Wissen

"Das Eis wird dünner" "Polarstern" bricht wieder auf

0452b7a46ba2216f26b78c449b7c95d6.jpg

Ende Oktober soll das Forschungsschiff wieder in Bremerhaven andocken.

(Foto: dpa)

Die "Polarstern" lag wortwörtlich auf Eis. Das Forschungsschiff musste wegen der Corona-Pandemie seine Eisdrift unterbrechen, unter anderem, um die neue Mannschaft an Bord nehmen zu können und die alte an Land gehen zu lassen. Nun kann weiter geforscht werden, am Klima und auch in Sachen Tierwelt.

Nach dem Personalwechsel in Spitzbergen ist das Bremerhavener Forschungsschiff "Polarstern" wieder in die zentrale Arktis aufgebrochen. Dort werden die wissenschaftlichen Untersuchungen der einjährigen "Mosaic"-Expedition fortgesetzt, wie Projektleiter Markus Rex mitteilte. Die "Polarstern" musste wegen der Corona-Pandemie ihre Eisdrift unterbrechen, um die neue 100-köpfige Mannschaft an Bord nehmen zu können und die alte an Land gehen zu lassen.

Ursprünglich vorgesehene Flüge hatten wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt werden müssen. Nun aber konnte dank der Hilfe der deutschen Forschungsschiffe "Sonne" und "Maria S. Merian" im Adventsfjord auf Spitzbergen der Austausch durchgeführt und die Expedition so erfolgreich weitergeführt werden. Die "Polarstern" ist nun wieder auf ihrem Weg ins Eis, um weitere Meilenstein-Erkenntnisse in der Klimaforschung zu gewinnen.

Die Unterbrechung der Expedition hatte zur Folge, dass am Ende Daten eines Monats fehlten, sagte Rex. Dies sei allerdings zu verschmerzen angesichts dessen, dass weltweit wegen Corona Forschungsexpeditionen vorzeitig beendet werden mussten. "Wir machen weiter", betonte er. "Auch 'Mosaic' drohte der Abbruch", betonte Forschungsministerin Anja Karliczek auf der Pressekonferenz. Nur mit dem "unbedingten Willen" aller Akteure sei es gelungen, eine Lösung zu finden.

Zufrieden mit der Expedition

Nun beginne mit der Eisschmelze in der Arktis eine neue Phase der Forschungsarbeit. "Das Eis wird dünner", sagte Rex. Für den erneuten Aufbau der Messgeräte stelle dies eine Herausforderung dar. Zuletzt sei das Eis um die "Polarstern" herum immer stärker aufgebrochen, unzählige Risse seien entstanden. Grund dafür seien Stürme, die das Eis zusammen- oder auseinanderdrückten. Das Meereis sei recht dünn, die Lufttemperaturen in diesem Frühjahr seien ungewöhnlich warm - und damit auch der Ozean. Wenn sich die Situation weiter so entwickle, könnte die Meereisbedeckung im Sommer geringer sein als im Negativ-Rekordjahr 2012, befürchtet die Wissenschaftlerin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instiuts, Antje Boetius.

5bfa7c208f26697d3d83c8fa59466a65.jpg

Endlich wieder unterwegs: Die "Polarstern".

(Foto: dpa)

Mit dem bisherigen Verlauf der Expedition ist Boetius mehr als zufrieden. Erstmals hätten im arktischen Winter synchrone Daten von der Stratosphäre bis in den Ozean gesammelt werden können. Biologen hätten beobachtet, wie die Tierwelt im tiefsten Winter überlebt, angefangen bei Eisbären und Polarfüchsen bis hin zu Kleinstlebewesen. "Es hat sich gezeigt, wie hochangepasst die Tiere an ihre Umwelt sind." Atmosphärenphysiker konnten ein Ozonloch über dem Nordpol bestätigten, das auf Satellitenbildern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu sehen war.

Die Rückkehr der "Polarstern" nach Bremerhaven werde wie geplant für Oktober erwartet. Die Wissenschaftler versprechen sich von den gewonnenen Daten neue Erkenntnisse über den weltweiten Klimawandel.

Quelle: ntv.de, soe/dpa