen sollen im Mai folgen. Es sei mit einer baldigen Notfallzulassung zu rechnen.

Quelle: ntv.de, nan/dpa/AFP