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Schlimmes Jahr für Eisbären WWF: Größtes Artensterben seit Dinosauriern

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Das Biotop von Eisbären schwindet. In Sibirien dringt ein Eisbär auf der Suche nach Nahrung in besiedeltes Gebiet vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Klimawandel und verheerende Brände: Immer mehr Tierarten verlieren ihren Lebensraum und sind vom Aussterben bedroht. Der WWF schlägt Alarm und zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft.

Um die Zukunft von Sumatra-Nashörnern, Jaguaren, Koalas, Kaiserpinguinen und Eisbären ist es zunehmend schlecht bestellt. Ihre Populationen sind in diesem Jahr stark geschrumpft, wie die Umweltorganisation WWF in einem Bericht zu den Gewinnern und Verlierern in der Tierwelt 2019 mitteilte. Neben dem Klimawandel und der Zerstörung ihrer Lebensräume hätten auch die Waldbrände in Australien und am Amazonas den Tieren zugesetzt.

Derzeit sei das "größte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier" zu beobachten, warnte der WWF. So gehe es etwa dem Eisbären in einigen Regionen deutlich schlechter als noch vor einigen Jahren. In der nördlichen Hudson Bay im Nordosten Kanadas lebten beispielsweise nur noch 842 Exemplare. Das seien 18 Prozent weniger als 2011. Bis 2050 könnte nach Schätzungen des WWF sogar ein Drittel der weltweiten Population verschwinden. Schuld daran sei vor allem der Klimawandel.

Schlechte Nachrichten gab es 2019 auch vom Sumatra-Nashorn: Im November starb Malaysias letztes Sumatra-Nashorn. Nach WWF-Schätzungen gibt es jetzt nur noch knapp 80 Tiere in Indonesien. Doch auch dort schwindet der Lebensraum der Tiere, weil Wald für Palmölplantagen, Papierproduktion und Bergbau gerodet wird.

Auch den Koala, dessen Population in den vergangenen 25 Jahren bereits um ein Drittel eingebrochen ist, zählt der WWF zu den Verlierern des Jahres: Hunderte Tiere seien den verheerenden Buschbränden in Australien zum Opfer gefallen. Zudem seien große Flächen an Eukalyptuswäldern, die Lebensraum und Nahrungsgrundlage der Koalas sind, niedergebrannt. Doch auch ohne Großfeuer werde es für die Tiere immer enger, warnte der WWF. Jedes Jahr werden in Australien demnach schätzungsweise 500.000 Hektar Wald gerodet.

Immer weniger Kaiserpinguine

Unter den Waldbränden am Amazonas haben nach Angaben des WWF die Jaguare gelitten. Insbesondere Jaguar-Reviere in Brasilien und Bolivien seien betroffen, erklärte die Organisation. Mindestens 500 Raubkatzen seien entweder unmittelbar verbrannt oder aus ihren Revieren vertrieben worden. Die Tiere seien unter anderem auch in menschliche Siedlungen geflohen, wo sie häufig erschossen würden.

Auch bei den Kaiserpinguinen beobachteten Forscher nach Angaben des WWF zuletzt massive Bestandsrückgänge und weniger überlebende Jungtiere. "Schreitet die Erderwärmung weiterhin in diesem Tempo voran, könnte laut einer Studie die Population der Kaiserpinguine bis 2100 um 86 Prozent abnehmen", warnte die Organisation.

Kaum noch Hoffnung gibt es nach Angaben des WWF für die Jangtse-Riesenweichschildkröte. Das letzte bekannte Weibchen sei 2019 in einem chinesischen Zoo gestorben. Nun lebe im Zoo von Suzhou nur noch ein männliches Exemplar. Lediglich zwei weitere Tiere gebe es noch in freier Wildbahn, ihr Geschlecht sei aber unbekannt.

Allerdings konnten nach Angaben des WWF 2019 auch einige Erfolge verzeichnet werden: In Myanmar werden demnach kaum noch Elefanten gewildert. Die Saiga-Antilopen, die der WWF im vergangenen Jahr noch als einen großen Verlierer auf die Liste gesetzt hatte, konnten sich von einer Seuche erholen. Und womöglich könne auch der Bestand des Sehuencas-Wasserfroschs in Bolivien durch den Fund eines Weibchens gerettet werden.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP