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Personalisierte Medizin Wann Vitamin E wirkt und wann nicht

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Die einen schwören auf ihre Vitaminpillen, die anderen halten sie für pure Geldschneiderei.

Über die Sinnhaftigkeit der Einnahme von Vitaminpräparaten wird seit Jahrzehnten gestritten, auch weil Studienergebnisse nicht eindeutig sind. Forscher untersuchen nun die Wirkweise von Vitamin E und stoßen auf einen Weg, der gewünschte Effekte vohersagbar macht.

Gegen Hautalterung, Gelenkverschleiß und Krebs: Vitamin E werden viele verschiedene positive Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt. Das sogenannte Antioxidans kann zellschädigende freie Radikale neutralisieren. Es wirkt darüber hinaus entzündungshemmend und schmerzlindernd. Das haben eine Reihe von Zell- und Tierversuchen belegen können. Doch bei Untersuchungen am Menschen können die Vitamin-E-Wirkungen nicht eindeutig belegt werden. "Nicht nur, dass die positiven Effekte oft nicht in der erwarteten Stärke auftreten, manchmal zeigt die Gabe von Vitamin E sogar nachteilige Effekte", erklärt der Biochemiker Andreas Koeberle vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der zusammen mit Professor Oliver Werz die Untersuchung geleitet hat.

Ein internationales Forscherteam untersuchte nun den Weg von Vitamin E im Körper. Dabei zeigte sich, dass nicht das in Form von Tabletten oder Kapseln verabreichte Vitamin E die Wirkungen hervorruft, sondern ein Stoffwechselprodukt, das durch die Vitamineinnahme gebildet wird. Alpha-Carboxychromanol wird in der Leber gebildet und befindet sich in sehr unterschiedlichen Mengen im Blut.

Therapieerfolg auch für andere Mittel vorhersagbar

Das sei ein Beleg dafür, warum Vitamin E bei einigen Personen gute Wirkungen zeigte und bei anderen nicht, so die Forscher. "Wenn der Effekt von Vitamin E davon abhängt, in welchem Maß der bioaktive Metabolit gebildet wird, dann erklärt das sehr gut, wieso die gleiche Menge Vitamin E bei einer Person eine bestimmte Wirkung zeigt und bei einer anderen Person womöglich eine wesentlich geringere", erklärt Werz. Die Ergebnisse seien zudem Belege dafür, welchen großen Nutzen eine personalisierte Medizin zu bieten habe. "Wenn wir zuvor den Stoffwechsel eines Patienten charakterisieren, lässt sich ein Therapieerfolg, nicht nur für Vitamin E, wesentlich präziser erzielen."

Weil Alpha-Carboxychromanol so entzündungshemmend wirkt, wollen die Forscher ihre Erkenntnisse nutzen, um ein neues Arzneimittel zu entwickeln. Dieses könnte dann vor allem bei Asthma oder Arthritis eingesetzt werden. Ein erster Wirkstoffkandidat, der auf Alpha-Carboxychromanol basiert, sei bereits patentiert worden, erklärt Koeberle.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Communication".

Quelle: n-tv.de, jaz