Schwieriges schwarzes GoldWas der Haken an Venezuelas Mega-Ölvorkommen ist

Das Ölvorkommen Venezuelas gilt als das größte der Welt. Allerdings ist Öl nicht gleich Öl: Ein genauer Blick zeigt, dass die gewaltigen Vorkommen im Orinoco-Gürtel zwar auf dem Papier viel hermachen. Doch die Realität ist komplexer.
Venezuela hat laut der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven. Sie werden auf mehr als 300 Milliarden Barrel veranschlagt. Das ist sogar mehr als Öl-Giganten wie Saudi-Arabien und Iran aufweisen. Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht: Venezuelas Öl-Reichtum existiert bisher vor allem auf dem Papier. Denn der Großteil des Öls dort ist kein einfacher Kandidat.
Es gibt verschiedene Arten von Öl, die vor allem in ihrer Dichte und ihrem Schwefelgehalt unterschieden werden. Öl mit geringer Dichte wird als Leichtöl bezeichnet - es ist in der Regel einfacher zu Benzin und Diesel zu verarbeiten. Öl mit hoher Dichte wird als Schweröl bezeichnet, dessen Verarbeitung aufwendiger ist. Die Dichte wird in Grad API gemessen - alles im Mittelfeld wird als mittleres Öl bezeichnet.
Dazu kommt noch der Schwefelgehalt: Ist er gering, spricht man von "süßem" Öl. Ein hoher Schwefelgehalt macht das Öl jedoch "sauer". Bei der Verarbeitung ist "süßes" Öl im Vorteil, weil es weniger aggressiv gegen technische Anlagen ist - "saures" Öl hingegen muss vor der Verarbeitung aufwendiger entschwefelt werden. Ein weiterer Grund sind die in vielen Ländern geltenden niedrigen Schwefelgrenzen für Kraftstoffe.
Welches Öl gibt es in Venezuela? Anfang des 20. Jahrhunderts wurde unter dem Maracaibo-See im Nordwesten Venezuelas das erste Ölvorkommen entdeckt. Dabei handelt es sich um mittleres und schweres Erdöl. Es begründete den Öl-Boom in dem Land und trug zum zwischenzeitlichen Reichtum Venezuelas bei. Heute macht es jedoch nur etwa 15 Prozent der veranschlagten Mega-Reserven aus.
Zähflüssig wie Teer
Der Großteil des als Reserven genannten Öls ist extraschweres Erdöl im sogenannten Orinoco-Gürtel in der Südhälfte des Landes, einer der größten Schweröl-Ansammlungen weltweit. Das Reservoir liegt relativ flach unter der Erdoberfläche in einer Tiefe von 150 bis 1400 Metern. Allerdings ist das Öl extrem zähflüssig und ähnelt von der Konsistenz eher Teer. Es hat zudem einen hohen Schwefelgehalt, ist also sehr "sauer".
Forscher vermuten, dass die Bildung des Ölvorkommens im Orinoco-Gürtel durch die Kollision zweier tektonischer Platten begünstigt wurde. Gestein aus der Kreidezeit wurde dabei nach unten gedrückt - aus organischem Material bildete sich in der Tiefe Öl. Dieses stieg mit der Zeit wieder in höhere Sandsteinschichten auf. Dort wurden seine leichten Bestandteile vermutlich durch Bakterien abgebaut - zurück blieb ein extrem zähes, metall- und schwefelreiches Restöl.
Hohe technische Anforderungen
Der Geologische Dienst der USA (USGS) schätzt die Gesamtmenge des Öls im Orinoco-Gürtel auf eine Billion Barrel. Allerdings ist das Öl so zähflüssig, dass die Förderung technisch herausfordernd ist: Es muss mit speziellen Pumpen mechanisch an die Oberfläche gefördert werden. Die technisch überhaupt förderbare Menge wird auf 513 Milliarden Barrel geschätzt. Für etwa die Hälfte davon ist das nach Schätzungen wirtschaftlich sinnvoll. Für den Transport muss das Öl zudem künstlich verflüssigt werden, die Verarbeitung zu Benzin und Diesel ist wegen des hohen Schwefelgehalts aufwendig, wofür zudem spezielle Raffinerien notwendig sind.
Für die Förderung dieses extraschweren Öls sind technisches Know-how und Investitionen notwendig, woran es Venezuela zuletzt mangelte. Aus Sicht von Mukesh Sahdev, Gründer und CEO des Energieberatungsunternehmens XAnalysts, sei dieses Öl aufgrund seiner Chemie allerdings kein Produkt, "was die Welt in Zukunft benötigt", wie er gegenüber Bloomberg Television sagte. Und auch mit Blick auf den Klimawandel ist es problematisch: Seine Förderung und Verarbeitung machten Venezuelas Öl "zu einem der schmutzigsten Öle der Welt", sagte Paasha Mahdavi, Professor für Politikwissenschaft an der University of California in Santa Barbara, dem US-Radionetzwerk NPR.