Fußball-Fans im StresstestWann WM-Spiele gefährlich für das Herz werden können

Fußball ist ein echter Stresstest - das weiß jeder Fan bei einem spannenden Spiel. Die nun anstehende Fußballweltmeisterschaft mit ihren 104 Spielen kann für Menschen aber nicht nur Nervenkitzel, sondern auch eine Gesundheitsgefahr fürs Herz werden. Studien belegen dies - Fans sollten deshalb gut auf sich achten, damit ihr Lieblingssport nicht im wahrsten Sinn zur Herzenssache wird.
Was sind die Gefahren?
Studien zeigten bei größeren Fußballereignissen der vergangenen Jahre direkte Auswirkungen der Spiele aufs Herz: Bei der von Deutschland gewonnenen Weltmeisterschaft 2014 gab es gemessen an den Vergleichszeiträumen im Jahr davor und danach in Deutschland einen Anstieg der Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkten, wie eine Studie ergab. Bei der Heim-WM 2006 wiesen Forscher bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft deutlich mehr Fälle von Herzinfarkten und Herzrhythmusstörungen nach.
Gibt es einen Unterschied zwischen Fernsehen und Stadion?
Als Arminia Bielefeld 2025 sensationell ins Finale des DFB-Pokals einzog, untersuchten Wissenschaftler einige Fans. Dabei stellten sie deutlich stärkere Herzreaktionen im Stadion fest: Im Stadion kamen Fans durchschnittlich auf 94 Herzschläge pro Minute, vor dem Fernseher auf 79. Bei einem Tor von Arminia Bielefeld stieg der Puls im Stadion sogar auf 108, das waren 36 Prozent mehr als vor dem Fernseher. Die Studienmacher wollen die damaligen Ergebnisse nun mit einer WM-Studie vertiefen.
Ist Fußballschauen für Gesunde gefährlich?
Menschen mit einem gesunden Herz können den Stress der Spannung ohne gesundheitliche Folgen aushalten. Aufpassen müssen hingegen Menschen mit Vorerkrankungen. Aber auch diese Personengruppe muss nicht zwangsläufig auf das Schauen der Fußballspiele verzichten, sollten aber in dieser Situation mehr als sonst auf sich achten.
Was genau kann emotionaler Stress auslösen?
Bei Menschen mit koronaren Herzerkrankungen kann es in den vorgeschädigten Gefäßwänden bei starkem Blutdruckanstieg und durch Ausschüttung von Stresshormonen zu kleinen Einrissen kommen, an denen sich Blutgerinnsel bilden. Dies wiederum kann zur Verstopfung der Herzkranzgefäße führen. Der Herzmuskel wird dann nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt und kann in Teilen absterben. Es entsteht ein Herzinfarkt. Bei mangelnder Blutversorgung des Herzmuskels kann es auch zu Herzrhythmusstörungen kommen und im Extremfall zum plötzlichen Herztod.
Wie können sich Fans vor einer Herzattacke schützen?
Patienten mit Herzproblemen können vom Arzt prüfen lassen, ob ein zusätzlicher Blutdrucksenker, sogenannter Betablocker, genommen werden muss. Notfalls aber heißt es: Weg vom Fernseher und warten, bis sich das Spiel entspannt. Denn jedes weitere Mitleiden und Wüten treibt den Stresspegel nach oben und erhöht das Infarktrisiko. Wer das Gefühl hat, dass der Blutdruck steigt, sollte sich hinlegen und eine Weile entspannen, raten Fachleute. Wichtig ist auch, ruhig und gleichmäßig zu atmen, was zur Entspannung und somit zur Senkung des Blutdrucks sowie der Herzfrequenz beitragen kann.
Welche Rolle spielt Alkohol?
Auch zu viel Alkohol kann den Blutdruck erhöhen. Der Herzmuskel muss das Blut dann gegen einen hohen Widerstand in die Blutgefäße pressen, was oft eine enorme Belastung für das Herz ist. Große Alkoholmengen können zudem zu Herzrhythmusstörungen führen.