UN-Daten zur WeltbevölkerungWie sich die Welt bis 2080 verändert
Von Gregor Rittelmeyer und Martin Morcinek (Daten) 
Nie zuvor lebten so viele Menschen gleichzeitig auf der Erde - und es werden täglich mehr. Die Weltbevölkerung schwillt UN-Daten zufolge weiter an, entwickelt sich regional jedoch höchst unterschiedlich. Deutschland schrumpft, andere Länder legen stark zu. Die heftigste Prognose betrifft China.
Die Vorhersage der Vereinten Nationen zur Entwicklung der weltweiten Einwohnerzahlen verheißt eine Zukunft mit mehr Menschen, größeren Städten und grundlegend veränderten Lebensbedingungen: In den kommenden Jahrzehnten wird die Anzahl der Menschen von aktuell rund 8,232 Milliarden weiter wachsen, wie die UN-Statistiker in ihrer neuesten Schätzung zum alljährlichen Weltbevölkerungstag mitteilten. Der Höhepunkt des Wachstums ist demnach erst Mitte der 2080er Jahre zu erwarten. Dann dürften den UN-Daten zufolge voraussichtlich mehr als 10,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben.
Der Internationale Tag der Weltbevölkerung geht auf den 11. Juli 1987 zurück: An jenem Tag hatte die Menschheit die Marke von fünf Milliarden überschritten. Seitdem fallen die Milliardenmarken immer schneller. Von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis zur ersten Milliarde um das Jahr 1800 waren mehrere Hunderttausend Jahre vergangen. In den 1920er Jahren lebten Schätzungen zufolge bereits zwei Milliarden Menschen auf der Erde. Bis zur Drei-Milliarden-Marke um das Jahr 1960 dauerte es nur noch 33 Jahre. Mitte der 1970er Jahre war nach 14 weiteren Jahren bereits die Vier-Milliarden-Schwelle erreicht.
Die Intervalle werden kürzer, die Schätzungen aufgrund verbesserter Meldedaten immer präziser: Von 1960 bis 1999 verdoppelte sich die Weltbevölkerung von drei auf sechs Milliarden. Im Herbst 2011 erblickte der siebenmilliardste Mensch die Welt. Und im November 2022 wurde die Acht-Milliarden-Marke geknackt. Wann die Menschheit die Schwelle zur Anzahl von neun Milliarden erreicht, ist noch offen. Das scheinbar ungebremste Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt.
Wie aus den Daten der UN-Abteilung für Demografie und Bevölkerungsforschung hervorgeht, legen insbesondere die Einwohnerzahlen in den bisher bevölkerungsreichsten Ländern Indien und China längst nicht mehr so stark zu wie bisher. Mit zunehmendem Wohlstand, Industrialisierung und Verstädterung nehmen die Geburtenraten dort ab. Die Wachstumsdynamik verlagert sich in andere Weltregionen. Hohe Geburtenziffern - statistisch gemessen an der durchschnittlichen Anzahl an Kindern je Frau - verzeichnen die Experten der Vereinten Nationen derzeit vor allem in Ländern südlich der Sahara.
Jüngsten UN-Schätzungen zufolge könnte Afrika bis 2100 um etwa 2,6 Milliarden Menschen wachsen. Während das Bevölkerungswachstum in China und Indien zum Stillstand kommt und sich die Einwohnerzahlen in Europa, Japan und Nordamerika tendenziell eher rückläufig entwickeln, dürften die Länder südlich der Sahara dann demnach fast im Alleingang die Wachstumstreiber bleiben.
Die Bevölkerungsentwicklung im Subsahara-Staat Niger zeigt das exemplarisch: 1950 lebten dort 2,5 Millionen Menschen, 1987 waren es 7,5 Millionen, für 2025 wird die Einwohnerzahl bereits auf 27,9 Millionen geschätzt. Das Land gehört zu den Ländern, die laut UN-Schätzung bis mindestens 2054 nicht nur stark wachsen, sondern ihre Bevölkerung bis dahin sogar verdoppeln werden. Ähnliche Bedingungen gelten in den schon jetzt weitaus bevölkerungsreichen regionalen Nachbarn wie Nigeria, Äthiopien oder dem Kongo.
Besonders auffällig: Viele afrikanische Staaten weisen nicht nur die weltweit höchsten Geburtenraten auf, sondern auch eine außergewöhnlich junge Bevölkerung. In Niger zum Beispiel liegt der Altersdurchschnitt bei lediglich 18 Jahren. Beeindruckend ist auch der Bevölkerungsanteil der Kinder. In den Ländern mit außergewöhnlich starkem Wachstum gibt es - auch bedingt durch eine niedrigere Lebenserwartung - durchgehend auch den größten Prozentsatz an Minderjährigen. Am höchsten ist der Anteil der Kinder an der Gesamtbevölkerung in der Zentralafrikanischen Republik: Fast die Hälfte der Einwohner dort ist unter 15 Jahre alt. Die Mehrheit der Menschen in den Staaten südlich der Sahara ist deutlich jünger als der weltweite Durchschnitt, der bei 31 Jahren liegt.
In Europa hingegen bewegt sich der Altersdurchschnitt deutlich darüber. In Deutschland etwa ist der Durchschnittsmensch laut UN-Berechnung 45,5 Jahre alt. Die Lebensbedingungen sind freundlicher, die allgemeine Lebenserwartung deutlich höher - entsprechend hoch ist auch der Anteil der älteren Bevölkerung. Der deutsche Kinderanteil wirkt niedrig: Aktuell sind nur 13,9 Prozent der Deutschen unter 15 Jahre alt. Die Bevölkerung wächst hierzulande deutlich langsamer. Die Geburtenrate lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 1,32 Kindern pro Frau. Zum Vergleich: In Niger liegt sie bei 5,8 Kindern pro Frau.
Von einer stabilen Einwohnerzahl ist Deutschland weit entfernt: Dafür wäre laut Bevölkerungsforschung - weitere Faktoren wie etwa Wanderungsbewegungen hier unberücksichtigt - eine Geburtenrate von etwa 2,1 Kindern pro Frau erforderlich. Seit den 1960er Jahren bewegt sich das allgemeine Geburtenaufkommen in Deutschland darunter. Experten des Statistischen Bundesamts warnen seit Längerem vor einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung: Mit den Auswirkungen des demografischen Wandels und der Überalterung dürften bis zum Jahr 2070 knapp zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland leben - mit allen Folgen für Arbeitsmarkt, Kommunalplanung und Wirtschaft.
Die Veränderungen der kommenden Jahre betreffen Deutschland jedoch nicht alleine. In insgesamt 63 Weltregionen gehen die UN-Bevölkerungsforscher von sinkenden Einwohnerzahlen aus. Die womöglich größten Umbrüche sagen die UN-Statistiker für die Volksrepublik China voraus: Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die einst wachstumsstärkste Region der Welt mehr als die Hälfte seiner aktuellen Einwohnerzahl verlieren.