Panorama

Neue Klinik, mehr Betten Was Großstädte gegen Covid-19 planen

Besonders die Zahl der Intensivbetten ist in dieser Epidemie wichtig.

Mit steigenden Ansteckungszahlen werden in den Krankenhäusern mehr Patienten erwartet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Berlin will auf dem Messegelände eine Klinik speziell für Covid-19-Patienten bauen. Damit reagiert die Hauptstadt auf die immer größer werdende Zahl der Erkrankten. Was ist geplant und wie handhaben andere Städte die knappen Betten-Kapazitäten? ntv.de klärt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo soll die neue Klinik in Berlin entstehen?

Das neue Krankenhaus wird auf dem Messegelände im Berliner Westen entstehen und rund 1000 Betten für Covid-19-Patienten bieten. Es soll ergänzend und ausschließlich zur Vermeidung eines realen Engpasses genutzt werden. Nach Angaben von Gesundheits-Senatorin Dilek Kalayci sollen dort leicht Erkrankte "mit der Notwendigkeit der stationären Versorgung" sowie Notfallbeatmungspatienten versorgt werden. Man rechne nicht damit, sofort diese Art Kapazitäten zu benötigen, sagte Kalayci. Die Verwaltung erklärte außerdem, dass die Bundeswehr am Bau der neuen Klinik beteiligt sein wird. Welche Messehalle genutzt werden soll, ist aber noch unbekannt. Albrecht Broemme, ehemaliger Landesbranddirektor und THW-Präsident, ist der Projektleiter für das Bauvorhaben. Er rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem Monat, wie er gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte.

Warum hat sich Berlin dazu entschlossen?

Allein in Berlin gibt es aktuell mehrere Hundert bestätigte Fälle von Covid-19. Aufgrund der deutschlandweiten schnellen Ausbreitung des Virus und der Dunkelziffer ist ein weiterer Anstieg der Fallzahlen sehr wahrscheinlich. Schon jetzt sind Arztpraxen und Krankenhäuser bundesweit durch die hohe Zahl der ankommenden Patienten stark frequentiert. Aus diesem Grund wollen Bund und Länder ihre Betten-Kapazitäten ausbauen, um der Epidemie zu begegnen.

Gibt es bereits neue Covid-19-Kliniken in Deutschland?

*Datenschutz

Nein, bislang gibt es keine Kliniken, die extra für die Covid-19-Patienten geschaffen worden sind. Aktuell gibt es nur Krankenhäuser und Institutionen, die Extra-Bereiche für Coronavirus-Verdachtsfälle ausweisen. In Berlin haben beispielsweise mehrere Krankenhäuser spezielle Anlaufstellen errichtet, die sich um die ersten Tests der Verdachtsfälle kümmern.

Was tun andere Großstädte, um die Kapazitäten zu erhöhen?

Bund und Länder haben bereits vereinbart, dass sie die Zahl der verfügbaren Intensiv-Betten in Deutschland verdoppeln wollen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt es aktuell 28.000 Intensiv-Betten und 25.000 Beatmungsmöglichkeiten. "Die Möglichkeiten einer maschinellen Beatmung von Covid-19-Patienten hat sich in schwer betroffenen Ländern wie China und Italien als das Nadelöhr in der aktuellen Pandemiesituation gezeigt", erklärte Christian Karagiannidis, Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim. "In den Krankenhäusern ist mit einem steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen zu rechnen", erklärte auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler.

Ein spezielles Coronavirus-Krankenhaus wie in Berlin ist in anderen großen Städten - zumindest jetzt - nicht geplant. Die Stadt Köln erklärt auf Anfrage von ntv.de, dass sie ihr bestehendes Gesundheitssystem ausweiten werde, ein spezielles Krankenhaus für Covid-19-Erkrankte sei derzeit aber nicht geplant. In München sieht man aktuell genügend Kapazitäten: "In München ist derzeit nichts Weiteres geplant. Die Stadt ist sehr gut aufgestellt", sagt eine Sprecherin im Gespräch mit ntv.de. Aber die Lage könne sich natürlich auch täglich ändern, heißt es weiter.

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es, um die Betten-Anzahl in Deutschland zu erhöhen?

Um Kliniken zu entlasten, die sich auf den Aufbau von Intensivkapazitäten konzentrieren, müssten an anderen Kliniken und gegebenenfalls provisorischen weiteren Standorten wie Hotels oder umgerüsteten Hallen zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten aufgebaut werden. Das geht aus einem Grobkonzept zur Infrastruktur der Krankenhäuser hervor. Danach sollen unter anderem Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größere Hallen umgerüstet werden, um dort die zahlreichen leichteren Behandlungsverläufe zu versorgen. Notfalls sollen dazu Deutsches Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk oder auch andere Dienste herangezogen werden.

Weiterhin heißt es: "Alle Kliniken und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten ihre Lagerbestände, Altbestände und 'Keller' durchforsten nach Gerät (Betten, Liegen, EKGs, Beatmung etc.), das im Fall der Fälle genutzt werden kann." Die Verfasser des Konzepts legen außerdem nahe, auch Medizinstudenten höherer Semester in die Klinik-Personalplanung mit einzubeziehen, um das vorhandene Personal zu unterstützen.

Quelle: ntv.de