Gerst und Maurer nicht dabeiItaliener profitiert offenbar von Strategieschwenk bei "Artemis"-Mission

Die Nasa will mit europäischer Hilfe zurück auf den Mond. Auf dem Weg dorthin ändert die Behörde aber ihren Plan und setzt zunächst auf Vorbereitungsflüge. Dadurch rückt ein Italiener in die erste Reihe, dessen spezielle Erfahrung bei "Artemis 3" gefragt ist - vorerst zum Nachteil deutscher Vertreter.
Erstmals wird Europa mit einem eigenen Astronauten beim Nasa-Mondprogramm dabei sein - aber überraschenderweise ohne einen Deutschen: Nicht Alexander Gerst oder Matthias Maurer werden der erste Esa-Astronaut auf einer "Artemis"-Mission sein, sondern der Italiener Luca Parmitano. Der 49-Jährige sei einer der vier Raumfahrer bei "Artemis 3", sagte Jared Isaacman, Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Artemis 3" soll im nächsten Jahr starten - allerdings nicht zum Mond, sondern nur zu Tests in eine Erdumlaufbahn. Mit zur Crew sollen auch die US-Amerikaner Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik gehören, für den Notfall steht Bob Hines als Ersatz bereit.
Anders als ursprünglich geplant ist bei "Artemis 3" keine Mondlandung vorgesehen. Stattdessen soll das Koppeln des Raumschiffs "Orion" mit Mondlandesystemen getestet werden. Mit dem "Artemis"-Programm strebt die US-Raumfahrtagentur Nasa eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond an.
Esa-Chef Josef Aschbacher hatte Ende 2025 gesagt: "Ich habe entschieden, dass die ersten Europäer, die auf einer Mondmission fliegen werden, Esa-Astronauten deutscher, französischer und italienischer Nationalität sein werden." Zuerst sei Deutschland an der Reihe. Die beiden deutschen Esa-Raumfahrer Alexander Gerst und Matthias Maurer hatten mehrfach betont, diese Chance sehr gern wahrnehmen zu wollen.
Nun zeigte sich Aschbacher zufrieden. "Hier bei der Esa gibt es echten Stolz zu wissen, dass neben dem Nasa-Kommandanten ein europäischer Astronaut an der Steuerung dieser Mission beteiligt sein wird", sagte er. "Wir hätten uns keinen besseren Piloten wünschen können." Parmitano werde sicher "ein bisschen italienische Leichtigkeit ins Cockpit" bringen, sagte Aschbacher.
Der 49 Jahre alte Luca Parmitano ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wurde an der italienischen Luftwaffenakademie ausgebildet und war Testpilot. 2009 wurde er als Esa-Astronaut ausgewählt, war zweimal auf der Raumstation ISS und dort mehrfach an Andockmanövern beteiligt. In diesem Zusammenhang lobte Aschenbacher Parmitano nochmals für seinen Umgang mit einem dramatischen Vorfall: Bei einem Außeneinsatz hatte sich 2013 der Helm des Italieners mit Wasser gefüllt, beinahe wäre er ertrunken, er schaffte es aber noch knapp zurück an Bord. Wie professionell Parmitano damit umgegangen sei, verrate einem mehr über ihn als jeder Lebenslauf, sagte Aschbacher.
Nasa-Chef Isaacman hatte Ende Februar für das "Artemis"-Programm überraschend eine Strategieänderung angekündigt - und zunächst Koppel-Manöver ins Zentrum gestellt. Erst im Jahr darauf, als 2028, könnte es dann Mondlandungs-Missionen geben - und dann gleich zwei: "Artemis 4" und "Artemis 5". In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Verzögerungen. Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert waren Anfang April wieder Menschen in die Nähe des Mondes geflogen. Gelandet waren sie nicht. Zur "Artemis 2"-Crew hatten drei US-Amerikaner und ein Kanadier gehört.