Hilfe gegen SauerstoffmangelNeue Schlafapnoe-Pille könnte Atemmaske ersetzen

Wer unter Schlafapnoe leidet, muss bislang meist Nacht für Nacht eine Atemmaske tragen. Viele empfinden sie als unbequem oder halten die Behandlung nicht durch. Nun zeigt eine große Studie: Eine Tablette vor dem Schlafengehen könnte nächtliche Atemaussetzer deutlich verringern.
Atemaussetzer in der Nacht sind weiter verbreitet, als man vermuten würde. Allein in Deutschland leiden Schätzungen zufolge bis zu 30 Millionen Menschen an obstruktiver Schlafapnoe. Die wirksamste Standardtherapie ist bislang die Atemmaske. Diese wird aber häufig als störend, laut oder unbequem empfunden. Eine neue Tablette namens AD109, die vor dem Schlafengehen eingenommen wird, könnte das nun ändern. In einer großen Studie konnte die Pille nächtliche Atemaussetzer senken und die Sauerstoffversorgung verbessern.
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe erschlafft im Schlaf die Muskulatur im Rachenraum so stark, dass die oberen Atemwege immer wieder teilweise oder ganz zusammenfallen. Die Folge sind Atemaussetzer, oft begleitet von lautem Schnarchen und kurzen Weckreaktionen, die Betroffene meist gar nicht bemerken. Typische Folgen sind starke Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein langfristig erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bisher gilt die sogenannte PAP- oder CPAP-Therapie als Goldstandard. Über eine Maske wird nachts leichter Überdruck erzeugt, damit die Atemwege offen bleiben. Das Problem: Viele Patienten lehnen die Therapie ab oder halten sie auf Dauer nicht durch. Hier setzte das Forschungsteam um Patrick Strollo von der University of Pittsburgh mit der neuen Tablette an.
Wie wirkt die Tablette?
Ihre Studie, die im Fachmagazin "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" veröffentlicht wurde, umfasste 646 Erwachsene in den USA und Kanada. Teilnehmen konnten Menschen mit leichter bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe, die eine PAP-Therapie nicht vertrugen oder ablehnten. Über 26 Wochen erhielten sie entweder die Tablette AD109 oder ein Placebo. Der wichtigste Messwert war die Zahl der Atemaussetzer und Atemflussminderungen pro Stunde Schlaf.
Das Ergebnis: Nach 26 Wochen hatten die Teilnehmer, die den Wirkstoff eingenommen haben, deutlich weniger nächtliche Atemaussetzer als die Placebo-Gruppe. Bei rund 40 Prozent der Behandelten halbierte sich die Zahl der Atemaussetzer sogar. Und bei gut 22 Prozent sank sie auf weniger als fünf pro Stunde - also in einen Bereich, der als weitgehend unauffällig gilt. Auch die Sauerstoffversorgung im Schlaf verbesserte sich.
Wie wirkt die Tablette? Das Medikament soll laut Forschungsteam den Muskeltonus, also den Grundspannungszustand der Muskulatur in den oberen Atemwegen während des Schlafs erhöhen und so verhindern, dass Rachen und Zunge zu stark erschlaffen. AD109 sei darauf ausgelegt, genau diese neuromuskuläre Ursache der Erkrankung anzugehen, schreiben die Studienautoren.
Zulassung in den USA bereits beantragt
Ohne Nebenwirkungen kommt AD109 allerdings nicht aus. Die häufigsten waren Mundtrockenheit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und erschwertes Wasserlassen. Auffällig ist vor allem die Abbruchquote: 21,2 Prozent der AD109-Gruppe beendeten die Therapie wegen Nebenwirkungen, in der Placebogruppe waren es nur 3,1 Prozent. Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen wurden laut Studie zwar nicht beobachtet, aber gerade für den Alltagseinsatz sei es wichtig, wie gut Patienten die Tablette langfristig tatsächlich vertragen.
Der Hersteller Apnimed hat in den USA bereits die Zulassung für AD109 beantragt. Eine Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA könnte nach Firmenangaben Anfang 2027 fallen. Noch ist die Tablette also nicht zugelassen - aber sie ist einer möglichen Anwendung im Alltag schon deutlich näher als viele andere Medikamente gegen Schlafapnoe zuvor.