"Unsere eigene Vergangenheit"Forscher beobachten Planetengeburt in Sternensystem

Ein Forschungsteam beobachtet ein Sternensystem, das einem jungen Sonnensystem ähnelt. Zwei Gasriesen formen sich dort aus einer Staub- und Gasscheibe. Forschende sehen Parallelen zur Geschichte unseres Sonnensystems - und vermuten weitere Planeten.
In den Tiefen des Alls hat ein Forschungsteam einen Stern entdeckt, um den sich junge Planeten bilden - so, wie es sich vor Milliarden Jahren in unserem Sonnensystem zugetragen haben könnte. Es handelt sich um den rund 437 Lichtjahre entfernten Stern WISPIT 2 - neue Aufnahmen zeigen, dass in der ihn umgebenen Staub- und Gasscheibe mindestens zwei Planeten entstehen.
Diese Beobachtungen sowie die einzigartige Struktur der Scheibe um den Stern deuten laut den Astronominnen und Astronomen darauf hin, dass das WISPIT-2-System einem jungen Sonnensystem ähneln könnte. "WISPIT 2 bietet uns den bislang besten Einblick in unsere eigene Vergangenheit", erklärt Chloe Lawlor von der University of Galway in Irland, Hauptautorin der in der Fachzeitschrift "The Astrophysical Journal Letters" veröffentlichten Studie laut einer Mitteilung.
Das System ist nach PDS 70 erst das zweite bekannte Beispiel, bei dem zwei Planeten direkt während ihrer Entstehungsphase um ihren Zentralstern beobachtet werden konnten. Im Gegensatz zu PDS 70 verfügt WISPIT 2 jedoch über eine sehr ausgedehnte protoplanetare Scheibe mit markanten Lücken und Ringen. "Diese Strukturen deuten darauf hin, dass dort derzeit weitere Planeten entstehen, die wir künftig nachweisen werden", so Lawlor.
Fünffache Masse des Jupiter
Der erste in diesem System nachgewiesene Planet - WISPIT 2b - wurde bereits im vergangenen Jahr entdeckt. Er besitzt fast die fünffache Jupitermasse und umkreist den Stern in etwa der 60-fachen Entfernung zwischen Erde und Sonne. "Dieser Nachweis einer Welt im Stadium der Entstehung hat das enorme Potenzial unserer aktuellen Instrumentierung aufgezeigt", sagte Co-Autorin Richelle van Capelleveen vom Observatorium Leiden in den Niederlanden.
Messungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte konnten nun einen weiteren Planeten bestätigen: WISPIT 2c. Er befindet sich demnach viermal näher am Zentralstern und ist doppelt so massereich wie WISPIT 2b. Bei beiden Objekten handelt es sich um Gasriesen, vergleichbar mit den äußeren Planeten unseres Sonnensystems.
Dritter Planet vermutet
Beide Planeten in WISPIT 2 befinden sich in deutlichen Lücken innerhalb der Staub- und Gasscheibe, die den jungen Stern umgibt. Diese Freiräume resultieren aus dem Wachstum der Planeten: Partikel in der Scheibe sammeln sich an und verklumpen, wobei ihre Gravitation zunehmend Material anzieht, bis sich ein Planetenembryo formt. Das verbleibende Material bildet um jede Lücke herum charakteristische Staubringe.
Zusätzlich zu den Bereichen, in denen die beiden Planeten gefunden wurden, existiert mindestens ein weitere, kleinere Lücke im äußeren Teil der WISPIT-2-Scheibe. "Wir vermuten, dass ein dritter Planet diese Lücke freiräumt", sagt Lawlor. "Aufgrund der geringeren Breite und Tiefe der Lücke könnte es sich potenziell um ein Objekt mit Saturnmasse handeln." Das Team plant bereits Folgebeobachtungen.