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Große Mengen Wasser Marsflüsse waren überraschend breit

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Satellitenbild eines konservierten Flusskanals auf dem Mars. Die Farben zeigen verschiedene Höhen an (blau - niedrig, gelb - hoch).

(Foto: NASA/JPL/Univ. Arizona/UChicago/dpa)

Gigantische Ströme: Die Analyse von Mars-Bildern zeigt, dass die Oberfläche von großen Flüssen durchzogen war. Zudem hielt sich dieses System auf dem Roten Planeten unerwartet lange. Dabei war es dort eigentlich meist zu kalt für flüssiges Wasser.

Auf dem Mars sind noch vor vergleichsweise kurzer Zeit mächtige Flüsse geflossen, die im Schnitt doppelt so breit waren wie die auf der Erde. Das berichtet ein Forscherteam um Edwin Kite von der Universität Chicago nach einer systematischen Analyse ausgetrockneter Flussbetten auf dem Roten Planeten. Noch vor rund einer Milliarde Jahren - und damit deutlich länger als gedacht - müssten viele Flüsse auf dem Mars große Mengen Wasser geführt haben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Science Advances".

Die Oberfläche des Roten Planeten ist durchzogen von Hunderten ausgetrockneten Flussbetten. Kites Team analysierte mehr als 200 davon anhand der zahlreichen Aufnahmen von Marssonden. Die statistische Auswertung zeigt, dass die Marsflüsse im Mittel rund doppelt so breit waren wie irdische. Breite und Gefälle der Flussbetten sowie die Menge des Kies darin erlauben eine Abschätzung der Wassermenge, die dort geflossen sein muss. Da die analysierten Flussbetten aus ganz unterschiedlichen Epochen der Marsgeschichte stammen, lässt sich so auch die zeitliche Entwicklung von Flüssen auf unserem Nachbarplaneten verfolgen.

Feuchte Phase

Die Analyse ergab, dass die Flüsse durch alle Epochen noch bis vor rund einer Milliarde Jahren zum Ende der "feuchten Phase" des Marsklimas erhebliche Mengen Wasser geführt haben müssen. Aus ihrem jeweiligen Einzugsgebiet müssen demnach täglich 3 bis 20 Liter Wasser pro Quadratmeter in die Marsflüsse geströmt sein.

Diese Menge ist überraschend, da bisherige Modelle der Klimageschichte des Mars davon ausgehen, dass der Rote Planet mit dem allmählichen Verlust seiner Atmosphäre auch immer weniger flüssiges Wasser besessen hat, das sich in Flüssen sammeln konnte. "Man würde erwarten, dass sie mit der Zeit langsam versiegen", erläutert Kite in einer Mitteilung seiner Universität. "Aber das ist nicht, was wir beobachten." Zwar sei die typische Länge der Flüsse von Tausenden auf Hunderte Kilometer geschrumpft, sie hätten jedoch nach wie vor erhebliche Mengen Wasser transportiert.

Die Beobachtungen verkomplizieren nach Kites Worten das Bild vom früheren Marsklima, das selbst zu warmen Zeiten eigentlich meist zu kalt für flüssiges Wasser gewesen sein müsse. "Es ist schon schwer, Flüsse oder Seen auf Grundlage der verfügbaren Informationen zu erklären", betont der Forscher. "Dies macht ein schwieriges Problem noch komplizierter." Die Studie könne helfen, die zahlreichen Theorien zum Marsklima einzugrenzen.

Quelle: n-tv.de, Till Mundzeck, dpa

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