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Soziale Strukturen bleiben über Jahrzehnte hinweg erhalten, zeigt die Studie.
Soziale Strukturen bleiben über Jahrzehnte hinweg erhalten, zeigt die Studie.(Foto: imago/Westend61)
Montag, 05. März 2018

Langsamer Abbau von Ungleichheit: Urgroßeltern prägen maßgeblich Sozialstatus

Leben die Vorfahren in Armut, geht es auch den Urenkeln schlecht. Das zeigt eine Studie zum Sozialstatus. Die Forscher untersuchen vier Generationen und kommen zu dem Ergebnis: Soziale Ungerechtigkeit lässt sich selbst über diesem Zeitraum hinweg nur schwer abbauen.

Der soziale Aufstieg in Deutschland ist einer Studie zufolge schwerer als bislang angenommen und hängt maßgeblich vom Status der Vorfahren ab. Demnach lassen etwa Bildungsgrad oder Berufsstand der Urgroßeltern noch heute auf den ihrer Nachfahren in der vierten Generation schließen, wie aus einer Studie des Kieler IfW-Instituts und der Universität Madrid hervorgeht.

"Dies bedeutet, dass sich die soziale Ungleichheit in Deutschland nur sehr langsam abbaut", sagte IfW-Experte Sebastian Braun. "Je geringer der soziale Status der Urgroßeltern, desto geringer der Status der Urenkel heute." Ein niedriger Status der Vorfahren wirke wie eine Last, die den Aufstieg auch vier Generationen später noch bremse. Umgekehrt gelte: Je höher der soziale Status der Urgroßeltern, desto höher der Status ihrer Nachfahren heute.

Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass durchschnittlich 60 Prozent der für den sozialen Status einer Person maßgeblichen Faktoren von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Dazu könnten Lebensumstände wie das gesellschaftliche Netzwerk zählen, aber auch vererbte Begabungen.

Die Wissenschaftler untersuchten Daten, die über vier Generationen hinweg den sozialen Status von Familien in Deutschland im 20. Jahrhundert beschreiben. Die Studie widerspricht laut IfW früheren Untersuchungen, nach denen in den meisten Industrieländern der soziale Status einer Person nur zu etwa 30 bis 40 Prozent von den Eltern geprägt ist und soziale Ungleichheiten daher relativ schnell verschwinden.

Die Forscher betonten, bei Studien zur sozialen Mobilität gebe es eine hohe Datenunsicherheit. "Indem wir mehr als zwei Generationen beobachteten, konnten wir diesen 'Messfehler' bereinigen", sagte Braun. Frühere Studien haben wiederholt gezeigt, dass der soziale Aufstieg in Deutschland vergleichsweise schwieriger ist als in vielen anderen Industrieländern.

Quelle: n-tv.de