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Blockade der Corona-Forschung? RKI-Chef Wieler attackiert Berliner Senat

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Forschung ohne Tierversuche: Lobenswert, aber auch umsetzbar?

(Foto: picture alliance/dpa)

In Berlin kommen wichtige Forschungsprojekte unter anderem zur Corona-Krise anscheinend nicht voran. In einem Brandbrief kritisieren die Spitzen von RKI, Charité und anderen Forschungseinrichtungen einem Bericht zufolge die Zustände. Grund sind Tierschutz-Gedanken des zuständigen Senators.

Spitzenvertreter der deutschen Biomedizin werfen der Berliner Landesregierung vor, die Wissenschaft zu blockieren und auf diese Weise in der Pandemie zur "erheblichen Verzögerung beantragter Forschungsvorhaben" beizutragen. Das geht aus einem Brief an den Senat hervor, der dem Berliner "Tagesspiegel" vorliegt. Das Schreiben haben Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Charité-Dekan Axel Pries, Thomas Sommer vom Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin (MDC) und Günter Ziegler, Chef der Freien Universität (FU) unterzeichnet.

Anlass der Beschwerde sind aufgeschobene Anträge für Tierversuche, da die zuständige Kommission "ihre regulären Sitzungen seit Anfang September ausgesetzt hat". Nach Informationen des "Tagesspiegel" warten seit Wochen 20 Anträge auf Genehmigung, darunter ein Experiment zur Covid-19-Forschung. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Tierversuchskommission vor entsprechenden Versuchen angehört werden muss.

Gremium mit Tierschützern

Für die siebenköpfige Kommission ist Justiz- und Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt von den Grünen zuständig. Aus Wissenschaftskreisen heißt es laut der Zeitung, Senator Behrendt blockiere die turnusmäßige Neubesetzung der Kommission insofern, indem er darauf dränge, die meisten Sitze in dem Gremium mit Tierschützern zu besetzen.

"Diese Situation blockiert die biomedizinische Forschung und kann zu einer ernst zu nehmenden Verzerrung des europäischen (und weltweiten) Forschungswettbewerbs führen", heißt in dem Schreiben der Spitzen von RKI, Charité, MDC und FU. "Vor dem Hintergrund, dass die Berliner Forschungsgemeinschaft im Zuge der Covid-19-Pandemie besondere Herausforderungen zu bewältigen hat, ist dies ein kritischer Zustand, der eine gravierende Benachteiligung des Wissenschaftsstandorts Berlin bedeutet."

Ein Sprecher des Senators erklärte auf Anfrage, es solle bald zwei Tierversuchskommissionen geben. Die konstituierende Sitzung finde am 26. November 2020 statt - die erste Kommission werde noch an diesem Tag die Arbeit aufnehmen.

Quelle: ntv.de, chr