Wissen

Bessere Kontrolle der Emotionen Männer gehen anders mit Stress um

imago71306602h.jpg

Auch wenn Männer Stress genauso empfinden wie Frauen, gehen sie anders mit ihm um.

(Foto: imago/Westend61)

Männer parken besser ein, Frauen hören besser zu. Solche Zuschreibungen gehören oftmals ins Reich der Mythen. Beim Umgang mit Stress allerdings unterscheiden sich die Geschlechter tatsächlich.

Stress kann belasten und auf Dauer sogar krank machen. Wie Männer und Frauen auf Stress reagieren, haben Forscher der Eberhard Karls Universität Tübingen untersucht. Die Forscher wollten wissen, ob sich gängige Geschlechtsstereotype bei Stresstests mit Frauen und Männern bestätigen lassen. Bereits bekannt ist beispielsweise, dass das Stresshormon Cortisol in brenzligen Situationen im Körpern von Männern anders aktiviert wird als in Frauenkörpern.

Für die Untersuchung mussten die Probanden zwei Aufgaben lösen. Zuerst sollte unter Zeitdruck Rechenaufgaben gelöst, danach ein virtuelles Ballspiel gespielt werden, bei dem die Akteure permanent ausgegrenzt wurden. So sollten die Studienteilnehmer auch sozialen Stress erleben.

Kein Cortisolanstieg bei Frauen

Alle Probanden hatten nach eigenen Angaben die Aufgaben als aufreibend erlebt, ganz egal, wie gut ihre Leistungen dabei waren. Die Forscher maßen vorher und während der Bewältigung der Aufgaben den Cortisolspiegel der Probanden und stellten fest, dass der Wert nur bei den männlichen Versuchspersonen anstieg. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis darauf, dass Männer und Frauen Stress zwar empfinden, die körperlichen Reaktionen darauf jedoch unterschiedlich sind. Das wurde zudem durch den Blick ins Gehirn der Probanden untermauert, denn nur bei den männlichen Teilnehmern waren bestimmte Areale während der Aufgaben stärker aktiv.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit den gestellten Aufgaben umgehen. Und "es zeigt, dass Stress nicht unbedingt einen Cortisolanstieg zur Folge haben muss", betont Professor Birgit Derntl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Tübingen. Warum das so ist, darüber können die Forscher bisher nur spekulieren.

Es ist möglich, dass Männer in Stresssituationen eher nach dem Prinzip "Fight-or-flight" (Kämpfen oder Fliehen) handeln, Frauen dagegen eher der Strategie "Tend-and-befriend" also dem Arrangieren und Anfreunden folgen.

Männer und Emotionen

Mit Hilfe einer weiteren Aufgabe wollten die Forscher herausfinden, ob es einen geschlechtsspezifischen Umgang mit Stress gibt. Die Probanden wurden aufgefordert, während der Erfüllung bestimmter Leistungsaufgaben sich nicht durch negative Gefühle zu belasten. Das konnten Männer besser als Frauen. "Entgegen unserer Erwartung sind die Frauen mit der Aufgabe, Emotionen zu kontrollieren, nicht so gut zurechtgekommen", erklärt Derntl.  

Die Forscher resümieren, dass es in Bezug auf Stress geschlechtsspezifische Effekte gibt, die für die Reaktion und den Umgang damit entscheidend sein können. Die Gründe und Mechanismen dafür sind vielfältig, müssen jedoch noch erforscht werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "NeuroImage".

Quelle: n-tv.de, jaz

Mehr zum Thema