Wissen

Wasser sucht sich seinen Weg Wie entstehen solche Überschwemmungen?

b143dad8eda838c29d127b46397b5523.jpg

Feuerwehrleute pumpen Wasser von der "Pörlitzer Höhe" in Ilmenau (Thüringen).

(Foto: dpa)

Hochwasser mit Überschwemmungen sind auch in Deutschland ein relativ normales Naturereignis, das zu allen Jahreszeiten auftreten kann. Überflutungen, die Menschenleben fordern und Sachschäden in Millionenhöhe verursachen, sind dagegen eher die Ausnahme, kommen aber immer häufiger vor. Um Schäden in Zukunft vorzubeugen, machen sich Experten auf Ursachensuche. Hier eine Übersicht:

Starkregen

Darunter versteht man große Mengen Regen, die in kurzer Zeit fallen. In Deutschland spricht man von Starkregen, wenn mehr als fünf Liter pro Quadratmeter in fünf Minuten oder mehr als 17 Liter pro Quadratmeter pro Stunde fallen. Fallen solche Wassermassen an, dann treten Flüsse und Bäche über die Ufer und es kommt zu Überschwemmungen. Starkregen (der in Deutschland normalerweise nur kurze Zeit anhält), der mehrere Stunden oder sogar Tage dauert, kann sogar zu flutartigen Überschwemmungen führen, die schlagartig alles mit sich reißen und große Verwüstungen anrichten. Solch ungewöhnlich starke Niederschläge kommen in Deutschland inzwischen doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Sie treten vor allem im Frühling auf und könnten ein Symptom der Erderwärmung sein, denn warme Luft kann auch mehr Feuchtigkeit halten – und letztlich zu mehr Regen führen. Im Frühling kann aber auch die Schneeschmelze zu Überschwemmungen in Tälern führen.

Vernichtung der Abflussgebiete/Auen

Überschüssiges Wasser (Hochwasser) wird in flussnahen Gebieten auf natürliche Weise in der Landschaft gespeichert und in trockenen Zeiten (Niedrigwasser) wieder an den Fluss abgegeben. Diese Art natürlicher Überflutungsfläche wird Aue genannt und gilt als wirksamer Hochwasserschutz - solange sie nicht bebaut ist. Darauf wurde in Deutschland jahrzehntelang nicht geachtet. Rund 80 Prozent, so schätzt der WWF Deutschland, sind durch Bebauung als natürliche Überflutungsflächen verlorengegangen. Da immer mehr Menschen auf diesen Flächen leben, sind die Schäden durch Hochwasser zahlreicher und oftmals auch schwerwiegender.

Boden- und Flächenversiegelung

Mit diesem Begriff ist die Bebauung und Versiegelung des natürlichen Bodens durch Straßen, Plätze, Wege und Bauwerke gemeint. Klar ist, dass an diesen Stellen der Boden kein Regenwasser mehr aufnehmen und auch nicht mehr als Puffer dienen kann. Zudem fließt das Wasser vor allem auf befestigten Straßen und Plätzen an der Oberfläche schneller ab. Wie stark die Flächenversiegelung in Zusammenhang mit Überflutungen gebracht werden kann, ist unter Experten umstritten, da bei Überschwemmungen schnell auch die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens erreicht ist. Fakt ist aber, dass durch Flächenversiegelung Regenwasser schneller in die Kanalisation und von dort auch schneller in die Flüsse gelangt als wenn es auf einer unbebauten Fläche zunächst im Boden versickert und zum Grundwasser fließt.

Flussbegradigung

Flusswasser fließt direkt zum Meer. Dabei ist das natürliche Flussbett alles andere als schnurgerade. Es windet sich auf der Suche nach dem Weg des geringsten Widerstandes. Durch sogenannte Flussbegradigungen wird das Wasser in ein unnatürliches Flussbett "gezwungen". Das hat zur Folge, dass das Wasser schneller fließt und der Fluss an Länge und Breite verliert. Flussbegradigungen werden vor allem durchgeführt, um das Gewässer für die Schifffahrt nutzbar zu machen oder auch zur Landgewinnung. Ein begradigter Fluss kann keine ausgleichenden Mäander, also Flussschlingen, mehr bilden und auch nicht aus sich heraus breiter werden. Dazu kommt, dass die Ufer von begradigten Flüssen ihre Rauheit verloren haben. Natürliche, vegetationsreiche Flussufer dagegen bremsen die Fließgeschwindigkeit des Wassers.

Letztendlich gibt es für zerstörerische Überschwemmungen nicht nur eine Ursache. Im Öko- und Wassersystem wirken immer verschiedene Faktoren zusammen. Mehrere aus menschlicher Sicht ungünstige Faktoren können sich summieren und schlussendlich zu einem Naturphänomen mit gewaltiger Kraft werden. Die Eingriffe des Menschen in die Natur könnten dabei das Zünglein an der Waage sein.

Quelle: ntv.de, jaz

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.