WHO schickt FachleuteMysteriöse Krankheit in Burundi tötet fünf Menschen
Von Simone Schlindwein, Kampala
Im ostafrikanischen Land Burundi ist eine unbekannte Krankheit aufgetaucht. Bereits fünf Menschen sind daran gestorben. Jetzt fliegen internationale Seuchenexperten ein und versuchen herauszubekommen, worum es sich handelt.
Fieber, Erbrechen, Durchfall, Blut im Urin, Müdigkeit und Bauchschmerzen – so lauten die Symptome einer noch unbekannten Krankheit, die in dem kleinen ostafrikanischen Land Burundi ausgebrochen ist. Bereits fünf Menschen sind in den vergangenen drei Wochen dran gestorben, so die Angaben von Burundis Gesundheitsministerium, 35 weitere sind den Angaben zufolge infiziert.
Alle betroffenen Familien leben im Bezirk Mpanda, rund 25 Kilometer nordöstlich der Wirtschaftsmetropole Bujumbura am Ufer des gewaltigen Tanganjikasees.
Burundis Gesundheitsministerin Lydwine Baradahana hat bereits Mitte April das betroffene Gebiet besucht, in Begleitung von Gesundheitsexperten. Sie erklärte, dass die Regierung nach Bekanntwerden der ersten Fälle Ende März bereits umgehend Sofortmaßnahmen ergriffen habe: Ein Expertenteam habe die Erkrankten versorgt und isoliert, um Ansteckungen zu vermeiden. Sämtliche Angehörige und weitere Kontaktpersonen würden seither engmaschig überwacht.
Parallel dazu wurden verschiedene Labortests durchgeführt, um hochansteckende Krankheiten auszuschließen: darunter tödliche Tropenkrankheiten wie Ebola, Marburg, Gelbfieber und Rift-Valley-Fieber. "Alle Ergebnisse sind negativ", versicherte die Ministerin gegenüber den Anwohnern des kleinen Bezirks. Proben seien zur weiteren Analyse ins Ausland geschickt worden, fügte sie hinzu: "Es werden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und eine mögliche Ausbreitung der Infektion zu verhindern."
Internationale Hilfe wird eingeflogen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde hinzugezogen und bestätigte ihre Hilfe in einer Erklärung: Die WHO unterstütze Burundis Gesundheitsministerium bei "der Krankheitsüberwachung, Felduntersuchungen, der klinischen Versorgung, der Labordiagnostik sowie der Infektionsprävention und -kontrolle und leistet gleichzeitig logistische Unterstützung zur Aufrechterhaltung wichtiger Maßnahmen". Die Organisation hat zudem den Versand von Proben an das Nationale Institut für Biomedizinische Forschung in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo zur weiteren Analyse ermöglicht.
Auch das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle CDC-Africa wurde eingeschaltet. "Nächste Woche wird ein hochrangiges Team nach Burundi reisen", bestätigt Professor Yap Boum, der im CDC-Afrika jüngst für den Ausbruch von Affenpocken - Mpox - in Afrika zuständig war. Der zentralafrikanische Seuchenexperte ist spezialisiert auf die Diagnose seltener Krankheitssymptome. Während der Coronapandemie 2020 war er für die Eindämmung des Covid-19-Ausbruchs in Kamerun zuständig. Er versichert, sein Team werde gemeinsam mit burundischen Experten herausfinden, "was die bisher unentdeckte Ursache sein könnte oder welche Lücken im Land bestehen, um die spezifische Ursache der Krankheit tatsächlich nachweisen zu können", so Boum in einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Die gute Nachricht ist, dass die Fallzahlen nicht gestiegen sind", betont er ausdrücklich.
Kongo: Herd für mysteriöse Krankheiten
Bereits im Januar waren in dem Bezirk in Burundi, nur wenige Dörfer weiter, Menschen an einer unbekannten Krankheit erkrankt. Die Infizierten hatten allerdings andere Symptome, darunter einen Hautausschlag, der dem der Affenpocken (Mpox) ähnlich sah, die Mpox-Tests schlugen darauf allerdings nicht an. Niemand starb daran.
Die lokalen Behörden befürchten, dass die Abertausenden Geflüchteten aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo die Krankheiten einschleppen. Aufgrund des Krieges jenseits der Grenze retten sich immer wieder Kongolesen nach Burundi. Rund 200.000 waren es zu Beginn des Jahres, mittlerweile kehren einige zurück in ihre Dörfer.
Kongos dichter Dschungel war bereits in der Vergangenheit das Epizentrum mysteriöser Krankheiten. Bereits Ende 2024 und Anfang 2025 starben in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 60 Menschen innerhalb weniger Tage nach der Infektion mit einer mysteriösen Krankheit. Die Symptome waren damals ähnlich wie die derzeitigen in Burundi.
Auch damals flogen Seuchenexperten aus aller Welt in den Dschungel, um die Erkrankten zu untersuchen und Tests zu machen. Letztlich stellte sich heraus, dass es sich bei der kongolesischen Krankheit um eine seltene Variante von Malaria handelte, die innerhalb von 48 Stunden zum Tode führen kann, vor allem bei Kindern. Der mutierte Malaria-Strang konnte jedoch mit den gängigen Tests in Kongos maroden Gesundheitszentren nicht festgestellt werden.