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Helfen Antikörper bei Covid-19? Therapeutisches Plasma zu Test zugelassen

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Ein medizinischer Fokus für die Behandlung von Covid-19 liegt auf Antikörpern aus dem Blutplasma von wieder gesunden Covid-19-Patienten.

(Foto: imago/blickwinkel)

Weltweit wird nach Wegen gesucht, um Covid-19-Kranke zu retten. Antikörper in Blutplasma könnten das Mittel der Wahl werden. Die Erlaubnis zur Herstellung und Anwendung von therapeutischem Plasma ist erteilt. Nun werden Plasma-Spender gesucht, die die Lungenkrankheit schon überstanden haben.

Das Institut für Transfusionsmedizin in Bad Oeynhausen hat für die Behandlung von Covid-19-Patienten die Genehmigung zur Herstellung und Anwendung von Therapeutischem Plasma bekommen. Erste Fallserien geben Hinweise darauf, dass darin enthaltene Antikörper vor allem schwer kranken Infizierten das Leben retten kann. "Das Blutplasma von Patienten, die nach einer Sars-CoV-2-Infektion genesen sind, enthält Antikörper. Wenn diese in ausreichender Konzentration enthalten sind, können wir damit solchen Patienten helfen, die schwer erkrankt sind", erläutert Professor Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW). "Damit ist eine Möglichkeit geschaffen, besonders schwere Erkrankungsfälle zukünftig besser behandeln zu können", sagte Knabbe in einer Mitteilung seines Instituts.

IgG-Antikörper

Antikörper vom Typ Immunglobulin-G, kurz IgG-Antikörper, sind körpereigene Moleküle, die zu den wichtigsten Abwehrstoffen im Blut und damit zum Immunsystem gehören. Die speziellen Eiweißstoffe dienen der Bekämpfung von allen körperfremden Stoffen, wie Bakterien oder Viren, aber auch Tumorzellen und Blütenpollen. Sie werden vom Körper erst gebildet, nachdem Krankheitserreger in den Körper eingedrungen sind. Das bedeutet, sie sind spezifischer und effektiver als die Stoffe, die sich als angeborene Immunabwehr bereits im Körper befinden. Antikörper haben eine Y-Form. Die kurzen Enden agieren wie Fühler, die sich an den körperfremden Stoff anheften und diesen markieren. So kann es über unterschiedliche Wege vom Immunsystem bekämpft werden.

Diese Behandlungsstrategie hatte bei Influenza-Patienten in ersten experimentellen Untersuchungen bereits gute Ergebnisse erzielt. Auch die Arzneimittelbehörde in den USA hat die Anwendung kürzlich erlaubt. Aus China gibt es einen ersten Bericht über Covid-19-Patienten, die mit Blutplasma behandelt wurden. Die Ärzte in Shenzhen gaben fünf Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, je 400 Milliliter aufbereitetes Blutplasma. Dieses stammte von Patienten, die ebenfalls an Covid-19 erkrankt waren. Die Idee: Im Plasma der Gesundeten befinden sich sogenannte IgG-Antikörper. Diese sind wichtig, damit der Körper das Virus erkennt und wirkungsvoll bekämpfen kann.

Die so behandelten Patienten waren im Alter zwischen 36 und 65 Jahren. Ihr Krankheitsverlauf war so schwer, dass alle in der Klinik mechanisch beatmet werden mussten. Die Behandlung mit verschiedenen antiviralen Wirkstoffen und Steroiden hatte zuvor bei keinem Patienten eine Besserung des kritischen Zustandes bewirkt.

Schnelle Besserung beobachtet

Innerhalb von drei Tagen nach der Gabe des Plasmas normalisierte sich die Körpertemperatur von vier der insgesamt fünf Patienten. Auch die Organfunktionen und die Lungenfunktionen verbesserten sich. Bei allen fünf Patienten konnte ein Rückgang der Viruslast gemessen werden. Bei einem Patienten konnte schon am Folgetag kein Sars-CoV-2 mehr nachgewiesen werden, bei zwei weiteren dauerte es drei Tage und bei den beiden anderen Patienten zwölf Tage bis sie virenfrei waren.

Trotz der guten Ergebnisse konnten bis zum Ende der Fallserie nur drei Patienten nach mehr als 50 Tagen im Krankenhaus als gesunde Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der Zustand der beiden anderen Patienten stabilisierte sich zwar, sie mussten jedoch beide bis zum Ende der Fallserie am 25. März immer noch mechanisch beatmet werden, berichtet das Ärzteteam um Yingxia Liu in einer vorläufigen Mitteilung, die im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlicht wurde.

Sowohl die Entnahme als auch die Gabe des aufbereiteten Serums wurde laut Mitteilung am selben Tag durchgeführt. Die Plasma-Spender waren mindestens zehn Tage nach einer Covid-19-Erkrankung beschwerdefrei.

Klinische Experimente mit ungewissem Ausgang

Forscher sind sich bewusst, dass die Untersuchungen, die jetzt in Deutschland auch in Hannover und Münster gestartet werden, klinische Experimente mit ungewissem Ausgang sind. Bisher weiß man nicht, ob die Behandlung mit Antikörpern aus Blutplasma wirklich funktioniert und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Da es derzeit aber keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten für Covid-19-Patienten gibt, muss man die Serum-Therapie, die früher bereits gegen Masern, Mumps und Polio eingesetzt wurde, ausprobieren. Bis zu einer Zulassung könnten jedoch noch mehrere Monate vergehen.

Für die Untersuchungen werden nun Menschen gesucht, die die Covid-19-Erkrankung bereits hinter sich haben und bereit sind, Blut beziehungsweise Blutplasma zu spenden. "Wir hoffen auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung, um denjenigen helfen zu können, die von der COVID-19-Erkrankung besonders schwer betroffen sind", betont Knabbe. Für weitere Informationen ist eine Telefon-Hotline eingerichtet: 0573197 - 2400. Fragen werden auch über E-Mail beantwortet: corona@blutspendedienst-owl.de.

Auch die Medizinische Hochschule Hannover und das Universitätsklinikum Münster (UKM) wollen Antikörper testen. Sie setzen darüber hinaus aber auch auf sogenannte T-Lymphozyten. Sie rufen Covid-19-Genesene deshalb zu Blutspenden auf. Freiwillige Personen, die eine Corona-Infektion hatten und jetzt einen negativen Corona-Test haben, oder aber mindestens zehn Tage symptomfrei sind, sollen sich telefonisch unter 0251 - 8357935 oder per Mail unter hepar@ukmuenster.de bei der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des UKM melden. Freiwillige in und um Hannover können sich entweder unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 5325325 oder per E-Mail unter RKP-Spende@mh-hannover.de melden.

Quelle: ntv.de