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Spur führt nach WestafrikaMöglicher Ursprung des Affenpockenvirus entdeckt

12.02.2026, 15:01 Uhr
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Mpox ist eine zoonotische Infektionskrankheit, wird also vom Tier auf den Menschen übertragen. Beim Menschen kann sie zu schweren Krankheitsverläufen führen. (Foto: picture alliance / abaca)

Forscher weisen erstmals nach, wie das Affenpockenvirus in der Wildnis überspringt. Ein kleines Nagetier gilt als wahrscheinlicher Ursprung der Infektionskette. Genetische Spuren in Affenkot spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Der Ursprung von Infektionskrankheiten liegt oft im Dunkeln - beim Auslöser der Corona-Pandemie ist bis heute nicht geklärt, woher das Virus ursprünglich stammt. Bei einigen Krankheitserregern weiß man mittlerweile zwar mehr, etwa bei der Pest. Nun will ein Forschungsteam auch den Ursprung der Affenpocken lokalisiert haben.

In einer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie machen die Forscherinnen und Forscher das sogenannte Feuerfußhörnchen (Funisciurus pyrropus) als wahrscheinliches natürliches Reservoir für das Affenpockenvirus aus, das die Krankheit Mpox auslösen kann. Diese Nagetiere zählen zur Familie der Hörnchen und kommen in West- und Zentralafrika vor.

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Bei Affen der Art Rußmangabe stellten die Forscher 2023 einen Mpox-Ausbruch fest - dieser führte sie schließlich auf die Spur jenes Tieres, welches als Ursprungswirt des Virus vermutet wird. (Foto: Taï Chimpanzee Project/Ane Lopez-Morales)

Die Entdeckung basiert auf der detaillierten Untersuchung eines Mpox-Ausbruchs unter Affen der Art Rußmangabe im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste. Das Forschungsteam dokumentierte damit erstmals die Übertragung von Mpox zwischen Arten in freier Wildbahn - von Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben.

Schwere Verläufe bei Menschen möglich

Mpox ist eine zoonotische Infektionskrankheit, wird also vom Tier auf den Menschen übertragen. Beim Menschen kann sie zu schweren Krankheitsverläufen führen. In West- und Zentralafrika kommt es laut den Autoren der Studie regelmäßig zu Übertragungen von Wildtieren auf Menschen. Einige dieser sogenannten "Spillover-Ereignisse" hätten in jüngerer Zeit große globale Ausbrüche ausgelöst, die anschließend durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung aufrechterhalten wurden.

Einen Hinweis darauf, welches Tier der natürliche Wirt und damit Ursprung für das Affenpockenvirus ist, fand das Team im Jahr 2023: Bei regelmäßigen medizinischen Untersuchungen von Schimpansen und anderen Tieren im Taï-Nationalpark fiel ein Mpox-Ausbruch bei den Rußmangaben auf. Genetische Analysen ergaben, dass das in den Affen gefundene Virus nahezu identisch war mit einem Virus, das zuvor in einem in der Nähe tot aufgefundenen Feuerfußhörnchen nachgewiesen worden war.

Kot-Analysen der Rußmangaben lieferten weitere Hinweise: In Proben, die acht Wochen vor dem Mpox-Ausbruch genommen worden waren, fanden die Forscher Virus-DNA sowie DNA des Feuerfußhörnchens - zuvor waren die Affen bereits dabei beobachtet worden, wie sie Feuerfußhörnchen fingen und fraßen. Damit konnten die Forschenden einen direkten Weg für die Übertragung von Viren ausmachen.

Übertragung auf Menschen verstehen

Hörnchen standen laut den Autoren seit Langem im Verdacht, potenzielle Reservoirs für Affenpockenviren zu sein. Das Virus wurde erstmals 1985 aus einem Wildtier - einem in der Demokratischen Republik Kongo gefangenen Seilhörnchen (Funisciurus anaerythrus) - isoliert. Auch im Jahr 2003 wurden importierte, infizierte Eichhörnchen verdächtigt, einen Mpox-Ausbruch bei Besitzern von Präriehunden in den USA ausgelöst zu haben. Ein direkter Nachweis, dass diese Tiere in freier Wildbahn tatsächlich einen Ausbruch bei einer anderen Tierart verursachen können, fehlte jedoch bislang.

Die Entdeckung der Ansteckungswege zwischen Arten sei essenziell, um auch die Übertragung von Tier zu Mensch zu verstehen, sagte Co-Autorin Livia Patrono, laut einer Mitteilung des beteiligten Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH): Denn dadurch könne man "wirksame Präventionsmaßnahmen (...) entwickeln, die das Risiko einer Übertragung auf den Menschen verringern".

"Diese Entdeckung war nur dank langjähriger ökologischer Forschung, kontinuierlicher Gesundheitsüberwachung und systematischer Probenahme im Taï-Nationalpark möglich", sagt Fabian Leendertz, leitender Autor der Studie. "Solche Anstrengungen müssen wir fortsetzen und ausbauen, um die Risiken durch neu auftretende Infektionskrankheiten - einschließlich Mpox - besser zu verstehen und ihnen präventiv zu begegnen."

Quelle: ntv.de, kst

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