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Beim Kauf genau hinsehen Wie sicher sind FFP2-Masken?

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FFP2-Masken schützen, wenn sie richtig getragen werden.

(Foto: imago images/Action Pictures)

Bayern prescht vor: Wer im Freistaat ab kommender Woche mit Bus und Bahn fahren oder in Geschäften einkaufen will, muss eine FFP2-Maske tragen. Ministerpräsident Markus Söder begründet die Verordnung damit, dass die weit verbreiteten Alltagsmasken, etwa aus Stoff, ihre Träger beim Einatmen oft nicht ausreichend vor dem Virus schützen. Mit den FFP2-Masken soll das Infektionsrisiko verringert werden.

Für viele kommt die neue Regelung aus dem Süden Deutschlands überraschend. In einigen Bundesländern ist dennoch schon jetzt die Frage entbrannt, ob man dem bayerischen Vorbild folgen sollte. Doch was können FFP2-Masken überhaupt? Wo kann man sie kaufen und worauf sollte man dabei achten? ntv.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind FFP2-Masken?

FFP2-Masken (das FFP steht für "Filtering Face Piece") sollen ihre Träger vor Schadstoffen in der Umgebungsluft schützen. Sie sind ursprünglich als sogenannte "Staubschutzmaske" aus dem Bereich des Handwerks bekannt, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) schreibt, und halten unter anderem Staub, Rauch sowie Aerosole, über die auch Sars-CoV-2 verbreitet wird, ab. Insgesamt gibt es drei FFP-Klassen. Je höher der Wert ist, desto mehr Partikel müssen die Masken aus der Luft filtern können.

Wie sicher sind FFP2-Masken?

Auch FFP2-Masken bieten keinen 100-prozentigen Schutz. Den Anforderungen nach müssen sie laut Bfarm aber mindestens 94 Prozent der Partikel filtern. Bei FFP3-Masken sind es sogar 99 Prozent. Um den höchstmöglichen Schutz zu erreichen, muss die Maske zudem richtig sitzen. Heißt: Sie muss zum Gesicht des Trägers passen und eng anliegen. Bei einer Untersuchung an der Technischen Universität Berlin strömten - je nach Proband - bis zu 75 Prozent der Atemluft ungefiltert nach außen. Vor allem bei Bartträgern ist der gewünschte Schutz nicht gegeben. Die Gesichtshaare wirken wie ein Abstandshalter. Eine Lösung gibt es für sie nicht. Am Ende bleibt nur die Rasur.

Von FFP2-Masken mit Ausatemventil raten Experten ab. Sie filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher wenig Fremdschutz.

Wie lange kann eine FFP2-Maske getragen werden?

Im Gegensatz zu den Alltagsmasken aus Stoff handele es sich bei FFP2-Masken um "Einmalprodukte", erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs ntv. "Nach Gebrauch und einer gewissen Durchfeuchtung lässt die Wirkung nach." Das geschieht ungefähr nach acht Stunden. Allerdings wird nach maximal 75 Minuten Tragezeit empfohlen, die Maske für eine halbe Stunde abzusetzen. In der Zeit sollte sie trocken. Nach addierten acht Stunden oder bei starker Durchfeuchtung sollte die FFP2-Maske dann gewechselt werden.

Kann man FFP2-Masken reinigen und wiederverwenden?

Aus Sicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) dürfen die Masken nur im Notfall wiederverwendet werden. Sie enthalten oft Kunststoffteile - unter anderem kann der wichtige Luftfilter bei hohen Temperaturen, beispielsweise im Backofen, beschädigt werden. Auch Desinfektionsmittel und Alkohol können laut RKI den Filter angreifen. Wenn Metall verbaut wurde, kommt eine Reinigung per Mikrowelle ebenfalls nicht infrage - es besteht Brandgefahr.

Ist eine FFP2-Maskenpflicht im Nahverkehr und Einzelhandel sinnvoll?

Viele Experten halten die in Bayern beschlossene Pflicht grundsätzlich für sinnvoll. "Prinzipiell finde ich die Idee gut", sagte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der dpa. Der gängige Mund-Nasen-Schutz - oftmals selbstgenäht - kann andere Menschen schützen, FFP2-Masken schützen auch den Träger selbst. Kaum beurteilen lasse sich allerdings, wie viel weniger Infektionen es etwa in einem Bus geben würde, trügen die Menschen darin alle korrekt angelegte FFP2-Masken anstelle korrekt angelegter einfacher Einwegmasken, sagte Schmidt-Chanasit. "Das ist spekulativ, dazu gibt es keine Daten."

Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, glaubt nicht, dass es einen Unterschied macht. Er sieht sogar gewisse Gefahren in einer FFP2-Maskenpflicht: "Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind." Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. "Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske", so Knobloch.

Wo kann man FFP2-Masken kaufen?

FFP2-Masken sind streng genommen keine reinen Medizinprodukte und können deshalb überall verkauft werden. Häufig bieten Apotheken und Drogeriemärkte sie an. Auch im Internethandel gibt es zahlreiche Angebote zu FFP2-Masken, häufig in größeren Stückzahlen. Die Preise bewegen sich zwischen 1,50 Euro je Maske auf Amazon und 5 bis 6 Euro in Apotheken.

Worauf sollte beim Kauf einer FFP2-Maske geachtet werden?

Wer FFP2-Masken kauft, sollte zunächst darauf achten, dass das angebotene Produkt ein CE-Kennzeichen hat. Damit eine Maske das "CE" sowie die Kennzeichnung FFP2 tragen darf, muss sie verschiedene Prüfvorgaben einer EU-Norm erfüllen. Unter anderem wird geprüft, wie dicht die Maske sitzt und wie gut die Filterleistung ist.

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Die vierstellige Kennnummer zeigt die Prüfstelle an, die die Maske gecheckt hat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Da es aufgrund der hohen Nachfrage zu Beginn der Corona-Pandemie einen Engpass in der Produktion von FFP2-Masken gab, sind Experten zufolge etliche ungeprüfte Produkte in Umlauf gekommen. Diese werden sowohl im Online-Handel als auch in Apotheken zwar teuer als FFP2-Masken verkauft, erfüllen aber nicht die nötigen Sicherheitsstandards, sind falsch gekennzeichnet oder haben ungültige oder gefälschte Zertifikate. Um sie zu erkennen, hilft es meist, genau hinzuschauen.

Neben dem "CE" sollte eine vierstellige Nummer stehen. Dieser Code zeigt die Prüfstelle an, welche die Maske kontrolliert hat. Durch eine Internetsuche kann man so in der Regel schnell herausfinden, wer diese bestimmte FFP2-Maske geprüft hat. Manchmal stellen Verkaufsplattformen auch das Prüfzertifikat dazu. Außerdem kann jeder in der von der Europäischen Kommission bereitgestellten englischsprachigen Online-Datenbank anhand der Kennnummer prüfen, ob und von wem die Maske zertifiziert wurde.

Drohen jetzt neue Engpässe?

Anders als im Frühjahr 2020 konnte man zuletzt in Apotheken oder auch im Internet bei diversen Anbietern problemlos zertifizierte FFP2-Masken kaufen. Die Lieferzeit betrug in der Regel nur wenige Tage. Ob sich das mit der neuen Regelung in Bayern ändert, ist noch nicht abzusehen. Zumindest war der Andrang in den Apotheken im Freistaat groß. "Die Leute stehen seit dem Nachmittag Schlange", zitierte der "Focus" eine Münchner Apothekerin am Dienstag. Eine Suche auf der dm-Website ergibt, dass bei der Drogeriekette FFP2-Masken zurzeit ausverkauft sind. Und auch Konkurrent Rossmann kann nur noch wenige Modelle liefern.

Gibt es kostenlose FFP2-Masken?

Für Menschen aus Risikogruppen stellt die Bundesregierung derzeit kostenlose FFP2-Masken bereit. Alle über 60-Jährigen sowie Menschen mit Vorerkrankungen oder Risikoschwangerschaften erhalten seit dem 6. Januar von ihren Krankenkassen fälschungssichere Gutscheine, die in Apotheken eingelöst werden können. In Bayern sollen ärmere Menschen ebenfalls kostenlos Schutzmasken erhalten. Dafür will der Freistaat zwei Millionen FFP2-Masken zur Verfügung stellen.

Kommt eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht?

Ob eine FFP2-Maskenpflicht eingeführt wird, entscheiden die jeweiligen Bundesländer. Bisher haben allerdings die meisten solch einen Schritt abgelehnt. Nur Saarland und Sachsen zeigen sich Söders Vorstoß gegenüber aufgeschlossen: Sachsen prüfe, ob beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr das Tragen von FFP2-Masken vorgeschrieben werden soll, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping laut MDR. Und auch ihre Amtskollegin im Saarland, Monika Bachmann, will darüber im Kabinett beraten. "Ich springe nicht gleich aufs Pferd, wenn Herr Söder das vorgibt", sagte sie mit Blick auf Bayerns Ministerpräsidenten. Aber man werde eine FFP2-Pflicht "mit Sicherheit diskutieren".

Quelle: ntv.de