Nach Dezimierung durch WalfangViele Walpopulationen erholen sich deutlich

Nach fast einem Jahrhundert rücksichtslosen Walfangs zeigen sich Anzeichen der Erholung bei vielen Walarten. Besonders Buckelwale erreichen wieder historische Bestände. Doch neue Gefahren könnten die positiven Entwicklungen stoppen.
Wale galten gegen Ende des 20. Jahrhunderts als Rarität in den Weltmeeren. Der Walfang hatte eine Walpopulation nach der anderen fast zum Aussterben gebracht. Besonders die Erfindung der Sprengstoff-Harpune machte das Töten einfach: Nach Schätzungen wurden zwischen 1900 und 1999 insgesamt fast drei Millionen Wale erlegt. Der weltweite Bestand ging teilweise um mehr als 90 Prozent zurück. Doch in jüngerer Vergangenheit gab es Anzeichen für eine Erholung.
Unter anderem die Population der Buckelwale, zu denen auch das in der Ostsee gestrandete Tier zählt, hat sich nach Untersuchungen deutlich erholt. Die Tiere waren lange ein beliebtes Ziel für Walfänger, weil sie sich überwiegend in Küstengewässern aufhalten. Die bis zu 18 Meter langen und bis zu 40 Tonnen schweren Wale galten in den 1960er Jahren als fast ausgerottet. Bis die meisten Staaten in den 1980er Jahren schließlich beschlossen, gar keine Wale mehr zu töten.
Im Südatlantik gab es in den 1950er Jahren nach Schätzungen noch lediglich 450 Buckelwale. Laut Zahlen der Weltnaturschutzunion (IUCN) waren 2018 weltweit wieder rund 84.000 erwachsene Tiere in den Weltmeeren unterwegs, mit steigender Tendenz. In fast allen Regionen der Erde hätte der Bestand wieder das Niveau von vor 1942 erreicht, heißt es bei der IUCN. Auf der Roten Liste gefährdeter Arten wird der Buckelwal mittlerweile als "nicht gefährdet" eingestuft.
"Erheblicher Anstieg" der Finnwale
Dass Buckelwale in den vergangenen Jahren häufiger in der Ostsee beobachtet wurden, werten Experten ebenfalls als Folge einer wachsenden Population. "Die Tatsache, dass wir sie jetzt öfter sehen, spiegelt wider, dass sich der Buckelwal enorm erholt hat", sagte der Biologe und Walforscher Peter Madsen der "FAZ". In einigen Teilen der Welt habe die Walart wieder ihre natürliche Anzahl erreicht, so Madsen.
Auch andere stark dezimierte Walarten scheinen sich wieder zu erholen, etwa der Finnwal. Die Tiere werden im Schnitt 22 Meter lang und wiegen um die 70 Tonnen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde ihre Population von einst rund 325.000 Tieren durch Jagd stark dezimiert. Mittlerweile berichtet die IUCN von einem "erheblichen Anstieg" in einigen Regionen des Nordatlantiks, weltweit soll es wieder rund 100.000 erwachsene Tiere geben. Ein Forschungsteam der Universität Hamburg konnte bei Expeditionen 2018 und 2019 in der Antarktis wieder große Gruppen von bis zu 150 Tieren nachweisen.
Auch bei Blauwalen, dem größten Tier der Erde, gibt es vorsichtige Anzeichen einer Erholung. Blauwale werden zwar immer noch als gefährdete Art eingeschätzt, die Population nimmt aber offenbar wieder zu. Dennoch gibt es weltweit derzeit nur 5000 bis 15.000 erwachsene Tiere. Im Jahr 1926 waren es laut IUCN noch etwa 140.000.
Klimawandel bedroht Bestand
Andere Walarten hingegen gelten weiterhin als vom Aussterben bedroht: etwa der Atlantische Nordkaper, auch Nordatlantischer Glattwal genannt. Die Männchen dieses langsam schwimmenden Bartenwals werden bis zu 70 Tonnen schwer. Nur auf wenige Hundert Tiere wird der heutige Bestand geschätzt. Dennoch berichtete die US-Behörde NOAA auch hier von einem leicht positiven Trend.
Allerdings drohen den Walen nach dem Ende der Walfang-Ära neue Herausforderungen, etwa der Klimawandel. Laut einer Studie könnten viele Fortpflanzungsgebiete der Buckelwale bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr innerhalb ihres historischen Temperaturbereichs liegen, was einen erneuten Rückgang der Population zur Folge haben könnte. Weitere Gefahren für die großen Meeressäuger sind Umweltbelastungen und Giftstoffe aus der Industrie.
Als das größte Problem bezeichnen Experten jedoch, dass Wale als Beifang beim Fischfang sterben. Nach Schätzungen sollen jedes Jahr 300.000 Wale und Delfine als Beifang in Netzen landen und dort qualvoll ersticken.