Ursprung auf dem Mars?Studie: Leben könnte zwischen Planeten reisen

Stammt das Leben auf der Erde vom Mars? Forscher weisen in einem Experiment nach, dass Bakterien die Kräfte eines Asteroideneinschlags überstehen können. Dies eröffnet die Möglichkeit für interplanetare Reisen der Mikroben.
Eine große ungelöste Frage der Wissenschaft ist der Ursprung des Lebens auf der Erde. Eine neue Studie stützt nun Überlegungen, dass das erste Leben vielleicht von anderen Planeten auf die Erde gelangte: Ein Forschungsteam der Johns Hopkins University wies nach, dass winzige Lebensformen auf Meteoriten von Planet zu Planet reisen können.
In der im Fachmagazin "PNAS Nexus" veröffentlichten Studie schreiben die Forscher, dass Mikroorganismen in Trümmern überleben können, die bei einem Asteroideneinschlag aus dem Gestein eines Planeten wie dem Mars heraus ins All geschleudert werden. Ein bestimmtes widerstandsfähiges Bakterium hält demnach dem extremen Druck, der beim Einschlag entsteht, sowie den unwirtlichen Bedingungen einer Reise durchs All problemlos stand, heißt es in der Studie.
"Leben könnte tatsächlich überleben, wenn es von einem Planeten weggeschleudert wird und sich auf einen anderen bewegt", sagte der leitende Autor K.T. Ramesh. "Das ist eine wirklich große Sache, die die Art und Weise verändert, wie man über die Frage nach dem Ursprung des Lebens und wie das Leben auf der Erde entstanden ist, denkt."
Asteroideneinschlag simuliert
Die Oberflächen der meisten Körper im Sonnensystem sind mit Einschlagskratern übersät. Der Mars, der möglicherweise in der Vergangenheit einmal Leben beherbergt hat oder es heute immer noch tut, ist einer der am stärksten gezeichneten Himmelskörper. Auch auf der Erde wurden bereits mehrere Mars-Meteoriten gefunden, die aus Asteroideneinschlägen auf dem roten Planeten stammen.
Das Forschungsteam simulierte im Labor den Druck eines Asteroideneinschlags auf dem Mars: Dafür wurden die Mikroben zwischen Metallplatten eingeklemmt und dann mit einer Gaskanone beschossen. Das Projektil traf mit einer Geschwindigkeit von bis zu 480 km/h auf die Platten und erzeugte dabei einen Druck von 1 bis 3 Gigapascal. Wenn Asteroiden auf den Mars treffen, entsteht dabei ein Druck von bis zu 5 Gigapascal.
Als Test-Mikroorganismus wählten die Forscher das Bakterium Deinococcus radiodurans, das in den Hochwüsten Chiles vorkommt. Es ist für seine Fähigkeit bekannt, unter den unwirtlichsten Bedingungen zu überleben. Eine dicke Hülle und eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstheilung schützen es vor extremer Kälte und Trockenheit sowie intensiver Strahlung. Ähnliche Mikroben könnte es auch auf dem Mars geben, vermuten die Forscher.
"War wirklich schwer, sie zu töten"
Die Tests zeigten: Die Bakterien waren nur sehr schwer abzutöten. Sie überlebten fast jeden Test bei einem Druck von 1,4 Gigapascal. Bei einem Druck von 2,4 Gigapascal überlebten immerhin noch 60 Prozent. "Wir haben angefangen, sie immer schneller zu beschießen. Wir haben immer wieder versucht, sie zu töten, aber es war wirklich schwer, sie zu töten", sagte die Hauptautorin Lily Zhao.
Fazit der Forscher: "Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, dass Leben einen großflächigen Einschlag und Auswurf überlebt", so Zhao. "Das bedeutet, dass Leben potenziell zwischen Planeten wandern kann. Vielleicht sind wir Marsmenschen!" Als Nächstes möchte das Team untersuchen, ob wiederholte Asteroideneinschläge zu widerstandsfähigeren Bakterienpopulationen führen - oder ob sich Bakterien an diese Art von Stress anpassen. Außerdem möchten sie herausfinden, ob andere Organismen, darunter Pilze, unter diesen Bedingungen überleben können.