Hybrid oder ElektroBMW i7 M70 und M760e xDrive im Vergleich - welcher ist besser?
Von Patrick Broich
Aktuell wird viel diskutiert, ob man zum batterieelektrischen Fahrzeug oder doch lieber zum Hybrid greifen soll. Wie sieht es eigentlich in der Oberklasse aus? ntv.de hat den BMW i7 M70 mit dem M760e xDrive verglichen. Welchen nehmen?
Derzeit diskutiert die Autowelt heiß, ob es lieber Hybrid oder Elektro sein soll - mit dem Ergebnis, dass die Verbraucher verunsichert sind. Nun, es kommt natürlich immer auf Segment und Nutzungsprofil an. Bei Sportwagen ist es wohl schwierig mit elektrischen Antrieben, dafür gibt es viele Beispiele. Lamborghini vermeldet gerade, sein elektrisch angetriebenes Projekt zu stoppen. Warum? Keine Emotion!
Und in der Oberklasse? Hier wird es spannend, denn einerseits soll der Antrieb in diesem Segment maximal leise und ruhig sein, andererseits handelt es sich jedoch um eine teure Liga, in der die Kunden auch eine gewisse Faszination für Technik mitbringen. Und da kann ein komplexer Verbrenner punkten.
Nun hat BMW für die Baureihe G70 ja zunächst den begehrten Achtzylinder gekappt, das gilt jedenfalls für Europa. In diese Sache könnte allerdings künftig wieder Bewegung kommen. Verbrennerfans mit Lust auf das M-Label (den funktionalen Diesel gibt es weiterhin) müssen derzeit mit dem M760i xDrive vorliebnehmen - oder mit einem elektrischen Antrieb.
Schaut man bei der BMW-Siebener-Reihe in die Topliga, müsste es der i7 M70 xDrive sein. Und diesen preisen die Münchener ziemlich selbstbewusst ein mit 182.400 Euro. Uff. Der Plug-in-Hybrid aus der M-Performance-Riege mit der Bezeichnung M760e xDrive ist mit mindestens 149.700 Euro jedenfalls in der Höhe eines gut ausgestatteten kompakten Fahrzeugs günstiger - aber dennoch gleich attraktiv oder gar noch begehrter? Und das ist ja genau die Frage, die im Raum steht.
Aber da der Siebener in der letzten Ausbaustufe sowieso stark in Richtung Komfort tendiert, könnte ein lautloser Antrieb ja auch das Gebot der Stunde sein? Zumindest ist er ein Versprechen, die Nackenmuskeln ziemlich zu strapazieren. Volllast an der Ampel sollte man seinen Mitfahrern jedenfalls nicht ohne vorherige Absprache antun. Mit 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h liegt der Doppelmotorer auf Supersportler-Level, aber lange an der Höchstgeschwindigkeit zu operieren, mag er weniger und drückt das in Form von spürbarer Leistungsabnahme aus. Und wenn die vollen 659 PS Spitzenleistung nicht immer in voller Höhe garantiert werden können, ist das in dieser Preisklasse eben ein Thema - Elektroauto hin oder her. Porsche kann es schließlich auch. Dennoch ist dieser Punkt sicherlich nicht für jedermann relevant. Aber man sollte ihn im Hinterkopf behalten.
Auch der Plug-in-Hybrid performt nicht immer maximal
Allerdings ist auch beim M760e nicht immer garantiert, über die angegebenen 571 PS dauerhaft verfügen zu können - denn der 197 PS starke Stromer gibt seine Power keineswegs dauerhaft ab. BMW fährt hier die Strategie, dass man den Plug-in-Hybrid gefälligst laden solle. Unterwegs möge die Energie aus Rekuperation rühren und der 18-kWh-Akku nicht durch den Benziner geladen werden. Immerhin, konsequent ist das im Sinne der Ökologie.
Wenigstens kann man sich auf die 381 PS des fein klingenden Dreiliter-Reihensechszylinders verlassen. Allerdings wollen auch 2,5 Tonnen bewegt werden. Dennoch, für stabile 250 Sachen auf der verkehrsarmen sowie unlimitierten Bahn reicht es immer satt. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der Hybrid freilich nicht so dramatisch wie der Top-Stromer, mit 4,3 Sekunden ist er aber alles andere als eine lahme Ente.
Doch lass über eine andere Art von Performance sprechen. Nämlich jene, die darüber entscheidet, wie lange man an der Ladesäule ausharrt. BMW macht erst gar keinen Hehl aus der Nummer: Der i7 ist selbst als M70 ein Lademuffel, nennen wir das Kind beim Namen. Und zwar kommuniziert der Hersteller heute nicht mehr zeitgemäße 34 Minuten, um den mit 102 kWh Nettokapazität allerdings riesigen Akku von 10 auf 80 Prozent zu bringen. Aber auch hier gilt: Wer persönlich kein Problem damit hat, auf einer längeren Strecke mal eine halbe Stunde Pause einzulegen, kann die Nachteile des 400-Volt-Systems entspannt weglächeln.
Apropos Entspannen. Hier ist jedes Siebener-Modell, unabhängig von der Motorisierung, großes Kino. Schon der Moment, in dem man sich in die Clubsessel fallen lässt, verrät alles. Hier ist man angekommen in der Komfortzone 2.0 - zudem hat BMW es geschafft, auch mal eine andere Polstergattung salonfähig zu machen als Leder, zumindest im BMW-Siebener-Kosmos. Woll-Kaschmir-Kombination lautet das Zauberwort, und diese Oberflächen fühlen sich nicht nur gut an, sondern sehen auch noch schick aus.
Und wer möchte, darf sich gern in der zweiten Reihe niederlassen und den großen 4K-Bildschirm aus der Ruheposition im Dachbereich heraussurren lassen, um jeden erdenklichen Film zu genießen. Die Beinfreiheit ist außerdem gewaltig - kein Wunder bei 5,39 Metern Länge und 3,22 Metern Radstand, eine Herausforderung für manche Garage.
Ansonsten ist der Siebener das supergeschmeidige und leise Langstreckentool mit himmlischem Luftfahrwerk plus Massagefunktion in den Sesseln und bunten Farben auf der kristallenen Dekorleiste für die Seele. Was möchte man mehr? Wer Sechszylinder und Stromer verschmäht, darf die zarte Hoffnung auf einen Achtzylinder jedenfalls nicht aufgeben. Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern. Und 800 Volt? Lassen Sie sich überraschen.
Fazit: Ob Elektro oder Stromer, ist antriebsseitig keine grundsätzliche Frage der Güte beim BMW Siebener. Wobei: Wer gern am oberen Ende der Temposkala agiert, bringt den elektrischen Strang in der jetzigen Ausbaustufe eher an seine Leistungsgrenze. Und die Praxistauglichkeit ist abhängig vom Nutzungsprofil noch eingeschränkt. Doch dieses Problem geht BMW bereits an. Fans des fein klingenden Reihensechsers dürften mit dem M760e eher auf ihre Kosten kommen. BMW sollte jedoch einen Modus nachliefern, bei dem der Akku unterwegs durch den Verbrenner geladen wird für Fahrer, die ungern auf die volle Systemleistung verzichten. Beim Thema Komfort ist der Siebener nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. Das gilt allerdings für jede Motorisierung.