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Blut, Sperma, Speichel? Test unterscheidet Körperflüssigkeiten

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Winzige Spuren können Ermittlerinnen und Ermittlern große Erkenntnisse über einen Tathergang liefern – wenn man sie richtig auswerten kann.

(Foto: Damian Gorczany)

Oft bleiben an Tatorten winzige Spuren zurück. Doch worum handelt es sich? Für insgesamt fünf Körperflüssigkeiten lässt sich diese Frage jetzt dank neuer Forschungsergebnisse leichter beantworten.

Forschende der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern in NRW und Bayern ein neues Verfahren entwickelt, um verschiedene Körperflüssigkeiten auseinanderzuhalten. Das Team um Dr. Katalin Barkovits-Boeddinghaus konzentrierte sich dabei auf die in einer Probe enthaltenen Proteine, die mit Massenspektrometrie nachgewiesen werden können.

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Katalin Barkovits-Boeddinghaus ist Expertin für Massenspektrometrie.

(Foto: Damian Gorczany)

Verschiedene Körperflüssigkeiten unterscheiden sich in ihren Zusammensetzungen. Das Forschungsteam identifizierte für Blut, Speichel, Urin, Vaginalsekret und Sperma jeweils fünf bis sechs charakteristische Proteinfragmente - Markerpeptide genannt -, die jeweils nur in einer der Körperflüssigkeiten vorkamen.

Die Landeskriminalämter stellten dann Proben zur Verfügung, zu denen bereits ein Ergebnis vorlag, das aber nicht mitgeteilt wurde. Mittels Massenspektrometrie suchte das Team gleichzeitig in einem einzigen Test in jeder davon nach Spuren von Blut, Speichel, Urin, Sperma und Vaginalsekret. Das Verfahren spürte die fünf Körperflüssigkeiten zuverlässig auf. Die Sensitivität war dabei sogar noch höher als bei den etablierten Methoden. Für die Massenspektrometrie reichten also noch geringere Mengen der Sekrete, damit der Test anschlug.

Neue Ermittlungschancen

Es gibt zwar etablierte Methoden für die Identifikation von Körperflüssigkeiten, die ähnlich wie Corona-Schnelltests funktionieren: Blut, Speichel, Sperma und Urin lassen sich so nachweisen. Vaginalsekret lässt sich hingegen nur unter dem Mikroskop identifizieren, indem man nach bestimmten Zellen sucht. Diese gehen jedoch schnell kaputt, was den Nachweis erschwert. Ein Nachteil der etablierten Verfahren ist, dass man für jede Körperflüssigkeit einen eigenen Test machen muss. Oft steht aber nur eine kleine Probenmenge zur Verfügung.

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Bei dem neuen Verfahren würde die kleine Menge ausreichen, die zudem auf alle fünf Körpersekrete gleichzeitig getestet werden kann. Außerdem liefert die Analyse noch eine Zusatzinformation: Wenn Blut, Speichel, Urin, Sperma oder Vaginalsekret anhand der Markerpeptide mit der Massenspektrometrie nachgewiesen werden, ist zugleich klar, dass es sich nicht um Tränenflüssigkeit, Schweiß oder Nasenschleim handeln kann. "Wir können Proben zwar nicht direkt auf diese drei Substanzen hin untersuchen, aber wir können zumindest ausschließen, dass sie enthalten sind", so Barkovits-Boeddinghaus im Wissenschaftsmagazin "Rubin" der RUB. Denn die verwendeten Markerpeptide kommen in der Kombination in Tränen, Schweiß und Nasensekret nicht vor.

Das Verfahren, das für die Aufklärung von Straftaten entscheidend sein kann, soll in einem nächsten Schritt weiterentwickelt werden. Bisher dauert es einen Arbeitstag, bis ein Ergebnis vorliegt, diese Zeitspanne wollen die Forschenden halbieren. Zudem soll der Prozess so weit wie möglich automatisiert werden.

Quelle: ntv.de, sba

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