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Erste Pandemie der Menschheit?Erreger in 5500 Jahre alten Knochen gefunden

26.01.2026, 20:24 Uhr
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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Treponema pallidum, dem Bakterium, das Syphilis verursacht. (Foto: picture alliance / BSIP | NIH-NIAID / IMAGE POINT FR)

Die Frage, woher die Syphilis stammt, beschäftigt die Forschung seit Langem. Ein uralter Knochenfund aus Kolumbien beweist laut den beteiligten Forschern, dass der Ursprung nicht in der Alten Welt liegt, wie vermutet. Auch eine andere These sei damit widerlegt.

In Kolumbien haben Forschende den mit Abstand ältesten bisher bekannten Syphilis-Erreger entdeckt. Das Team um Davide Bozzi von der Universität Lausanne rekonstruierte Erbgut des Bakteriums aus dem 5500 Jahre alten Schienbeinknochen eines Erwachsenen, dessen Überreste in der zentralkolumbianischen Region Sabana de Bogotá unter einem Felsvorsprung geborgen wurden. Damit ist es etwa 3000 Jahre älter als der bisher früheste Erregernachweis.

Der in der Zeitschrift "Science" vorgestellte Fund widerlegt eindeutig die Vermutung, der Erreger Treponema pallidum könnte möglicherweise ursprünglich aus der Alten Welt, also Europa, Afrika oder Asien stammen. Er widerspricht auch der These, das Bakterium habe sich erst nach der Ausbreitung intensiverer Landwirtschaft und der damit einhergehenden höheren Bevölkerungsdichte ausbreiten können. Stattdessen zirkulierte der Erreger bereits unter Jäger und Sammlern mit eingehendem Kontakt zu Wildtieren.

Vierte Variante bleibt rätselhaft

Heutzutage existiert das Bakterium T. palladum in drei sehr eng miteinander verwandten Subspezies, die jeweils Syphilis, Bejel und Frambösie verursachen. Eine vierte, etwas rätselhafte Variante, deren Erbgut bisher noch nicht rekonstruiert wurde, löst die Hautkrankheit Pinta aus.

Von dem nun entdeckten Erreger rekonstruierte das Team um Bozzi etwa 75 Prozent des Genoms. Ihrer Analyse zufolge handelt es sich bei TE1-3 vermutlich um eine Linie, die sich vor schätzungsweise 13.700 Jahren von jenem Vorläufer abspaltete, von dem die drei bekanntesten heutigen Subspezies abstammen. Diese entstanden demnach wohl vor etwa 6000 Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren.

"Möglicherweise haben wir eine alte Form jenes Erregers gefunden, der Pinta verursacht", spekuliert Co-Autorin Anna-Sapfo Malaspinas, ebenfalls aus Lausanne. "Über diese Krankheit wissen wir wenig, aber sie ist in Mittel- und Südamerika endemisch und verursacht Symptome der Haut."

"Vorbote" der globalen Infektionskrankheiten

In einem "Science"-Kommentar schreiben Molly Zuckerman von der Mississippi State University und Lydia Bailey vom National Museum of Natural History in Washington: Die Ursprünge moderner Infektionskrankheiten könnten generell nützliche Hinweise geben für zukünftige Überwachungsstrategien gegen das Aufkommen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Erstmals historisch dokumentiert ist Syphilis im Jahr 1495, drei Jahre nach der Ankunft von Christoph Kolumbus in Amerika und kurz nach seiner Rückkehr nach Europa. "Möglicherweise war die Syphilis des 15. Jahrhunderts die erste globale Infektionskrankheit und ein Vorbote aller späteren, von HIV/Aids bis Covid-19", schreiben Zuckerman und Bailey in ihrem Kommentar.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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