Wissen

"Philae" hat abgekoppelt Was jetzt noch schiefgehen kann

Philae_Grafik.jpg

So soll "Philaes" Landung auf "Tschuri" ablaufen.

(Foto: DLR/ESA)

Es ist ein großer Tag für die Raumfahrt, einige Experten vergleichen die Mission mit der Mondlandung: Ein Landegerät soll auf einem Kometen aufsetzen. "Philae" schwebt bereits auf "Tschuri" hinab. Doch dass die Landung glückt, ist noch nicht gesagt.

Zehn Jahre hat Raumsonde "Rosetta" gebraucht, um den Kometen "Tschuri" zu erreichen. Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer ist der Schweifstern von der Erde entfernt. Nun ist es soweit: Landegerät "Philae" hat von "Rosetta" abgekoppelt und schwebt auf seinen Landeplatz auf dem Kometen zu. Um 17 Uhr MEZ wird das Signal von seiner Ankunft im Lander Control Center (LCC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln erwartet. Der Moment wird mit größter Spannung erwartet. Denn noch kann bei der Landung einiges schiefgehen:

Ganz akut betrifft das eine Düse, die das Landegerät bei seiner Ankunft auf den Kometen drücken soll. Diese Düse ließ sich in der Nacht zum Mittwoch nicht aktivieren. Was das bedeutet? Die Anziehungskraft des Kometen "Tschuri" ist nicht groß. Daher ist ein Anpressdruck nötig, der verhindert, dass "Philae" nach dem ersten Aufsetzer wie ein Flummi zurückhüpft. Genau das kann nun also geschehen. Besonders groß ist diese Gefahr in dem Moment, da "Philae" Harpunen losschießt, um sich im Kometenboden festzuzurren. Der Impuls könnte bewirken, dass sich der Lander quasi vom Boden abstößt und somit wieder vom Kometen entfernt. Das LCC aber setzt nun darauf, dass sich die Harpunen schnell genug verankern - eben bevor "Philae" womöglich schon wieder zu weit weg ist. "Wir müssen uns jetzt beim Touchdown voll auf die Harpunen verlassen", sagt Stephan Ulamec, Philae-Projektleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Antenne unten, Beine oben: das Aus der Mission

Doch selbst wenn besagter Anpressdruck funktionieren würde, wäre die Landung noch Glückssache. "Was wir überhaupt nicht können, sind Bahnkorrekturen beim Absinken auf den Kometen", sagt Ulamec. Denn "Philae" ist nicht steuerbar. Das heißt, dass sich nichts dagegen tun lässt, dass der Lander womöglich mit einem seiner Füße auf einem Gesteinsbrocken aufsetzt. Dann kann er umkippen. Die anvisierte Landefläche ist etwa einen Quadratkilometer groß. "Auf diesem Gebiet ist zwar viel flaches Gelände", sagt Ulamec. "Deswegen haben wir es ausgewählt. Aber es gibt einen gewissen Prozentsatz des Gebiets, wo es steile Hanglagen oder einige Brocken gibt." Setzt "Philae" am Hang auf, kann er sogar purzeln. Was dann passiert? "Landet er mit den Beinen nach oben und den Antennen nach unten, können wir nicht mit ihm kommunizieren." Konkret würde das bedeuten: Die Mission ist beendet. Sie hat insgesamt rund eine Milliarde Euro gekostet.

Läuft alles nach Plan, steht das Ende erst im Dezember 2015 an. Dann nämlich wird es "Philae" zu heiß, denn Komet "Tschuri" rast mit ihm Richtung Sonne. "Philae" wird also an Überhitzung zugrundegehen. Raumsonde "Rosetta" aber, die "Philae" so weit gebracht hat, kreist voraussichtlich weiter um den Kometen. Die Daten, die "Philae" schickt, werden die Wissenschaftler dann noch Jahre beschäftigen.

Quelle: ntv.de, asc