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Das Auge scheint auch Auskunft über Entscheidungssicherheit zu geben.
Das Auge scheint auch Auskunft über Entscheidungssicherheit zu geben.(Foto: dpa)
Sonntag, 12. März 2017

Schau mir in die Augen: Pupillengröße verrät Entscheidungssicherheit

Über die Augen kann man direkt in die Seele eines Menschen sehen, ist eine verbreitete Meinung. Forscher schauen auch dorthin, um bestimmen zu können, wie groß die Unsicherheit nach einer Entscheidung bei einem Menschen ist.

Sollte ein Spieler beim Pokern seinem Gegenüber in die Augen schauen? Wer auf die Pupillenbewegungen achtet, könne auf den inneren Zustand seines Gegenspielers rückschließen, meint der Hamburger Neurowissenschaftler Tobias Donner. Der Professor am Universitätsklinikum Eppendorf hat zusammen mit zwei Kolleginnen die Veränderung der Pupillen bei Menschen untersucht, die gerade eine Entscheidung getroffen haben. Dafür ließ er seine Versuchsteilnehmer auf einen Bildschirm schauen, über den zwei Wolken von Punkten zogen. Die 27 Männer und Frauen sollten angeben, welche der beiden Wolkenbewegungen stärker war.

Während des Entscheidungsprozesses vermaßen die Wissenschaftler die Pupillen mit einer Videokamera. Das Ergebnis: War sich ein Teilnehmer seiner Entscheidung unsicher, weitete sich seine Pupille unmittelbar danach. Mit dieser Weitung stieg auch die Wahrscheinlichkeit, dass er die nächste Entscheidung anders treffen würde, so das Forscherteam.

Pupillen sind mit bestimmten Gehirnarealen verbunden

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Die Pupillengröße sei eng mit der Aktivität autonomer Zentren im Hirnstamm verknüpft, erklärt Donner. Diese Teile des Gehirns seien wichtig, um bei Unsicherheit in einer Entscheidung unser Verhalten unbewusst anzupassen - etwa dass wir beim nächsten Mal genauer auf die Fakten achten. Donner und Kolleginnen konnten die Unsicherheit der Teilnehmer anhand der Größe ihrer Pupillen berechnen.

"Dass die Weite der Pupillen den allgemeinen Erregungszustand widerspiegelt, war bekannt", sagt Donner. "Neu ist, dass das an dieses ganz präzise mathematische Maß von Entscheidungsunsicherheit gekoppelt war." Die Pupille sei ein indirektes Maß, um zu erfahren, was im Hirnstamm passiere, sagt der Forscher. An der Findung von Entscheidungen seien nicht nur die höheren Bereiche des Gehirns beteiligt, sondern auch evolutionär sehr alte und autonome Hirnstammzentren. Der Neurowissenschaftler hofft, dass seine Erkenntnisse bei der Behandlung von Depressionen und anderen psychiatrischen Krankheiten helfen könnten, bei denen Hirnstammzentren gestört zu sein scheinen.

Nicht nur Lichtreize

Über die Pupille steuert das Auge die Stärke des Lichteinfalls auf die Netzhaut. Dass sich die Pupille nicht nur durch Lichtreize verändert, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Der Neurophysiker Wolfgang Einhäuser-Treyer von der Technischen Universität Chemnitz weist darauf hin, dass die Tollkirsche wegen ihrer Pupillen-weitenden Wirkung den lateinischen Namen Atropa belladonna ("schöne Frau") bekommen habe. Frauen mit größeren Pupillen galten als attraktiver, weswegen gern mit dem Atropin der Tollkirsche nachgeholfen worden sei.

Seit den 1960er-Jahren wisse man, dass sich die Pupille auch bei Entscheidungsprozessen weite. Ein Faktor dabei sei Unsicherheit. Die Studie von Donner zeichnet sich nach Ansicht von Einhäuser-Treyer durch den Versuchsaufbau aus und dadurch, dass sie den Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen aufeinanderfolgenden Entscheidungen lege. "Die Verknüpfung erscheint mir recht elegant und könnte das Feld einen wichtigen Schritt voranbringen", sagte er. Entscheidungsprozesse zu verstehen, sei von grundlegender Bedeutung.

"Auf lange Sicht kann ein besseres Verständnis der Grundlagen des Entscheidens (...) helfen, Fehlentscheidungen und systematische Trugschlüsse besser zu verstehen und gegebenenfalls zu vermeiden." Könnte ein "Eye-Tracker", ein Messgerät für Augenbewegungen, einem Pokerspieler oder sogar einem Kriminalisten, der von einem Verdächtigen die Wahrheit wissen will, weiterhelfen? Donner wäre da vorsichtig, denn ein guter "Lügendetektor" müsse schon bei einer einzelnen Messung nahezu hundertprozentig funktionieren: "Ich würde aber auf jeden Fall raten, die Pupillengröße mitzumessen."

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Communications".

Quelle: n-tv.de