Verschiedene Methoden im TestWHO: "Pille für den Mann" könnte in wenigen Jahren verfügbar sein

An der sogenannten Pille für den Mann wird schon lange geforscht - auf dem Markt ist bisher nicht. Das könnte sich laut Weltgesundheitsorganisation in den kommenden Jahren ändern. Gleich mehrere unterschiedliche Ansätze werden bereits getestet.
Bei der Verhütung haben Männer bisher nicht viele Optionen: Kondome sind eine davon, der Coitus interruptus eine andere, aber sehr unzuverlässige. Dann bleibt da noch die Vasektomie, ein dauerhafter Eingriff an den Samenleitern. Aber eine "Pille für den Mann", die verlässlich Schwangerschaften verhindert, keine Kondome notwendig macht und nicht dauerhaft ist, war bisher nicht verfügbar. Doch es gibt Anzeichen, dass sich dies bald ändern könnte.
Ende September hatte die WHO Richtlinien und Mindestanforderungen für neue Verhütungsmethoden für den Mann im Detail publiziert. Darin werden die gewünschten Mindeststandards festgelegt, die jedes Verhütungsmittel für Männer erfüllen sollte. "Mehrere vielversprechende Kandidaten befinden sich in fortgeschrittenen klinischen Studien", schreibt die WHO. Dies deute darauf hin, dass neue reversible Verhütungsmittel für Männer innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre auf den Markt kommen könnten.
"In drei bis fünf Jahren über eine Methode verfügen"
Noch optimistischer ist James Kiarie, Leiter der Abteilung für Verhütung und Familienplanung der WHO: "In drei bis fünf Jahren werden wir tatsächlich über eine Methode verfügen", sagte er dem "Telegraph". Im besten Fall also schon 2029. "Männer können dann mehr sein als nur Unterstützer ihrer Partnerinnen beim Einsatz von Verhütungsmitteln – sie können diese Mittel sogar selbst anwenden."
Die derzeit untersuchten Methoden für Verhütungsmittel bei Männern sind vielfältig. Dabei gibt es hormonelle und nicht-hormonelle Ansätze. Ein Überblick:
Hormonelle Gele und Pillen: Kombinationen aus synthetischen Gestagenen und Testosteron hemmen die körpereigene Spermienproduktion, gleichzeitig sollen Libido oder Erektionsfähigkeit erhalten bleiben. NES/T ist das wohl fortschrittlichste Verhütungsprodukt - das Gel muss täglich auf Schultern und Oberarme aufgetragen werden.
Hormonfreie Pille: Ein hormonfreier oraler Wirkstoff blockiert einen Rezeptor für Retinsäure, die für die Spermienbildung wichtig ist. Der Wirkstoff YCT-529 befindet sich derzeit in klinischen Studien der frühen Phasen 1b und 2a.
Injizierbares Hydrogel: Das Produkt wird in den Samenleiter eingesetzt und blockiert Spermien mechanisch. Es ist langlebig, soll aber reversibel sein. Von ADAM, entwickelt von Contraline, ist die Phase-1-Studie bereits abgeschlossen, während Next Life Sciences ein ähnliches Produkt namens Plan A testet.
On-Demand-Pille: Die PausePill, ebenfalls von Next Life Sciences, soll nur bei Bedarf vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Anders als andere Ansätze soll sie nicht die Spermienproduktion stoppen, sondern verhindern, dass Spermien beim Samenerguss ins Ejakulat gelangen. Eine erste Phase-2a-Studie wurde inzwischen abgeschlossen.
Das letzte Mal, als ein männliches Verhütungsmittel zugelassen wurde, war in den 1980er Jahren, nachdem Wissenschaftler herausgefunden hatten, wie man eine minimalinvasive Vasektomie durchführt. Dass grundsätzlich Interesse an Verhütungsmethoden für Männer besteht, zeigt eine 2026 veröffentlichte Befragung in vier Ländern: Von 1945 befragten Paaren waren knapp drei Viertel bereit, neue Verhütungsmethoden für Männer zu nutzen.