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Schon fünf Jahre davor Augenuntersuchung kann Herzinfarkt vorhersagen

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In Zukunft könnte eine einfache Netzhautuntersuchung genügend Informationen liefern, um gefährdete Personen zu identifizieren.

(Foto: imago images/YAY Images)

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In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, mehr als 40.000 sterben daran. In einer Studie gelingt es einem Forschungsteam, das Herzinfarktrisiko für Menschen genauer vorherzusagen. Sie kombinieren dafür demografische Angaben und Aufnahmen der Netzhaut des Auges.

Eine einfache, nicht-invasive Augenuntersuchung kann das Herzinfarktrisiko vorhersagen, wenn sie mit anderen Informationen kombiniert wird. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Edinburgh in einer Studie.

Die Forschenden fanden heraus, dass die Kombination von Informationen über das Muster der Blutgefäße in der Netzhaut mit herkömmlichen klinischen Faktoren es ihnen ermöglichte, das Herzinfarktrisiko der Teilnehmer besser zu ermitteln als mit etablierten Modellen. Diese berücksichtigen meist nur demografische Daten. Für seine Studie verwendete das Forschungsteam Daten aus der UK Biobank. Sie enthält 500.000 medizinische Daten und Daten über den Lebensstil der Teilnehmenden. Daraus wurde die individuelle Risikovorhersage für einen Herzinfarkt berechnet.

Anschließend kombinierten sie dieses Maß in einem Modell mit Faktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, Body-Mass-Index und Raucherstatus. Speziell im Fokus lagen Personen aus der Datenbank, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, von denen auch Netzhautbilder vorlagen. "Wir wussten bereits, dass Variationen im Gefäßsystem der Netzhaut Einblicke in unsere Gesundheit geben könne", wird die Erstautorin der Studie, Ana Villaplana-Velasco, in einer Mitteilung zitiert. "Da die Bildgebung der Netzhaut eine nicht-invasive Technik ist, haben wir uns entschlossen, die gesundheitlichen Vorteile zu untersuchen, die wir aus diesen Bildern ziehen könnten", so Villaplana-Velasco, die Doktorandin am Usher- und Roslin-Institut der Universität Edinburgh ist.

Gemeinsame genetische Grundlage

Das Modell sei in der Lage gewesen, Teilnehmer mit niedrigem oder hohem Herzinfarktrisiko in der UK Biobank besser zu klassifizieren als etablierte Modelle, die nur demografische Daten enthalten, so die Wissenschaftlerin. Die Verbesserung des Modells sei sogar noch größer gewesen, wenn ein Wert für die genetische Neigung zur Entwicklung von Herzinfarkten hinzufügt wurde.

Der Analyse zufolge gibt es eine gemeinsame genetische Grundlage für die fraktale Dimension und den Herzinfarkt. Das Durchschnittsalter für einen Herzinfarkt liegt bei 60 Jahren, und die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass ihr Modell mehr als fünf Jahre vor dem Auftreten des Herzinfarkts seine beste Vorhersageleistung erreichte. Sie hoffen, dass in Zukunft eine einfache Netzhautuntersuchung genügend Informationen liefern kann, um gefährdete Personen zu identifizieren. Dann könnte man das Risiko noch erheblich verringern, beispielsweise, indem man aufhört zu rauchen und für die Normalisierung von Cholesterinspiegel und Blutdruck sorgt.

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Die Forscher halten es für möglich, dass jede Erkrankung ein einzigartiges Profil der Netzhaut aufweist, und vermuten, dass ihre Ergebnisse bei der Feststellung der Neigung zu anderen Krankheiten nützlich sein könnten. Villaplana-Velasco zufolge soll die Analyse bei Männern und Frauen getrennt wiederholt werden, um zu untersuchen, ob ein geschlechtsspezifisches Modell für Herzinfarkt eine bessere Risikoklassifizierung ergibt.

Die Studie, die bereits im Dezember 2021 als Preprint veröffentlicht wurde, wird in dieser Woche auf der Jahreskonferenz der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik in Wien vorgestellt. In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, mehr als 40.000 sterben daran.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 13. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, sba

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