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Schnüffeleinsatz in Mosambik Riesenhamsterratten retten tödlich Kranke

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Riesenhamsterratten können den Tuberkulose-Erreger erschnüffeln.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Viele Menschen bekommen beim Gedanken an Ratten ungute Gefühle. Das gilt eigentlich auch für die Einwohner von Mosambik. Doch ändert sich dort das Image der Nager derzeit, denn sie helfen dabei, eine tödliche Krankheit einzudämmen.

Ekel und Ablehnung: Die meisten Menschen haben nicht viel übrig für Ratten. Das ist rund um den Globus so, auch in Mosambik. In dem afrikanischen Land gelten Ratten als Schädlinge. Doch viele Menschen dort haben den Nagern ihr Leben zu verdanken. Über Jahre hinweg spürten ausgebildete Riesenhamsterratten Tausende Landminen aus dem Bürgerkrieg auf. Nun helfen die Tiere, die grassierende Tuberkulose in Mosambik einzudämmen.

In Deutschland ist die Gefahr gering, sich mit Tuberkulose anzustecken. Foto: Robert-Koch-Institut/Gudrun Holland

So sieht der gefährliche Tuberkulose-Erreger unter dem Mikroskop aus.

(Foto: dpa)

Die Ausbildung funktioniert folgendermaßen: In einem Labor rennt eine Ratte von einer Spuckprobe zur nächsten. Plötzlich bleibt sie vor einer stehen und reibt sich die Vorderpfoten - sie hat Tuberkulosebakterien erschnüffelt. Zur Belohnung bekommt sie eine Leckerei ins Maul gespritzt. Dann sind die nächsten Proben an der Reihe. "In 30 Minuten kann eine Ratte fast hundert Proben testen. Ein Laborant bräuchte dazu vier Tage", sagt Emilio Valverde, Leiter des TBC-Programms der Organisation Apopo in der Hauptstadt Maputo. Neun ausgebildete Riesenhamsterratten sind hier an der Eduardo-Mondlane-Universität seit 2013 im Einsatz.

Das Projekt weckt große Hoffnungen in Mosambik. Tuberkulose ist in dem armen Land auf dem Vormarsch. Allein im vergangenen Jahr infizierten sich dem Gesundheitsministerium zufolge 60.000 Menschen - zehn Prozent mehr als 2013. Die Infektionskrankheit ist heilbar, doch in Ländern wie Mosambik wird sie oft nicht erkannt und verläuft tödlich, vor allem bei den vielen HIV-Infizierten. Weltweit starben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO 2013 etwa 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose.

Sechs Ärzte für 100.000 Menschen

Auf 100.000 Menschen kommen in Mosambik gerade einmal sechs Ärzte, auch Labore gibt es viel zu wenige. Der Einsatz von Ratten bei der Erkennung von Tuberkolose bietet laut Apopo zwei Vorteile: sie sind schneller und billiger als Laboranten. Bislang testen die Ratten nur Spuckproben aus 15 Gesundheitszentren in der Hauptstadt. Doch die Organisation will ihr Programm auch auf andere Landesteile ausweiten und hofft darauf, dass die WHO ihre Testmethode anerkennt.

Die Riesenhamsterratten sind so groß wie ein Kätzchen und wiegen bis zu eineinhalb Kilo. Ihr Geruchssinn ist ausgezeichnet. Bis sie darauf trainiert sind, den Geruch der Tuberkulosebakterien zu erkennen, dauert es etwa ein halbes Jahr. Die Ausbildung kostet zwischen 6000 und 7000 Euro. Das sei zwar viel Geld, aber deutlich günstiger als die sonst üblichen Laborgeräte, heißt es bei Apopo. Eine ausgebildete Ratte könne sechs bis acht Jahre lang eingesetzt werden.

Der Rattentest ist laut den Organisatoren den bisher gängigen Untersuchungsmethoden deutlich überlegen: Laut Apopo erkennen die Tiere 67 Prozent der positiven Proben, bei anderen Tests betrage die Trefferquote nur 50 Prozent. Oft erschnüffelten die Ratten den Tuberkulose-Erreger auch in Spuckproben, die zuvor im Labor negativ getestet worden seien, sagt Valverde. "Bei den 35.000 Proben, die seit Beginn des Programms in Mosambik untersucht wurden, war das 1200 Mal der Fall."

Quelle: n-tv.de, Adrien Barbier, AFP

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