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Nicht immer ein HygieneproblemWann Mundgeruch zum Warnsignal wird

21.03.2026, 08:57 Uhr
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Etwa jeder vierte Erwachsene leidet unter einem schlechten Atem. (Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO)

Viele Menschen leiden still unter unangenehmen Geruch aus Mund oder Nase. Oft sind Bakterien auf der Zunge verantwortlich, die Nahrungsreste zersetzen. In seltenen Fällen ist es aber auch ein Warnsignal für eine unentdeckte Erkrankung.

Peinlich, belastenden - und oft missverstanden: Mundgeruch trifft viele Menschen, doch kaum jemand spricht das Problem offen an. Halitosis, so der medizinische Begriff, ist für Betroffene oft mit Scham und sozialem Rückzug verbunden. Dabei handelt es sich Experten zufolge nicht immer um ein Hygieneproblem. Im schlimmsten Fall kann anhaltender Mundgeruch ein Hinweis auf Krankheiten sein.

"Halitosis ist ein nach wie vor unterschätztes Problem", sagt Privatdozentin Jana Schmidt vom Universitätsklinikum Leipzig der "Ärzte Zeitung". Schätzungen zufolge leidet etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen zumindest gelegentlich darunter. Bei Erwachsenen gibt rund jeder Vierte an, betroffen zu sein - bei Senioren sogar fast jeder Zweite.

Der Begriff "Mundgeruch" greift dabei zu kurz: Halitosis umfasst auch Gerüche, die aus der Nase stammen. Das kann bereits ein wichtiger Hinweis auf die Ursache sein. In den meisten Fällen liegt der Ursprung aber im Mundraum. Häufig sind Zungenbelag, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis verantwortlich. Eine belgische Studie mit 2000 Patienten zeigte demnach: In 43 Prozent der Fälle ist Zungenbelag die Ursache, in 11 Prozent Zahnfleischerkrankungen - oft auch in Kombination. Auslöser sind vor allem Bakterien. Sie zersetzen Nahrungsreste und abgestorbene Zellen und setzen dabei übelriechende Schwefelverbindungen frei.

Mundgeruch kann auf Krankheiten hinweisen

Gerade im höheren Alter kommen weitere Faktoren hinzu. Viele Medikamente - etwa Blutdrucksenker, aber auch Antidepressiva - können Mundtrockenheit auslösen. Auch Zahnersatz oder nachlassende Mundhygiene spielen eine Rolle. Kinder wiederum sind häufig betroffen, wenn sie erkältet sind oder beim Zähneputzen nicht ausreichend unterstützt werden. Bei Jugendlichen erschweren Zahnspangen die Reinigung zusätzlich.

In rund vier Prozent der Fälle liegt die Ursache außerhalb des Mundraums. Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, etwa chronische Nasennebenhöhlenentzündungen oder Probleme mit den Mandeln, können Halitosis auslösen. "Kinder mit Mundgeruch haben nicht selten Nasenpolypen", erklärt Schmidt in der "Ärzte Zeitung". Auch internistische Erkrankungen kommen infrage - etwa Reflux, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Leberleiden. Dann ist der Mundgeruch oft ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung.

Ist die Ursache, wie in den meisten Fällen, im Mundraum zu finden, hilft meist eine konsequente Mundhygiene - inklusive Reinigung der Zahnzwischenräume und der Zunge. Ergänzend kommen professionelle Zahnreinigungen oder die Behandlung von Karies und Parodontitis infrage. Auch einfache Maßnahmen können helfen: ausreichend trinken, den Speichelfluss anregen, alkoholfreie Mundspüllösungen nutzen und das Rauchen einstellen.

Übrigens: In der belgischen Studie zeigten 16 Prozent der Betroffenen gar keinen objektiv messbaren Mundgeruch. Mediziner sprechen dann von einer sogenannten Pseudohalitosis. Dabei klagen die Betroffenen zum Beispiel gegenüber ihrem Haus- oder Zahnarzt über ihren Mundgeruch, dieser ist aber objektiv nicht zu riechen. "Der Leidensdruck ist trotzdem da", so Schmidt. Pseudohalitosis bessert sich meist recht schnell durch einfache Aufklärung.

Quelle: ntv.de, hny

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