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Die Bundesärztekammer zählte im vergangenen Jahr 2213 Behandlungsfehler.
Die Bundesärztekammer zählte im vergangenen Jahr 2213 Behandlungsfehler.(Foto: picture alliance / Felix Kästle/)
Mittwoch, 04. April 2018

Hohe Dunkelziffer: Tausende Patienten werden falsch behandelt

Im Medizinbetrieb werden Patienten regelmäßig Opfer von folgenschweren Fehlern. Aktuelle Zahlen dazu veröffentlicht die Bundesärztekammer. Doch über das genaue Ausmaß gäbe es nur Schätzungen, behaupten Experten.

Mehr Patienten als nötig werden aus Expertensicht in Deutschland Opfer ärztlicher Behandlungsfehler. "Es gibt zu viele Fälle, und es gibt Instrumente dagegen, die wir anwenden können", sagte der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller. Die Bundesärztekammer stellte dazu neue Zahlen vor.

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Das Gutachten zeigt, wie viele Fälle von Fehlerverdacht die Kommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft im vergangenen Jahr untersuchten - und wie oft sie hierbei tatsächlich einen Fehler feststellten. Sie haben demnach im vorigen Jahr 2213 Behandlungsfehler gezählt. Im Vergleich zu 2016 mit 2245 Fällen blieb die Gesamtzahl damit beinahe gleich, wie die Spitzenorganisation der Mediziner mitteilte.

Von den festgestellten Behandlungsfehlern führten 1783 zu Gesundheitsschäden, in 430 Fällen war dies nicht der Fall. Den Gutachtern wurden insgesamt 7307 Vorgänge zur Entscheidung vorgelegt. Bei 19,5 Millionen Klinikbehandlungen und einer Milliarde Arztkontakten bewege sich die Fehlerzahl "im Promillebereich". Es gebe daher keinen Grund für "Panikmache und Pfuschvorwürfe".

0,1 Prozent der Todesfälle sind vermeidbar

Dennoch betonte Müller, dass diese Statistik keine Auskunft über den Stand der Patientensicherheit in Deutschland gebe. Die Zahlen zeigten vielmehr, in welchen Fällen Patienten am ehesten einen Fehler vermuteten und nach welchen Behandlungen sie sich am häufigsten auch tatsächlich beschweren.

Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden, ist unbekannt. In der Vergangenheit schätzten die Ärzte die Zahl der Beschwerden auf 40.000 pro Jahr insgesamt. Vermeidbare Fehler und Probleme bei Behandlungen gebe es aber weit öfter, sagte Müller.

Schätzungen zufolge endeten rund 0,1 Prozent der Behandlungen in einem Krankenhaus vermeidbar tödlich. Das entspricht rund 20.000 Todesfällen. Das sei eine weit größere Zahl als die offiziell - etwa von Gerichten - festgestellten vermeidbaren Todesfälle durch Behandlungsfehler. Wichtig sei, dass alle Beteiligten die Sicherheitskultur weiterentwickeln und Fehler vermeiden. Ein Streit über Zahlen helfe da nicht weiter, mahnte Müller.

Häufigsten Fehldiagnosen bei Arthrosen und Brüchen

Beispiele für Behandlungsfehler veröffentlicht unter anderen die norddeutsche Schlichtungsstelle der Ärzteschaft. So ging ein 22-jähriger, kranker Mann nach einem Madagaskar-Urlaub mit Malaria-Verdacht zum Hausarzt. Dieser leitete laut Schlichtungsstelle aber nicht die für einen Akutfall geeigneten Diagnose- und Therapieschritte ein. Der junge Mann ging nach drei Tagen auf eigene Faust in eine Tropenklinik und wurde erst dort richtig behandelt.

In einem anderen Fall kam ein 39-Jähriger mit einer Stichverletzung nach einem Streit ins Krankenhaus. Trotz akuter Behandlung und Untersuchung des Bauchs durch kleine Öffnungen der Bauchdecke sowie durch Ultraschall wurden Dick- und Dünndarm-Verletzungen zunächst nicht erkannt. Folge: Der Mann musste 18 Folge-Operationen über sich ergehen lassen und zwei Monate in der Klinik bleiben, davon zwei Drittel auf der Intensivstation mit einem Luftröhrenschnitt zur Dauerbeatmung.

Laut der veröffentlichten Fehlerstatistik der Ärzteschaft waren die häufigsten Fehlervorwürfe bei Diagnosen von Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Brüchen des Unterschenkels oder des Sprunggelenks.

Quelle: n-tv.de