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Spurensuche auf Rotem Planeten Nasa schickt "Perseverance" auf Marsmission

Er ist 1000 Kilogramm schwer und der Cleverste seiner Art: Der Mars-Rover "Perseverance" soll heute von Cape Canaveral zu seiner Mission zum Roten Planeten aufbrechen. Dort sucht er nach Spuren von Leben und könnte sogar den Grundstein für den Traum vom Menschen auf dem Mars legen.

Rund acht Jahre nach "Curiosity" will die US-Raumfahrtbehörde Nasa wieder einen Rover zum Mars schicken. Der rund 1000 Kilogramm schwere unbemannte Roboter von der Größe eines Kleinwagens bekam den Namen "Perseverance", was auf Deutsch so viel bedeutet wie "Durchhaltevermögen". Er soll der bislang größte und cleverste Rover sein, den die Nasa jemals zum Mars geschossen hat.

Wenn alles klappt, startet "Perseverance" um 13.50 Uhr unserer Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus an Bord einer "Atlas V"-Rakete. Er soll nach Spuren mikrobakteriellen Lebens suchen, zudem Klima und Geologie des Planeten erkunden. Läuft alles nach Plan, landet der rund 2,5 Milliarden Dollar teure Rover im Februar auf dem Mars, 480 Millionen Kilometer entfernt von der Erde.

Als Landeplatz haben die Forscher den Jezero-Krater ausgewählt, ein einstiges Flussdelta. Der Krater ist etwa 45 Kilometer breit und bereits vor gut drei Milliarden Jahren ausgetrocknet. Man hofft, dort Spuren zu finden, die auf Organismen auf dem Mars hindeuten. Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums.

"Perseverance" soll Gesteins- und Bodenproben nehmen, diese in kleine Röhrchen verpacken und dann bereitlegen - für eine Folgemission zum Mars, die die Proben einsammeln und zur Erde bringen wird. Diese Mission könne jedoch frühestens 2026 starten.

Der Traum vom Menschen auf dem Mars

An Bord hat der neue Mars-Rover sieben wissenschaftliche Instrumente, 23 Kameras und einen Laser. Unter den Geräten sind auch Thermosensoren des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien in Jena. Sie können berührungslos die Oberflächentemperatur messen. Zwei Mikrofone ermöglichen es zudem erstmals, die Geräusche auf dem Mars zu hören.

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"Ingenuity" ist der erste Helikopter, der auf dem Mars fliegen wird, trotz der dünnen Atmosphäre.

(Foto: via REUTERS)

"Perseverance" fliegt nicht allein. In seinem Bauch reist ein kleiner Hubschrauber mit, der auf den Namen "Ingenuity" (Genialität/Einfallsreichtum) getauft wurde. Um in der dünnen Marsatmosphäre abheben zu können, muss die Drohne leicht und schnell sein. "Ingenuity" wiegt deshalb gerade einmal 1800 Gramm und seine Rotorblätter drehen sich mit 3000 Umdrehungen pro Minute rund zehnmal schneller als bei einem Helikopter auf der Erde.

Außerdem führt der neue Mars-Rover einen Apparat bei sich, der Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Sauerstoff umwandeln kann. Damit könnte "Perseverance" einen wichtigen Grundstein für die wohl ehrgeizigste Mission zum Mars legen: dass zum ersten Mal ein Mensch einen Fuß auf den Roten Planeten setzt. Manchen Visionären wie Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk schwebt schon jetzt eine dauerhafte Besiedlung vor. Vorerst schaffen es allerdings nur die Namen von rund elf Millionen Menschen auf den Mars. Sie sind auf drei fingernagelgroße Chips gebrannt, die der Rover mitbringt.

Gelingt die Landung, dann wäre "Perseverance" bereits der fünfte Rover, den die Nasa zum Mars bringt - nach dem "Sojourner" 1997, den Zwillingsrobotern "Spirit" und "Opportunity" 2004 und dem einzigen noch aktiven Rover "Curiosity". Zudem schaffte es unter anderem 2018 der stationäre Nasa-Lander "Insight" zum Mars, außerdem kreisen mehrere Sonden um den Roten Planeten.

"Wir klatschen einander zu"

Derzeit stehen Erde und Mars günstig für Flüge zu unserem Nachbarplaneten. So hatten bereits am 20. Juli die Vereinigten Arabischen Emirate als erste arabische Nation eine Raumsonde in Richtung Mars geschickt. Sie soll aber nicht darauf landen. Drei Tage später startete China ein Raumschiff Richtung Mars, das unter anderem ein Gefährt von der Größe eines Golfplatzfahrzeugs enthält. Beide Raumsonden sollen wie "Perseverance" im Februar an ihrem Ziel ankommen.

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Konkurrenzdenken zwischen den Staaten herrscht Thomas Zurbuchen, Wissenschaftsdirektor der Raumfahrtbehörde Nasa, zufolge nicht: "Wir sind froh, wenn immer andere Länder auch mit uns zusammen forschen und auch ihr Geld ausgeben, um eben diese wichtige Forschung zu machen", sagte er im Bayrischen Rundfunk. Die Wissenschaft sei international: "Wir klatschen einander zu." Man habe China zum erfolgreichen Start gratuliert, "und wir wissen, dass die Chinesen auch uns gratulieren, wenn wir erfolgreich starten".

Nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren erfolgreich. 2016 war etwa die Sonde "Schiaparelli" der europäischen Raumfahrtagentur Esa infolge eines Computerfehlers beim Landeanflug abgestürzt.

Quelle: ntv.de, hny/dpa/AFP