Wissen

Kaum Einfluss auf Sterblichkeit? Remdesivir erleidet Rückschlag

c09a346a6330640d3c06e382ad47d861.jpg

Remdesivir ist eines der ersten Medikamente, die zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt wurden.

(Foto: AP)

Der Expertenstreit um das vermeintliche Corona-Mittel Remdesivir geht weiter: Wirkt es oder wirkt es nicht? Eine neue Studie der WHO unterstellt der Substanz nur minimale Effekte auf den Krankheitsverlauf und die Sterblichkeit. Hersteller Gilead übt jedoch Kritik an der Veröffentlichung.

US-Präsident Donald Trump erhielt nach seiner Corona-Infektion einen Wirkstoff, der mittlerweile regelmäßig als Mittel gegen Covid-19 eingesetzt wird: Remdesivir. Auch in Deutschland wird die Substanz als Therapie bei Corona-Patienten verwendet. Doch womöglich ohne große Wirkung: Denn laut einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Remdesivir keinen substanziellen Einfluss auf die Genesung von Covid-19-Patienten.

In der breit angelegten Studie sei die Wirkung von vier unterschiedlichen Medikamenten - neben Remdesivir die Malaria-Arznei Hydroxychloroquin, das HIV-Medikament Lopinavir/Ritonavir sowie der Wirkstoff Interferon - an mehr als 11.200 Patienten in über 30 Ländern getestet worden. Demnach hätten die Medikamente nur einen geringen oder keinen Einfluss auf die Sterblichkeit oder die Länge des Krankenhausaufenthalts der Patienten gezeigt, teilte die WHO mit.

Remdesivir ist eines der ersten Medikamente, die zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt wurden. Die Ergebnisse der WHO-Studie stehen im Kontrast zu einer US-Studie mit 1062 Patienten, die Anfang des Monats im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht worden war. Danach verkürzte Remdesivir die Genesungszeit von Covid-19-Patienten um fünf Tage im Vergleich zu Erkrankten, die die Arznei nicht bekamen.

Gilead: Andere Studien belegen Nutzen

Die Ergebnisse der WHO stünden im Widerspruch zu Studien, die den klinischen Nutzen von Remdesivir belegten, erklärte Gilead. "Wir sind besorgt, dass die Daten dieser globalen Studie nicht der strengen Überprüfung unterzogen wurden, die erforderlich ist, um eine konstruktive wissenschaftliche Diskussion zu ermöglichen, insbesondere angesichts der Einschränkungen des Studiendesigns."

Die Chef-Wissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, hatte in dieser Woche erklärt, dass bereits im Juni die Versuche mit Hydroxychloroquin und Lopinavir/Ritonavir gestoppt wurden, da sie wirkungslos waren. Remdesivir hatte im Mai von der US-Gesundheitsbehörde FDA eine Notfallgenehmigung erhalten und wurde seitdem auch in anderen Ländern zur Behandlung von Covid-19-Patienten erlaubt. Auch in Europa hatte es eine bedingte Zulassung erhalten. Gilead hat das Medikament ursprünglich zur Behandlung von Erkrankungen durch die Viren Ebola, Marburg, Mers und Sars entwickelt.

Quelle: ntv.de, kst/rts