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Sogar im besten Fall verheerendDeutsche Forscher sagen massive Waldschäden in Europa voraus

05.03.2026, 20:03 Uhr
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Im Harz sind bereits viele Bäume zerstört. Borkenkäfer und Trockenheit haben die Wälder in den vergangenen Jahren enorm belastet. Hier tote Nadelbäume östlich von Clausthal-Zellerfeld, Niedersachsen. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Eine Studie der TU München prognostiziert eine drastische Zunahme der Waldschäden in Europa. Selbst im optimistischsten Szenario sieht sie eine düstere Zukunft mit stark anwachsenden Schäden durch Brände und Stürme. In Deutschland ist ein kritischer Punkt dabei bereits überschritten.

Schon heute leidet der Wald unter Stürmen, Waldbränden und Borkenkäfern. Forscher haben nun berechnet, was in der Zukunft auf Wälder in Europa zukommt, wenn sich die Klimakrise weiter zuspitzt.

Dafür hat das Team um Marc Grünig und Rupert Seidl von der Technischen Universität München verschiedene mögliche Szenarien der weiteren Erderwärmung zugrunde gelegt. Doch sogar im optimistischsten Szenario sieht es düster aus für den Wald, wie die Forscher im Fachjournal "Science" darlegen.

Mehr Schäden in allen Szenarien

In allen betrachteten Szenarien werden den Forschern zufolge die Schäden für den Wald zunehmen. Das hat auch Einfluss auf seine Funktionen - wie etwa die Aufgabe, Kohlenstoff zu speichern und damit ein wichtiger natürlicher Klimaschützer zu sein.

Die Studie betrachtet verschiedene Klimapfade - darunter rund zwei Grad Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts, aber auch ein Worst-Case-Szenario von mehr als vier Grad. Derzeit steuert die Erde den Vereinten Nationen zufolge mit der weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Die UN sehen die Überschreitung der international vereinbarten 1,5-Grad-Grenze genauso wie Klimaforscher als kaum noch vermeidbar an.

Bei einer Erderwärmung von mehr als vier Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass sich die von Bränden, Stürmen und Borkenkäfern geschädigten Flächen mehr als verdoppeln könnten (plus 122 Prozent). Vergleichszeitraum ist hierbei die Phase von 1986 bis 2020 - also eine Zeit, in der auch schon viele Schäden den Wald belasteten.

Auch im Szenario von etwa zwei Grad plus bis 2100 dürfte die geschädigte Fläche um rund 61 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode anwachsen. Anders als im Worst-Case-Szenario wird hier vorhergesagt, dass die Schäden in den 2050er Jahren ihren negativen Höhepunkt erreichen und danach auf hohem Niveau wieder leicht zurückgehen werden. Auch Jahre mit extrem vielen Waldbränden würden deutlich häufiger vorkommen.

Eigenes KI-Modell für Prognosen

Das Forschungsteam entwickelte für seine Prognosen ein eigenes KI-Modell: Dieses wurde mit Informationen zu Wäldern an 13.000 Orten in Europa trainiert und unter anderem mit Satellitendaten zu bereits entstandenen Waldschäden kombiniert.

Die Autoren geben an, mit ihrer Methode Störfaktoren und deren Folgen auf den Hektar genau berechnen zu können und unterschiedliche regionale Entwicklungen sehr präzise abbilden zu können. So werden der Studie zufolge Süd- und Westeuropa deutlich stärker betroffen sein als Nordeuropa.

Wald wird als Klimaschützer schwächer

"Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden", betont Studienautor Seidl. "Das heißt einerseits, dass wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern werden müssen." Andererseits böten Schäden die Chance, einen neuen, klimaangepassten Wald zu schaffen.

Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat, erklärt: "Wenn Wälder weniger Kohlenstoff binden oder möglicherweise sogar mehr freisetzen als sie aufnehmen, erhöht das den Druck auf andere Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft, ihre Emissionen schneller zu senken."

Schon seit einigen Jahren stößt der Wald in Deutschland mehr CO2 aus, als er speichert, wie die sogenannte Bundeswaldinventur des Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2022 festhält. "Seit 2017 ist der Wald vor allem durch den Verlust an lebender Biomasse durch die Klimakrise zur Quelle geworden", heißt es darin.

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

CO2-EmissionWaldKlimawandelPotsdam-Institut für Klimafolgenforschung