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Feuerkugel über WestdeutschlandWie hoch ist das Risiko eines Meteoriteneinschlags?

09.03.2026, 14:50 Uhr RTL01903-2Von Kai Stoppel
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Ein Meteorit trifft ein Haus in Koblenz - und landet im Schlafzimmer. Verletzt wird niemand, doch das Ereignis sorgt für Aufsehen. Wie häufig sind solche Einschläge, und wie hoch ist das Risiko? ntv.de fragt einen Meteoriten-Experten.

Erst eine Feuerkugel am Himmel, schließlich schlägt ein Meteorit in Koblenz in ein Hausdach ein. Der Brocken landet im Schlafzimmer - verletzt wird zum Glück niemand. Das Himmelsphänomen, Meteor genannt, konnte über Westdeutschland sowie in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und bis in die Schweiz beobachtet werden. Es entsteht, wenn Objekte aus dem All mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten. Erreichen sie den Boden, spricht man von einem Meteoriten.

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In Koblenz gefundenes Meteoriten-Fragment. (Foto: www.imago-images.de, IMAGO/5VISION.NEWS)

Wie groß ist das Risiko für Meteoriteneinschläge in Deutschland? Dieter Heinlein aus Augsburg ist Meteoriten-Spezialist des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Ich würde sagen, dass das Risiko sehr, sehr klein ist", sagt der Experte gegenüber ntv.de. In den vergangenen 80 Jahren seien in Deutschland lediglich drei Fälle bekannt geworden, bei denen Meteoriten Dächer trafen: 1962 in Kiel, im Jahr 2023 in Elmshorn und jetzt in Koblenz.

Kann man auf die Erde stürzende Meteoriten nicht vorhersagen? "Solche Ereignisse kommen in der Regel völlig überraschend", sagt Heinlein. Diese Objekte seien sehr klein, vielleicht so groß wie ein Basketball oder ein Gymnastikball. "Sie sind sehr lichtschwach und man kann sie erst kurz vor dem Einschlag sehen." Weltweit gebe es ungefähr 1300 beobachtete Meteoritenfälle, aber nur bei drei davon seien die Objekte zufällig durch Aufnahmen im Weltraum schon vorher entdeckt worden, so der Experte.

Größere Schäden sehr selten

Wie groß das Objekt war, welches den Meteor über Westdeutschland verursacht hat, könne man derzeit noch nicht sagen, so Heinlein. Man wisse noch nicht, wie viel Material insgesamt den Boden erreicht habe. Erst die Auswertung der Videoaufnahmen werde zeigen, wie schwer und wie groß das Objekt am Ende war. Heinlein nimmt jedoch an, dass es größer war als jenes, das 2023 in Elmshorn auf die Erde traf - damals wog das größte gefundene Fragment etwa vier Kilogramm. Es galt damals als das schwerste gefundene Meteoritenstück seit rund 100 Jahren in Deutschland.

Größere Schäden durch auf die Erde stürzende Himmelskörper sind sehr selten. Eine Ausnahme war der Meteor von Tscheljabinsk 2013: Ein 17 bis 20 Meter großer Asteroid war damals über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk in der Erdatmosphäre explodiert - mit der Energie von etwa 30 Hiroshima-Atombomben. Die gewaltige Druckwelle zerstörte in rund 7000 Gebäuden Fensterscheiben und ließ teilweise Dächer einstürzen. Etwa 1500 Menschen wurden verletzt, zumeist durch umherfliegende Glassplitter.

Brocken wie der von Tscheljabinsk stürzen nach Schätzungen von Forschern im Schnitt etwa alle 50 bis 100 Jahre auf die Erde. Noch größere Objekte sind noch seltener - wie jenes, das 1908 über Sibirien explodierte: Das sogenannte Tunguska-Ereignis setzte damals eine Energie von 1000 Hiroshima-Bomben frei und ist das stärkste bekannte Impaktereignis in der modernen Geschichte. Die Häufigkeit wird auf mehrere 100 Jahre geschätzt.

Quelle: ntv.de

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