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Vorschlag zur CO2-Reduktion Was bringt Tempo 130 auf Autobahnen?

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Auf den meisten Autobahnabschnitten in Deutschland kann ohne Limit gerast werden.

picture alliance / Bernd Weißbro

Die Debatte um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist wieder in vollem Gange, ausgelöst diesmal von einer Idee zur Reduzierung des Treibhausgases CO2. Doch was bringt Tempo 130 wirklich in Hinsicht auf Umweltschutz und Sicherheit?

Den Anstoß zur jüngsten Tempolimit-Debatte gibt ein Vorschlag zum Klimaschutz: Die Verkehrskommission der Regierung diskutiert verschiedene Maßnahmen, um den Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs bis 2030 fast um die Hälfte zu senken. Einer der Vorschläge: ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen. Doch auch nach schweren Verkehrsunfällen flammt die Debatte über Tempolimits immer wieder auf. Was bringt ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen wirklich? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema:

Auf wie vielen Autobahnstücken kann ohne Tempolimit gefahren werden?

Auf mehr als zwei Dritteln aller Autobahnkilometer in Deutschland herrscht kein Tempolimit - laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) sind es genau 70,4 Prozent, also insgesamt mehr als 18.000 Kilometer ohne Begrenzung, beide Fahrtrichtungen zusammengenommen. Nur auf einem Fünftel der Strecken (20,8 Prozent) fordern "Blechschilder" Autofahrer zum Einhalten eines Tempolimits auf. Die restlichen Abschnitte (8,8 Prozent) werden durch sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlagen reguliert, welche zum Teil je nach Wetter- und Verkehrlage ein Tempolimit vorgeben.

Gibt es einen Trend zum Tempolimit?

Nein. Zuletzt gab es weniger Autobahnabschnitte mit Tempolimit als in der Vergangenheit. Laut einer BaSt-Veröffentlichung sind die Streckenabschnitte mit dauerhaft oder temporär gültiger Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen 2009 und 2015 um rund ein Fünftel zurückgegangen. Es gibt jedoch einen Trend, dass variable Tempolimit-Anzeigen einer starren Beschilderung vorgezogen werden.

Thema Klimaschutz - wie würde sich ein Tempolimit auf den CO2-Ausstoß auswirken?

Laut einer Berechnung des Bundesumweltamts aus dem Jahr 1999 könnte ein Tempolimit von 120 km/h den CO2-Ausstoß von Autos auf Autobahnen um fast ein Zehntel verringern. In absoluten Zahlen wären das mehr als zwei Millionen Tonnen CO2, die jedes Jahr vermieden würden. Da Autobahnen aber nur einen Teil des Verkehrs abdecken, würde sich der CO2-Ausstoß des gesamten Straßenverkehrs nur um zwei Prozent reduzieren. Und die Auswirkungen auf die gesamte CO2-Produktion Deutschlands wäre noch geringer: ein Minus von gerade mal 0,3 Prozent.

Nimmt der CO2-Ausstoß im Autoverkehr zu oder ab?

In den vergangenen Jahren steigt der durch Autos verursachte Ausstoß des Treibhausgases CO2 laut dem Statistischem Bundesamt kontinuierlich an. Im Jahr 2017 wurden insgesamt rund 115 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen - fast sieben Millionen Tonnen mehr als noch 2010. Grund dafür sind gestiegene durchschnittliche Motorleistungen, mehr Fahrzeuge und auch insgesamt mehr zurückgelegte Kilometer auf deutschen Straßen.

Macht ein Tempolimit Autobahnen sicherer?

Das ist wenig erforscht und gleichzeitig umstritten. Eine Auswertung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates ergab, dass im Jahr 2016 auf Abschnitten mit einem Tempolimit rund 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückten als auf Strecken ohne Begrenzung - gerechnet pro Autobahnkilometer. Im Jahr 2015 lag die Zahl der Toten um 13 Prozent niedriger. Auch bei den Schwerverletzten zeigt sich ein ähnliches Bild: 2016 lag deren Zahl bei einem Tempolimit um 17 Prozent niedriger als auf jenen Strecken ohne Tempolimit. Laut ADAC jedoch lässt sich jedoch kein Zusammenhang zwischen Tempolimits und der Zahl bei Unfällen Getöteter oder Verletzter herstellen.

Sterben auf deutschen Autobahnen mehr Menschen als in anderen europäischen Länder?

Was die Sicherheit auf den Autobahnen angeht, liegt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern im Mittelfeld, wie eine Auswertung des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC) für die Jahre 2011 bis 2013 ergab. Dabei ist Deutschland das einzige europäische Land ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen. Laut ETSC fährt es sich zwar auf Autobahnen in Dänemark und Großbritannien deutlich sicherer als in Deutschland. In Polen hingegen, wo auf Autobahnen ein generelles Tempolimit von 140 km/h gilt, sterben pro gefahrenem Kilometer mehr als doppelt so viele Menschen auf Autobahnen wie hierzulande.

Wie steht die Bevölkerung zu einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates im Jahr 2017 hat ergeben, dass etwas mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer ein generelles Tempolimit auf Autobahnen befürwortet. Jedoch lehnen 47 Prozent der Befragten dies ab. Ein erheblicher Unterschied besteht dabei zwischen den Geschlechtern: Während zwei Drittel aller befragten Frauen für ein generelles Tempolimit sind, teilt nur etwas mehr als ein Drittel der Männer diese Meinung.

Was spricht gegen ein generelles Tempolimit?

In Zeiten ohne hohes Verkehrsaufkommen führt ein generelles Tempolimit zu Zeitverlusten. Dieser Verlust lässt sich etwa anhand pauschaler Zeitkosten auch berechnen. Laut einer Studie der Universität Wuppertal sind die Zeitverluste durch ein moderates Tempolimit jedoch gering und betreffen demnach auch nur geringe Anteile des Gesamtverkehrs, die jedoch mit einem hohen Unfallrisiko verbunden sind. Ein weiteres Argument gegen ein Tempolimit ist die Einschränkung individueller Freiheiten des Bürgers.

Quelle: n-tv.de

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