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Seit 1996 ist Norbert Elgert Jugendtrainer beim FC Schalke 04.
Seit 1996 ist Norbert Elgert Jugendtrainer beim FC Schalke 04.(Foto: imago/Revierfoto)

Veredler Elgert sucht "etwas Neues": Schalke verliert seinen Weltmeister-Macher

Vier Weltmeister stammen aus der Kaderschmiede von Schalke 04. Erheblichen Anteil daran hat Norbert Elgert. Der Jugendtrainer ist die größte sportliche Konstante der Königsblauen. Doch nun kündigt das Urgestein an, den Klub nach über 20 Jahren zu verlassen.

Norbert Elgert war selbst überrascht, welche Wellen seine Worte schlugen. "Ich muss einfach mal was Neues machen", hatte der Jugendtrainer von Schalke 04 am Rande eines Spiels seiner U19 erklärt - eine folgenschwere Ankündigung. Der Goldschmied der Königsblauen, der die Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Julian Draxler, aber auch zahlreiche andere Bundesligaspieler formte, geht nach über 20 Jahren.

Zur Person: Norbert Elgert

Norbert Elgert wurde am 13. Januar 1957 in Gelsenkirchen geboren.

Als Aktiver trat er für folgende Vereine vor den Ball: FC Schalke 04 (1975), Westfalia Herne (1975 -1978), FC Schalke 04 (1978 – 1982), VfL Osnabrück (1982), SG Wattenscheid (1982 -1985), SuS 09 Dinslaken (1985 – 1990);

Seine Stationen als Trainer: SV Schermbeck (1990 – 1992), SuS 09 Dinslaken (1993) SG Wattenscheid 09 U19 (1993 – 1995), FC Rhade (1995 – 1996), FC Schalke 04 U19 (1996 – 2002), FC Schalke 04 (Co-Trainer 2002 – 2003), FC Schalke 04 U19 (seit 2003);

Das sagt Norbert Elgert über sich selbst: „Ich bin auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft.“

"Einen Veredler wie ihn gibt es in Deutschland wohl kein zweites Mal", sagt Schalkes Nachwuchskoordinator Oliver Ruhnert über den 59-Jährigen, der seit 1996 aus Talenten Stars macht. Leroy Sané, das jüngste Juwel aus der "Knappenschmiede", meint, Elgerts Abgang "wäre ein großer Verlust". In den sozialen Medien bedauern viele Fans dessen Entscheidung.

Seinen Vertrag bis 2018 will Elgert noch erfüllen, "dann ist Zeit für etwas Neues". Angeblich hat Bayern München bereits die Fühler ausgestreckt. Die Nachwuchsabteilung des Rekordmeisters liegt am Boden, der Wiederaufbau ist Chefsache, Uli Hoeneß hat sich ihrer angenommen. Elgert, 2013 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Trainer des Jahres ausgezeichnet, dreimal mit der Schalker U19 deutscher Meister, zweimal DFB-Pokalsieger, einmal Uefa-Youth-League-Halbfinalist, wäre dafür der ideale Mann.

Sportliche Konstante auf Schalke

Schalke verliert seine größte sportliche Konstante. Während Elgert jahrein, jahraus den Talenten auf Schalke den letzten Schliff gab, wechselten sich bei der Profimannschaft 21 (!) Trainer ab. Er erlebte vier Manager und haderte das eine oder andere Mal mit den Schalker Verantwortlichen. Vor allem die Zusammenarbeit mit Ex-Trainer Roberto Di Matteo gefiel ihm überhaupt nicht: "Wenn ich so wenig Unterstützung vom Verein erhalte, weiß ich nicht, ob ich noch der richtige Mann für Schalke bin."

Das Angebot, selbst die Profis zu übernehmen, lehnte er mehrmals ab. Die Welt der millionenschweren Ich-AGs wäre wohl auch nichts für den gelernten Schornsteinfeger, der von Starallüren überhaupt nichts hält. Das bekam auch schon Sané zu spüren. Als er nach einem Champions-League-Spiel zurück zu den A-Junioren kam, wechselte Elgert ihn früh aus und klagte: "Unsere Spieler werden brutal überschätzt und zu sehr gehypt."

Elgert vermittelt Werte wie Respekt, Demut, Dankbarkeit, Loyalität - die Millionensummen, die für Spieler gezahlt werden, sind ihm ein Graus. Dabei hat er mit seiner Arbeit ein Geschäftsmodell geschaffen, das Schalke nicht nur sportlich, sondern auch finanziell stärkt. Allein die Verkäufe von Neuer und Draxler spülten 70 Millionen Euro in die Kasse des hochverschuldeten Klubs.

Der Verein verliert mit ihm auch ein Schalker Original. Der gebürtige Gelsenkirchener, einst Stürmer der Königsblauen, ist "auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft", wie er selbst sagt. Er sei nicht nur Jugendspieler und Profi gewesen, nicht nur Angestellter des Vereins, "sondern auch großer Fan von Schalke 04". Kein Wunder, dass sein Abschied vielen schwerfällt.

Quelle: n-tv.de

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