Baduanjin ist sichere MethodeUralte Übungen senken den Bluthochdruck nachhaltig
Von Jana Zeh
Bluthochdruck ist weit verbreitet und ein wesentliches Risiko für eine Reihe gefährlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei kann er verhindert werden. Die regelmäßige Praxis einer traditionellen Körper-Geist-Übung aus China zeigt blutdrucksenkende Wirkungen, die mit denen von Medikamenten vergleichbar sind.
Das regelmäßige Praktizieren des chinesischen Gesundheits-Qigong namens Baduanjin senkt den Bluthochdruck. Das hat ein Forschungsteam des Nationalen Zentrums für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Peking herausgefunden. Die Effekte der Übungen sind mit denen von blutdrucksenkenden Medikamenten oder zügigem Gehen vergleichbar, schreibt das Team zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung, die in der Fachzeitschrift "Journal of the American College of Cardiology" veröffentlicht wurden.
Für die Studie gewann das Team um die Präventionsmedizinerin Jing Li insgesamt 216 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Bluthochdruck aus sieben Gemeinden. Die Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe hatte zur Aufgabe, Baduanjin zu praktizieren, die zweite Gruppe praktizierte selbstständig Übungen und die dritte Gruppe ging regelmäßig zügig über eine bestimmte Zeitspanne. Alle Gruppen sollten ihre Aufgaben über den Zeitraum von einem Jahr durchführen.
Was verbirgt sich hinter Baduanjin?
Bei Baduanjin, auch als Acht-Brokate-Qigong bezeichnet, handelt es sich um acht Übungen, bei denen langsame, strukturierte Bewegungen, tiefe Atmung und meditative Konzentration kombiniert werden. Die seit Jahrhunderten praktizierte und in ganz China häufig in Gemeinschaftseinrichtungen durchgeführte Übungsabfolge dauert 10 bis 15 Minuten. Man benötigt dafür keine Ausrüstung und nur eine kurze Einweisung. Dadurch kann Baduanjin in verschiedenen Umgebungen ausgeführt werden. Aufgrund der relativ niedrigen Intensität gilt die Übungsabfolge als sicher und für viele Erwachsene geeignet. "Aufgrund der Einfachheit, Sicherheit und der leichten Umsetzbarkeit ist Baduanjin langfristig beizubehalten", sagte Jing Li laut Mitteilung. Die Übungen tragen folgende Namen:
1. Zwei Hände stützen den Himmel
2. Den Bogen spannen und auf den Adler zielen
3. Himmel und Erde verbinden
4. Die fünf Übel und sieben Leiden hinter sich lassen
5. Mit dem Kopf wackeln und mit dem Schwanz wedeln
6. Mit beiden Händen die Füße fassen
7. Mit den Fäusten stoßen und mit den Augen funkeln
8. Den Rücken siebenmal erschüttern
Die Praxis der acht Übungen zielt darauf ab, Muskeln und Sehnen zu stärken, die Durchblutung zu fördern, den Stoffwechsel anzuregen, Stress abzubauen und das Immunsystem zu stärken. Nun kommt noch die wissenschaftlich nachgewiesene blutdrucksenkende Wirkung hinzu. Zudem wird Baduanjin vor Tai-Chi oder Kung-Fu genutzt.
Fünf Mal pro Woche
Alle Übungen und das zügige Gehen sollten von den Studienteilnehmern fünfmal in der Woche praktiziert werden. Der Blutdruck wurde über die ersten 24 Stunden vom Ausgangswert, in der 12. und in der 52. Woche gemessen. Alle Studienteilnehmenden waren mindestens 40 Jahre alt und hatten einen systolischen Blutdruck von 130 bis 139 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), was den US-Leitlinien zufolge als Hypertonie Stadium 1 eingestuft wird.
Bei der Auswertung der Daten zeigte sich: Im Vergleich zu selbstständig durchgeführten Übungen senkte die regelmäßige Ausübung von Baduanjin den systolischen Blutdruck innerhalb von 24 Stunden um etwa 3 mmHg und den in der Arztpraxis gemessenen systolischen Blutdruck um 5 mmHg sowohl nach drei Monaten als auch nach einem Jahr. Diese Werte entsprechen den Wirkungen einiger Medikamente. Nach einem Jahr zeigte Baduanjin vergleichbare Ergebnisse und ein vergleichbares Sicherheitsprofil wie zügiges Gehen. Die positiven Effekte hielten auch später noch an. Die Effekte blieben bestehen, obwohl die Menschen nicht ständig überwacht wurden.
"Baduanjin wird in China seit über 800 Jahren praktiziert, und diese Studie zeigt, wie sich traditionelle, leicht zugängliche und kostengünstige Ansätze durch hochwertige randomisierte Forschung bestätigen lassen", fasst Harlan M. Krumholz, Kardiologe und Chefredakteur des "Journals of the American College of Cardiology", zusammen. Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Ergebnissen einer Übersichtsarbeit von 2017. Diese zeigt, dass Baduanjin positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Schlafqualität, das Gleichgewicht, die Handkraft, die Rumpfflexibilität, den systolischen und diastolischen Blutdruck sowie den Ruhepuls hat.