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Studie mit ErwachsenenSocial-Media-Kontakt mit Fremden verschärft Einsamkeit

06.05.2026, 18:17 Uhr
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Interaktionen in sozialen Medien können laut Studie dazu führen, dass man die Freundschaften anderer Menschen untereinander idealisiert. (Foto: Oregon State University)

Soziale Medien versprechen Anschluss, doch das Gegenteil kann der Fall sein. Eine neue Untersuchung zeigt, dass der Austausch mit Unbekannten das Gefühl der Isolation verstärkt. Die gesundheitlichen Folgen sind dabei so gravierend wie die des täglichen Rauchens.

Vermutlich nehmen viele Menschen an, dass Kontakte in sozialen Medien vor Einsamkeit bewahren können. Doch laut einer im Fachjournal "Public Health Reports" des US-Gesundheitsdienstes NIH vorgestellten Studie kann die Verbindung über soziale Medien mit Menschen, die man nicht persönlich kennt, mit erhöhter Einsamkeit verbunden sein. Persönlichen Kontakten sollte stets Vorrang vor Beziehungen in sozialen Medien eingeräumt werden.

"Einsamkeit ist eng mit Krankheit und Sterblichkeit verknüpft", heißt es in der Studie. Mangelnde soziale Kontakte bringen der Oregon State University zufolge Gesundheitsrisiken mit sich, die mit denen des Rauchens von 15 Zigaretten pro Tag vergleichbar sind. Menschen, die sich oft einsam fühlen, haben demnach ein höheres Risiko unter anderem für Depression, Herzerkrankung, Schlaganfall und Demenz. In vielen Ländern - auch in Deutschland - weisen Umfragen auf das Gefühl von Einsamkeit bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung hin.

Idealisierung von fremden Menschen größer

"Während die Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen mit verstärkter Einsamkeit in Verbindung gebracht wurde, gibt es nur wenige Studien zu diesem Zusammenhang bei Erwachsenen", erläutern die Forschenden um Brian Primack von der Oregon State University. Unklar sei auch, ob es besser ist, eher mit engen Freunden zu kommunizieren oder aber mit Menschen, die man noch nie persönlich getroffen hat.

Das Team um Primack bezog rund 1500 Erwachsene zwischen 30 und 70 Jahren in die Analyse ein. Erfasst wurde die private Nutzung von zehn Social-Media-Plattformen: Facebook, X, Reddit, YouTube, LinkedIn, Instagram, TikTok, Snapchat, Pinterest und WhatsApp. Im Mittel bestanden etwa 35 Prozent der Social-Media-Kontakte aus Menschen, die die Teilnehmer noch nie getroffen hatten.

Solche Kontakte bergen den Forschenden zufolge ein hohes Potenzial für Fehlinterpretationen: "Wir wissen, dass Interaktionen in sozialen Medien dazu führen können, dass man die Freundschaften anderer Menschen untereinander idealisiert, was die Auswirkungen sozialer Vergleiche noch verstärken kann", sagte Mitautorin Jessica Gorman. "Diese Idealisierung ist möglicherweise stärker, wenn es sich bei diesen Freundschaften um Menschen handelt, die man noch nie getroffen hat, da es keine persönlichen Erfahrungen gibt, die dieser Idealisierung entgegenwirken könnten."

"Persönliche Kontakte priorisieren"

Interaktionen mit Fremden seien zudem oft oberflächlich und kurzlebig, was das Gefühl der Isolation weiter verstärke. Darüber hinaus könnten solche Interaktionen besonders für bereits einsame Bevölkerungsgruppen problematisch sein und eine Abwärtsspirale auslösen.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass vermehrte Interaktionen mit relativ fremden Personen linear ansteigend mit verstärkter Einsamkeit einhergingen. Die Online-Kontaktaufnahme zu Menschen, die man tatsächlich persönlich kannte, war dagegen weder mit größerer noch mit geringerer Einsamkeit verbunden.

Die Ergebnisse legen nahe, dass "Menschen, die unter Einsamkeit leiden, ihre Interaktionen mit Fremden in sozialen Medien kritisch hinterfragen und persönliche Kontakte gegenüber denen in sozialen Medien priorisieren sollten, selbst wenn diese Kontakte in sozialen Medien als eng angesehen werden", folgert Studienleiter Primack. Zu den Einschränkungen der Studie zählt den Angaben zufolge, dass kein kausaler Zusammenhang gezeigt wird. Es bleibe unklar, ob Interaktionen mit Fremden zu Einsamkeit führen - oder ob vor allem bereits einsame Menschen stärker den Kontakt zu Fremden suchen.

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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