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"Wie auf dem Meeresboden" "Philae" schickte fantastische Bilder

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"Philae" kurz vor der Landung - allerdings in einer Computergrafik.

(Foto: ESA/ATG medialab/dpa)

Es war die erste Landung auf einem Kometen und obwohl "Philae" im Moment keine neue Energie tanken kann, ist die Mission ein voller Erfolg: Das Landegerät sendete enorm detailreiche Fotos von "Tschuris" Oberfläche. Die Forscher ziehen erste Schlüsse.

Die ersten Forschungsergebnisse der europäischen Landesonde "Philae" haben den Wissenschaftlern zu neuen Erkenntnissen über die Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenk, kurz "Tschuri", verholfen: "Jetzt wissen wir: Auf der harten Oberfläche, auf die Philae 'gehüpft' ist, gab es nur zehn oder zwölf Zentimeter Staub", sagte der Leiter für Missionsbetrieb bei der Europäischen Weltraumagentur ESA, Paolo Ferri, dem Radiosender HR-Info.

Vor der historischen Landung von "Philae" auf "Tschuri" am vergangenen Mittwoch hatten die Wissenschaftler über die Oberflächenbeschaffenheit des Schweifsterns nur spekulieren können. Doch eines stellte der Komet bei der Ankunft des Landegerätes gleich unter Beweis: seine Festigkeit. Nach dem ersten Aufsetzen prallte "Philae" von "Tschuri" ab und schwebte mehrere hundert Meter zurück ins All. "Die Oberfläche kann also nicht besonders weich sein, sonst hätte der Lander keinen so großen Hüpfer gemacht", erläutert Kometenforscher Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Kührt leitet die wissenschaftlichen Beteiligungen des DLR an der "Rosetta"-Mission.

"Unglaubliche Strukturen"

ESA-Mitarbeiter Ferri zufolge nahm "Philae" enorm detailreiche Fotos von der Kometenoberfläche auf. "Die Bilder, die wir gesehen haben, sind noch nicht veröffentlicht, aber sie waren fantastisch", so Ferri. "Ich habe Bilder gesehen, die aussehen wie Korallenriffe auf dem Meeresboden, unglaubliche Strukturen."

Die Landeeinheit "Philae" der ESA-Mission "Rosetta" war am Mittwochnachmittag als erstes von Menschen geschaffenes Gerät auf der Oberfläche eines Kometen gelandet. Allerdings versagten "Philaes" Harpunen den Dienst, sodass sich das Mini-Labor nicht wie geplant festzurren konnte. "Philae" prallte ab und setzte erst knapp zwei Stunden später, um 18.25 Uhr, wieder auf. Dann folgte ein weiterer, achtminütiger Hüpfer, bis der Lander um 18.32 Uhr stehenblieb.

Der vorgesehene Landeplatz war damit Vergangenheit. Über 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt (zum Vergleich: die Sonne ist rund 150 Millionen Kilometer von uns entfernt), stand "Philae" nun auf "Tschuri" an einem Ort, den niemand kannte. Es zeigte sich, dass der Lander offenbar schräg an einem Kraterrand aufgekommen war. Die ungewöhnliche Mehrfach-Landung hatte er unbeschadet überstanden.

Nur 1,5 Stunden Sonnenlicht

"Philaes" Landeplatz bietet lediglich 1,5 Stunden Sonnenlicht am Tag. Das reicht nicht, um die Batterien mit Sonnenenergie zu laden. So ging "Philaes" Energievorrat am Wochenende zur Neige. Doch bis dahin empfingen die Forscher große Datenmengen von dem mit zehn Instrumenten bestückten Lander. Die ESA veröffentlichte derweil im Internet eine Bildsequenz, die den ersten "Hüpfer" von "Philae" nach dessen Berühung der Kometenoberfläche zeigt. Die Bilder wurden von "Philaes" Muttersonde "Rosetta" aufgenommen, die sich seit August auf einer Umlaufbahn um "Tschuri" befindet und den Kometen aus dem Orbit weiter erforschen wird.

"Tschuri", ein vier Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub, rast derzeit auf die Sonne zu. Die "Rosetta"-Mission soll bis Dezember 2015 dauern. Wissenschaftler erhoffen sich von der 2004 gestarteten Mission neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems und über die Entstehung des Lebens.

Quelle: n-tv.de, asc/mit AFP

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