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Kontakt zum Satelliten verloren Pannenserie beim Kosmodrom hält an

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Der Start der Sojus-Rakete verlief reibungslos. Doch dann konnte die Flugleitzentrale keinen Kontakt zum Satelliten aufbauen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Der neue Weltraumbahnhof Wostotschny scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Die Probleme am eigentlichen Prestigeobjekt häufen sich. Auch der zweite Start einer Rakete vom zivilen Kosmodrom ist ein Misserfolg.

Russlands neuer Weltraumbahnhof Wostotschny soll eigentlich Moskaus modernster Zugang zum All werden. Doch die Nachricht vom Verlust eines Satelliten dürfte bei Präsident Wladimir Putin nicht gut ankommen. Eigentlich verlief beim Start am heutigen Dienstag alles planmäßig. Mit einem mächtigen Feuerschweif schoss die Sojus-Rakete in den Himmel. Es sollte ein Meilenstein werden für das Kosmodrom rund 8000 Kilometer östlich von Moskau. Denn es war erst das zweite Mal, dass eine Rakete von Wostotschny aus ins All flog. Doch nach dem Start konnte die Flugleitzentrale keinen Kontakt zum Satelliten "Meteor-M" aufbauen.

Die Panne folgt auf Startschwierigkeiten bei der Eröffnung im April 2016 und auf alte Probleme, die den Bau seit Jahren bremsen. Putin war vor anderthalb Jahren eigens angereist, um die Feuerprobe für das Prestigeprojekt der russischen Raumfahrt abzunehmen. In letzter Minute wurde der Erststart wegen eines technischen Defekts um einen Tag verschoben. Putin blieb, rüffelte aber seine Funktionäre. Denn Wostotschny gilt als "Jahrhundertprojekt", mit dem sich die stolze Raumfahrtnation fit machen will für die Zukunft.

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Das Gelände des neuen Kosmodroms ist so groß wie Hamburg.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Ausgangspunkt für Flug zum Mond

Mitten in der sibirischen Taiga haben Tausende Arbeiter auf 700 Quadratkilometern - einer Fläche fast so groß wie Hamburg - die Basis geschaffen für Russlands langfristigen Zugang zum Weltraum. Von hier aus soll bis etwa 2030 erstmals ein Russe zum Mond fliegen, später auch zum Mars.

Der Stolz der Ingenieure ist die Startrampe mit ihrem 52 Meter hohen Versorgungsturm. Auf Schienen schiebt er sich wie ein Schrank über die Rakete und bietet Technikern bei Extremtemperaturen zwischen gut minus 50 Grad Celsius im Winter und 40 Grad im Sommer Schutz. Doch das viel gelobte "Schaufenster für ein modernes Russland" wird die Negativschlagzeilen nicht los. Arbeiter klagen seit Monaten über ausstehende Löhne. Mit 175 Millionen Rubel (2,5 Mio. Euro) stehen die Bauherren Berichten von Anfang November zufolge bei den Angestellten in der Kreide. Demonstrativ legten sechs Männer vorübergehend einen Hungerstreik ein. Daraufhin wurde ihnen Besserung versprochen. Probleme mit Lohnzahlungen und Korruption hatten schon früher einen Schatten auf das Projekt geworfen und den Bau verzögert.

Die Agentur Tass berichtet von umgerechnet mehr als 110 Millionen Euro, die im Boden der Taiga versickerten. Nach Dutzenden Strafprozessen wegen Veruntreuung sitzen mehrere Funktionäre in Haft. Wütend hatte Putin Schuldigen eine "harte Pritsche im Gefängnis" in Aussicht gestellt. Warum die Politik bis hoch zum Kremlchef sich so für die Baustelle interessiert, liegt an der strategischen Bedeutung. Langfristig soll Wostotschny Russland unabhängig machen vom Kosmodrom Baikonur im zentralasiatischen Kasachstan. Moskau pachtet das Gelände in der Steppe für 115 Millionen US-Dollar im Jahr. Von dort aus war 1961 Juri Gagarin als erster Mensch ins All geflogen. Wostotschny bietet eine Alternative auf russischem Boden.

"Sobald alle geplanten Anlagen in Wostotschny einsatzbereit sind, wird Russland deshalb sein Engagement in Baikonur zurückfahren", meint der Experte Igor Marinin. Vorerst bleibt Russland Baikonur aber treu. Derzeit fliegen nur von dort Menschen zur Internationalen Raumstation ISS, Plätze für Amerikaner und Europäer lässt sich Moskau gut bezahlen.

Nächster Start für Dezember geplant

Aber auch in Wostotschny soll der Betrieb hochgefahren werden. Bereits im Dezember soll die dritte Rakete mit einem Satelliten starten. Für 2018 sind drei Starts geplant, später bis zu zehn pro Jahr. Zwar sind bemannte Flüge auf viele Jahre noch nicht geplant, aber der Transport von Satelliten soll Millionen in die Kassen spülen. "Das soll unsere Marktposition stärken", sagt Regierungschef Dmitri Medwedew.

In einem umkämpften Markt dürfte jedoch der Verlust des Wettersatelliten keine gute PR sein für russische Transport-Dienstleistungen. Damit der Rubel in Zukunft rollt, laufen in Wostotschny die Arbeiten weiter auf Hochtouren. Erst eine von sieben Startrampen ist fertig. Bis 2021 soll die zweite einsatzbereit sein, die dritte bis 2028.

Die Siedlung Uglegorsk mit einst 5000 Seelen wird zur Raumfahrer-Stadt Ziolkowski erweitert, wo das Personal des Kosmodroms leben soll. Platz für 20.000 Einwohner biete die neue Stadt schon, 25.000 seien angepeilt, sagt Gouverneur Alexander Koslow der Agentur Ria Nowosti. Überhaupt sieht Koslow Wostotschny als wichtigen Wirtschaftsfaktor für das Gebiet Amur. "Seit 2012 haben wir aus der Planung, dem Bau und der Nutzung des Kosmodroms rund 2,5 Milliarden Rubel (36 Mio Euro) Steuern erhalten", sagt er.

Viel Geld für eine Region, die vor allem von Soja-Produktion und Goldförderung lebt. Doch Experten sind skeptisch: In Wostotschny werde zwar investiert, doch das meiste Geld komme vom Staat, nicht aus der Wirtschaft, sagt die Ökonomin Natalia Subarewitsch der Zeitung "Wedomosti". Das helfe der Region nur wenig.

Quelle: n-tv.de, Thomas Körbel, dpa

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