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Reste werden gehortet Schimpansen fressen auch Schildkröten

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Deutsche Wissenschaftler haben im Loango Nationalparkin in Gabun diese Aufnahme eines Schimpansen gemacht. Das Tier hält eine Schildkröte in der Hand.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch nach jahrzehntelanger Forschung erleben Wissenschaftler bei freilebenden Schimpansen immer noch Überraschungen: Offenbar ist der Speiseplan der Affen abwechslungsreicher als bislang gedacht. Zudem beweisen die Tiere einmal mehr, wie clever sie sind.

Deutsche Forscher haben in Gabun erstmals freilebende Schimpansen beim Fressen von Schildkröten beobachtet. Die Wissenschaftler aus Osnabrück und Leipzig dokumentierten, dass die Affen Schildkröten gegen Baumstämme schlagen, um so die Panzer aufzubrechen und sich von dem Schildkrötenfleisch zu ernähren.

Möglicherweise sei dies ein kulturelles Verhalten der Tiere, erklärten die Universität Osnabrück und das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Die Forscher beobachteten im Loango Nationalpark zehn Schimpansen dabei, wie sie insgesamt einige Dutzend Schildkröten erbeuteten. Dieses Verhalten sei nur in der Trockenzeit beobachtet worden, in der auch andere Lieblingsspeisen wie etwa Früchte reichlich vorhanden seien, schreibt das Team im Journal "Scientific Reports".

Dass Schimpansen verschiedene Tierarten fressen, sei bereits bekannt gewesen, aber nicht, dass sie sich auch von Reptilien ernähren, sagte Simone Pika, Kognitionswissenschaftlerin an der Uni Osnabrück. Ein erwachsenes Männchen hatte sich nach Beobachtung der Forscher sogar einen Teil seiner Schildkröten-Mahlzeit extra fürs Frühstück aufgehoben. Der Schimpanse fraß erst eine Hälfte des Fleisches in einem Baum sitzend und klemmte die andere Hälfte in eine Astgabel. Danach wechselte er den Baum zum Schlafen und kehrte am nächsten Morgen zurück, um die Reste seines Abendessens zum Frühstück zu verspeisen.

"Das deutet darauf hin, dass Schimpansen für die Zukunft planen können", sagte Pika. Die Fähigkeit, für einen in der Zukunft liegenden Zustand oder ein Bedürfnis wie etwa Hunger vorzuplanen, sei bisher meist nur bei Tieren in menschlicher Obhut belegt worden. "Unsere Ergebnisse deuten also darauf hin, dass wir auch nach jahrzehntelanger Forschung noch nicht die volle Komplexität der Intelligenz und Verhaltensflexibilität von Schimpansen erfasst haben."

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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