Alltag statt LeidenschaftAlfa Romeo Tonale Ibrida Plug-in 270 Q4 - zum Sportwagen fehlt ihm was

Die jüngste Modellpflege des Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid verspricht mehr Dynamik und einen sportlicheren Auftritt. Was kommt von diesem Versprechen auf der Straße an? Der Tonale zeigt sich komfortabel und alltagstauglich. Doch die E-Reichweite ist gering, er lädt nur langsam und ist teuer.
Als der Tonale mit Plug-in-Hybridmotor Anfang 2023 auf den Markt kam, markierte er für Alfa Romeo gleich mehrere Premieren. Er war nicht nur das erste teilelektrische Serienmodell der Marke, sondern zugleich auch die stärkste Variante der Baureihe. Nach der jüngsten Modellpflege trägt er die Bezeichnung 270 Q4 und leistet laut Datenblatt nur noch 197 kW/268 PS statt der anfänglichen 280 PS. Bei der Optik hat er dagegen nachgelegt. Neu sind unter anderem das überarbeitete Scudetto mit Querstreben, das sich optisch am Supersportwagen 33 Stradale orientiert, sowie einige Detailänderungen bei Ausstattung und Fahrwerk.
An der grundsätzlichen Technik hat Alfa dagegen wenig verändert. Vorn arbeitet weiterhin ein 1,3-Liter-Turbobenziner mit 110 kW/150 PS. An der Hinterachse sitzt ein 90 kW/122 PS Elektromotor und sorgt damit für Q4 - also für Allradantrieb.
Verbrenner muss fast nie einspringen
Zumindest die ersten Kilometer durch die hügelige Landschaft um Parma verlaufen nahezu lautlos. Der Tonale startet immer im Elektromodus und gleitet leise surrend durch die kleinen Ortschaften der Emilia-Romagna, beschleunigt spontan aus Kreisverkehren heraus und wirkt im Alltag angenehm souverän. Der E-Motor ist so stark, dass der Verbrenner fast nie helfend einspringen muss. Gerade im unteren Geschwindigkeitsbereich spielt der Stromer seine Stärken aus. Wo die Version mit Mildhybridantrieb oft erst kurz überlegt, schiebt der Stecker-Tonale unmittelbar an.
Seine Batterie speichert 15,5 kWh Energie, davon sind 12 kWh nutzbar. Das reicht für bis zu 67 Kilometer. Theoretisch. Denn schon nach wenigen Minuten ist klar: In der Praxis schrumpft die Reichweite viel schneller als versprochen. Und die Ladeleistung von nur 7,4 kW verhindert, dass bei einem kurzen Etappenstopp die Batterie schnell nachgeladen wird. Den Akku auf 100 Prozent zu bringen, dauert mindestens 2,5 Stunden. Wirklich zeitgemäß ist das nicht. Cupra Formentor, BMW X1 oder Volvo XC60 haben alle einen größeren elektrischen Radius und docken teilweise sogar am Schnelllader an
Nun wird die Straße kurviger und bergiger. Jetzt beginnt die eigentliche Bewährungsprobe. Die Lenkung arbeitet erfreulich direkt und präzise. Auch die Traktion auf den vom nächtlichen Gewitter noch feuchten Straßen überzeugt. Dabei profitiert der Tonale von der elektrischen Unterstützung der Hinterachse. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven überträgt der elektrische Allradantrieb die Kräfte sauber auf die Straße. Wo reine Fronttriebler an der Vorderachse zerren, bleibt der Q4 gelassen.
Schweres SUV
Sein hohes Gewicht kann der Wagen allerdings nicht überspielen. Rund 1,9 Tonnen sind für ein 4,52 Meter kurzes SUV eine Ansage. Keine Frage, der Tonale fährt sicher und komfortabel. Doch bei schnellen Richtungswechseln fehlt ihm die Leichtigkeit, die man beispielsweise vom größeren Bruder Stelvio kennt.
Längst ist der Akku des Tonale leer, weshalb der SUV die nächsten Kilometer im Hybridbetrieb fährt. Immer wieder springt nun der Verbrenner unauffällig an, nur um gleich abermals dem E-Motor für ein paar Meter den Antrieb zu überlassen. Dabei arbeitet die Sechsstufen-Automatik unaufgeregt, wenn auch nicht besonders schnell. Der Antrieb passt damit besser zum komfortablen Charakter des Tonale als zu ambitionierter Kurvenhatz.
Mehr Spaß als erwartet, aber kein Sportwagen
Der Alfa macht zwar mehr Spaß als erwartet, ein Sportwagen ist er trotzdem nicht. Dafür fehlt es an Emotionalität und am Sound. Der Vierzylinder bleibt akustisch zurückhaltend und die Fahrleistungen fühlen sich nicht nach knapp 270 PS an, auch wenn er in 6,6 Sekunden auf 100 km/h sprintet. Vor allem in schneller gefahrenen Kurven kann der Tonale sein hohes Gewicht nicht kaschieren. Daran ändert auch die etwas breitere Spur wenig, die er beim Facelift im vergangenen Herbst bekam.
Zu selbstbewussten Preisen ab 52.300 Euro (Spring) bietet der Tonale in dieser Version damit zwar ein recht dynamisches Fahrerlebnis, seine Prioritäten setzt er aber anders als klassische Modelle der Marke: weniger Leidenschaft - mehr Alltag. Das muss kein Nachteil sein, sollte der Interessent aber bedenken.
Alfa Romeo Tonale Ibrida Plug-in 270 Q4 - technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse
Länge: 4,52 Meter, Breite: 1,83 Meter (mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,61 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 385-1.430 Liter
1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 270 Nm bei 1800 U/min, E-Motor: 90 kW/122 PS; Systemleistung: 197 kW/268 PS, 6-Gang-Automatik, 0-100 km/h: 6,6 s, Vmax: 195 km/h, Normverbrauch: 3,7 l/100 km + 12,7 kWh/100 km, C02-Ausstoß: 83 g/km, Akkugröße: 15,5 kWh (nutzbar: 12,0 kWh), elektrische Reichweite: 67 km (WLTP), Ladeleistung: 7,4 (AC), Ladedauer 0-100 Prozent: 2,5 Std.
Preis: ab 52.300 Euro (Sprint)