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Streit um Heinsberg-Studie Virologe Streeck wehrt sich gegen Kritik

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Gangelt im Landkreis Heinsberg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Landkreis Heinsberg ist früh und besonders stark von der Corona-Epidemie betroffen. Wissenschaftler um den Virologen Streeck wollen dort Erkenntnisse über das Virus und seine Verbreitung gewinnen. Doch ihr Zwischenergebnis einer Studie löst Widerspruch aus. Nun rechtfertigt sich Streeck.

Der Virologe Hendrik Streeck hat Kritik an der Veröffentlichung eines Zwischenergebnisses zu einer Studie in der vom Coronavirus besonders betroffenen Gemeinde Gangelt in Nordrhein-Westfalen zurückgewiesen. Dem "Tagesspiegel" sagte der Wissenschaftler der Universität Bonn, dass die Feldstudie alle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einhalte. "Wir übererfüllen sogar diese Empfehlungen", sagte Streeck zu der Studie, die 1000 Menschen aus 400 Haushalten untersucht.

Streeck hatte am Donnerstag im Beisein von Ministerpräsident Armin Laschet erste Ergebnisse seiner Studie im vom Coronavirus stark betroffenen Landkreis Heinsberg vorgestellt und sich für erste Lockerungen der aktuellen Maßnahmen gegen die Pandemie ausgesprochen. Wissenschaftler, darunter der Berliner Virologe Christian Drosten, hatten die öffentlich präsentierten Ergebnisse hinterfragt und eine Veröffentlichung nach wissenschaftlichen Maßstäben gefordert, um das Vorgehen und Schlüsse der Forscher um Streeck nachvollziehen zu können.

Auch die Kritik, das Zwischenergebnis sei zu früh veröffentlicht worden, wies Streeck zurück. "Die Veröffentlichung ist keinesfalls leichtfertig erfolgt. Wir haben bis in die Nacht auf Donnerstag darüber diskutiert, ob wir jetzt erste Daten präsentieren sollen. Wir entschieden uns dazu aus ethischen Gründen und weil wir uns verpflichtet fühlten, einen nach wissenschaftlichen Kriterien erhobenen validen Zwischenstand vor Publikation mitzuteilen." Das sei absolut üblich. "Zwischenergebnisse werden auf Kongressen ständig und auf der ganzen Welt mitgeteilt. Nur dies ermöglicht eine jeweils aktuelle wissenschaftliche Diskussion." Zu behaupten, dies sei unwissenschaftlich, stimme schlichtweg nicht, beklagte der Forscher.

*Datenschutz

Laut dem am vergangenen Donnerstag vorgestellten Zwischenergebnis der Studie haben 15 Prozent der Bürger in der Gemeinde Gangelt nun eine Immunität gegen das Virus ausgebildet. Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben, liegt demnach, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten, bei 0,37 Prozent. Die in Deutschland derzeit von der US-amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate liegt mit 1,98 Prozent um das Fünffache höher.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa