Zu wenig? Zu viel?Diese Schlafdauer senkt das Demenzrisiko erheblich

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass die nächtliche Schlafdauer eng mit dem Demenzrisiko zusammenhängt. Für das Gehirn scheint dabei weder zu wenig noch zu viel Schlaf ideal zu sein. Hinzu kommen zwei weitere Gewohnheiten, die eine wichtige Rolle spielen.
Wie lange sollte man schlafen, um das Risiko für Demenz möglichst niedrig zu halten? Eine neue Studie kommt zu einer erstaunlich klaren Antwort: Sieben bis acht Stunden pro Nacht scheinen am günstigsten zu sein. Wer regelmäßig kürzer oder länger schläft, hat demnach ein erhöhtes Demenzrisiko. Veröffentlicht wurde die Arbeit in dem Fachjournal "PLOS One".
Für die Analyse wertete ein Forschungsteam Daten aus 69 früheren Langzeitstudien mit insgesamt fast 4,5 Millionen Menschen aus. Untersucht wurden drei Faktoren, die sich im Alltag zumindest teilweise beeinflussen lassen: Bewegung, langes Sitzen und Schlafdauer. Alle einbezogenen Studien starteten mit Teilnehmern ohne Demenz und beobachteten dann, ob die Erkrankung im Laufe der Zeit auftrat.
Das Ergebnis: Wer weniger als sieben Stunden pro Nacht schlief, hatte ein um 18 Prozent höheres Demenzrisiko als Menschen mit sieben bis acht Stunden Schlaf. Wer mehr als acht Stunden schlief, lag sogar bei 28 Prozent höherem Risiko. Die Spanne von sieben bis acht Stunden erwies sich damit als günstigster Bereich.
Nicht nur Schlaf entscheidend
Allerdings geht es nicht nur um Schlaf. Auch langes Sitzen und Bewegungsmangel schnitten in der Auswertung schlecht ab. Mehr als acht Stunden Sitzen pro Tag war mit einem deutlich erhöhten Demenzrisiko verbunden, ebenso wie weniger als 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche. In ihrer Studie schreiben die Autorinnen und Autoren: "Regelmäßige körperliche Aktivität, weniger sitzende Zeit und eine angemessene nächtliche Schlafdauer (sieben bis acht Stunden) könnten mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein und sind potenziell veränderbare Faktoren bei der Vorbeugung oder Verzögerung von Demenz."
Die Forscher betonen jedoch eine wichtige Einschränkung: Die Studie zeigt nur Zusammenhänge, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Gerade beim Schlaf ist das wichtig. Denn eine längere Schlafdauer muss nicht zwingend das Demenzrisiko erhöhen. Sie könnte in manchen Fällen auch darauf hindeuten, dass die Krankheit im Gehirn bereits begonnen hat.
Trotzdem passt das Ergebnis den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge in ein größeres Bild. Bewegung, weniger Sitzen und ausreichend Schlaf gelten schon länger als wichtig für Herz und Kreislauf - und damit auch für das Gehirn. Diese Verhaltensweisen unterstützen unter anderem die Durchblutung des Gehirns, Abfallstoffe aus Nervenzellen werden besser abtransportiert und Entzündungsprozesse können günstig beeinflusst werden.
Demenz entwickelt sich über viele Jahre
Bemerkenswert ist auch, dass die Studie nicht nur Hochbetagte erfasste. Die Daten schlossen Menschen bereits ab 35 Jahren ein - also deutlich früher, als viele Studien zum Demenzrisiko ansetzen. Das ist wichtig, weil sich Demenz oft über viele Jahre entwickelt. Wer also erst im hohen Alter auf Schlaf, Bewegung und Sitzzeiten achtet, könnte spät dran sein.
Die Forschenden fordern deshalb weitere Langzeitstudien, vor allem mit Menschen im mittleren Lebensalter. "Künftige Studien mit Erwachsenen mittleren Alters und längerer Nachbeobachtung, einschließlich Veränderungen des Bewegungsverhaltens im Zeitverlauf, sind nötig, um die Beziehung zwischen körperlicher Aktivität, sitzendem Verhalten und Schlaf für das Demenzrisiko besser zu verstehen." Für den Alltag lässt sich aus der Studie dennoch schon jetzt eine einfache Botschaft ableiten: Wer sein Gehirn schützen will, sollte nicht nur auf Bewegung achten - sondern auch auf eine Schlafdauer, die weder zu kurz noch zu lang ist.