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Nach oder während Covid-19 Manche Kinder entwickeln auch Neuro-Probleme

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Kinder können nicht nur schwer an Covid-19 erkranken, sondern auch danach an PIMS-TS.

(Foto: imago/Panthermedia)

Bereits zu Beginn der Pandemie wird im Zusammenhang mit Covid-19 von Kindern berichtet, die Symptome zeigen, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln. Eine Studie aus Großbritannien liefert nun Zahlen zu neurologischen Komplikationen bei Heranwachsenden.

Eine Covid-19-Erkrankung kann auch bei Kindern und Jugendlichen zu neurologische Komplikationen führen. Das legen die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien nah, die im Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht wurden. Demnach werteten die Wissenschaftler die Daten des Registers "CoroNerve" aus. Ärzte in Großbritannien meldeten die Covid-19-Fälle aus Kliniken, die mit neuropsychiatrischen Komplikationen einhergingen. Dabei zeigte sich, dass auch Kinder und Jugendliche von diesen Komplikationen betroffen waren.

Ganz konkret wurden bei der Sichtung der Daten, die im Zeitraum vom 2. April 2020 bis zum 1. Februar 2021 eingingen, 52 solcher Fälle identifiziert, davon 22 Mädchen und 30 Jungen im Alter zwischen einem und 17 Jahren. Insgesamt mussten 1334 Kinder und Jugendliche in Großbritannien in diesen zehn Monaten wegen Covid-19 oder Komplikationen im Zusammenhang damit in einem Krankenhaus behandelt werden. 9 der 52 Betroffenen zeigten keine Symptome durch Covid-19, obwohl das Virus durch einen PCR-Test nachgewiesen werden konnte.

Junge Patienten mit und ohne PIMS-TS

Die Forscher konnten die jungen Patienten zudem in zwei Gruppen einteilen. Es handelte sich dabei zum einen um Kinder, bei denen Wochen nach einem eher milden oder sogar symptomlosen Verlauf von Covid-19 zu einem sogenannten PIMS-TS gekommen ist. Das sogenannte "Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome Temporally Associated with Sars-CoV-2 Infection" beschreibt ein multisystemisches Entzündungssyndrom, das durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems ausgelöst wird und an das sogenannte Kawasaki-Syndrom erinnert. 25 Kinder waren davon betroffen, schreiben die Forscher der Liverpool University in ihrer Mitteilung. 20 davon mussten auf Intensivstationen behandelt werden.

Bei diesen Patienten kam es zu verschiedenen neurologischen Komplikationen. Am häufigsten wurden krankhafte Gehirnveränderungen, sogenannte Enzephalopathien festgestellt. Es zeigten sich auch Verhaltensveränderungen und Halluzinationen. Zudem wurden Krampfanfälle und Beeinträchtigungen des Nervensystems außerhalb des Gehirns beobachtet. Einige junge Patienten hatten mehrere dieser Symptome.

Die Kinder der zweiten Gruppe litten hingegen nicht an PIMS-TS. Sie zeigten die neurologischen Komplikationen während des akuten Verlaufs von Covid-19, dazu gehörten beispielsweise wiederkehrende Krampfanfälle, Hirnentzündungen und das Guillain-Barré-Syndrom. Die Forscher gehen aufgrund der verschiedenen Erkrankungen davon aus, dass bei den beiden Gruppen unterschiedliche Mechanismen des Immunsystems wirken. Dennoch wird bisher nicht verstanden, wie genau es zu diesen schweren Erkrankungen kommt.

Durchblutungsstörungen und Schlaganfälle

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Im Gegensatz zu Erwachsenen litten die Kinder nur sehr selten an Durchblutungsstörungen. Zwei Kinder mit Covid-19 hatten dennoch einen Schlaganfall, ein Kind verstarb daran. 17 wurden wegen der neurologischen Komplikationen mit Behinderungen aus der Klinik entlassen. Unklar blieb allerdings, ob sich die Kinder später noch erholten. Die Wahrscheinlichkeit ist in diesen Fällen bei Kindern höher als bei Erwachsenen.

Auch in Deutschland werden Kinder- und Jugendärzte seit Mai 2020 gebeten, Fälle von Kindern und Jugendlichen mit neurologischen Komplikationen, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen könnten, zu melden.

Quelle: ntv.de, jaz

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