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Kommt Musk dem Mars näher? SpaceX kurz vor bemanntem Raketenstart

Tesla-Gründer Elon Musk will den nächsten Schritt auf dem Weg zum Mars machen. Die USA wollen erstmals seit fast zehn Jahren wieder mit eigenen Raketen zur ISS fliegen. So oder so steht viel auf dem Spiel, wenn morgen die erste bemannte SpaceX-Rakete zur ISS aufbricht.

Anfangs herrschte große Skepsis. Doch trotz einiger Schwierigkeiten steht SpaceX, das Raumfahrtunternehmen des exzentrischen Firmengründers Elon Musk, nun kurz vor dem Ziel: Am späten Mittwochabend soll eine SpaceX-Rakete erstmals US-Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Wenn die erste bemannte Mission des kommerziellen Raumfahrtunternehmens klappen sollte, wäre dies nicht nur für SpaceX ein Meilenstein. Für die US-Raumfahrtbehörde Nasa würde ein Erfolg mehr Unabhängigkeit von russischen Sojus-Raketen bedeuten.

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Die Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley könnten bald schon auf der ISS sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Start der Falcon-9-Rakete mit einer bemannten Dragon-Kapsel ist so bedeutsam, dass US-Präsident Donald Trump ihn persönlich im Kennedy Space Center in Cape Canaveral mitverfolgen will. Für die Allgemeinheit wird das Ereignis live im Internet übertragen. Am 27. Mai um 16.33 Uhr Ortszeit, also um 22.33 Uhr in Deutschland sollen zwei US-Raumfahrt-Veteranen zur ISS starten. Läuft alles nach Plan, docken der 49-jährige Robert Behnken und der 53-jährige Douglas Hurley dann 19 Stunden später dort an. Die Chancen, dass das Wetter während des anvisierten Startfensters schlecht ist, stehen allerdings bei 60 Prozent. Ein nächstes Start-Zeitfenster wurde für Samstag errechnet.

Nasa soll 2024 wieder zum Mond fliegen

Das Programm für bemannte Nasa-Missionen mit Raumfähren kommerzieller Unternehmen hatte unter Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen. Trump sieht in dem nun erhofften Erfolg aber eine Bestätigung seines Vorhabens, die US-Vorherrschaft im All zurückzuerlangen. So hat er angeordnet, dass spätestens 2024 wieder Nasa-Astronauten zum Mond fliegen sollen. Diese Zielvorgabe erscheint zwar unrealistisch, hat der US-Raumfahrt aber dennoch Schub gegeben.

Seit dem Bau der ISS waren zwei Jahrzehnte lang US-Raumfähren und russische Raketen zu der gemeinsamen Raumstation geflogen. Die Space Shuttles waren allerdings riesig, extrem kompliziert konstruiert und entsprechend teuer. Für insgesamt 135 Flüge gaben die USA rund 200 Milliarden Dollar (183 Milliarden Euro) aus. Zudem gab es zwei tödliche Unglücke: mit der "Challenger" und der "Columbia".

Mit der Rückkehr der "Atlantis" zur Erde am 21. Juli 2011 wurde das Space-Shuttle-Programm daher eingestellt. Seitdem fliegen auch die US-Astronauten mit russischen Sojus-Kapseln zur ISS. Dieses Arrangement überdauerte selbst die politischen Spannungen zwischen Washington und Moskau, war aber von vornherein nur als Übergangslösung gedacht. Die Nasa beauftragte zwei private Unternehmen - SpaceX und den US-Luftfahrtriesen Boeing - mit dem Bau von Raumfähren.

Seit 2011 zahlte die Nasa an SpaceX dafür drei Milliarden Dollar - und neun Jahre später ist das Unternehmen von Tesla- und Paypal-Gründer Musk nun bereit. Damit brauchte es zwar fünf Jahre länger als geplant, liegt aber dennoch deutlich vor Boeing. Ein erster Testflug von Boeings Starliner scheiterte an schwerwiegenden Software-Problemen und muss daher wiederholt werden.

"Echte Erfolgsstory"

SpaceX habe "eine echte Erfolgsstory" geschrieben, sagt Scott Hubbard, der früher ein Nasa-Forschungszentrum leitete und heute an der Elite-Uni Stanford lehrt. Zu Beginn sei dem jungen Unternehmen "enorme Skepsis" entgegengeschlagen. Manager von Platzhirschen wie Boeing oder Lockheed hätten ihm gesagt, dass die Leute von SpaceX doch nicht wüssten, was sie tun, erzählt Hubbard, der in einem Aufsichtsgremium des aufstrebenden Neulings sitzt.

Bereits seit 2012 übernimmt die günstige Falcon-9-Rakete von SpaceX unbemannte Versorgungsflüge zur ISS. Die bevorstehende bemannte Mission mit dem Namen Demo-2 ist für die USA nicht nur wichtig, um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, sondern auch um den Markt mit geschäftlichen und touristischen Reisen im niedrigen Erdorbit zu erobern.

Eines Tages sollten die USA ein Dutzend kommerziell betriebene Raumstationen im niedrigen Erdorbit haben, sagt Nasa-Chef Jim Bridenstine. SpaceX-Chef Musk greift noch höher nach den Sternen: Sein Unternehmen arbeitet gerade an einer riesigen Rakete namens Starship, die den Mond umrunden oder sogar den Mars erreichen soll. In Musks Träumen wird sich der Mensch auf diese Weise zu einer "Multi-Planeten-Spezies" entwickeln.

Quelle: ntv.de, Ivan Couronne, AFP