Schon 30 Jahre altKleine Runde mit dem Kult-Roadster Mercedes SLK
Von Patrick Broich, Como
Das Jahr 2026 steht bei Mercedes weiterhin im Zeichen der 140-Jahr-Feier. Dabei gibt es auch noch andere Jubiläen zu begehen - wie die 30 Jahre des ersten SLK. Grund genug für ntv.de, sich zu erinnern und gar eine Runde mit der Basisversion zu drehen.
Warum war der erste Mercedes SLK, der jetzt 30 Jahre alt wird, eigentlich überhaupt so spannend? Zur zeitgenössischen Markteinführung dürften sich viele Kunden gefreut haben - endlich mal ein Mercedes-Cabrio zum erschwinglicheren Kurs! Etwas mehr als 52.000 deutsche Mark kostete ein SLK 200 in seinem Debütjahr 1996, das waren etliche Tausender weniger, als für eine offene E-Klasse nötig gewesen wäre.
Und überhaupt war Mercedes damals auf dem Pfad, das offene Fahren zu demokratisieren. Erste Schritte dahin waren schon vorher sichtbar mit dem Angebot von Vierzylindern im Cabrio-Bereich. Die Baureihe 124 startete schließlich noch mit dem 220 PS starken Dreiliter-Reihensechszylinder samt Vierventiltechnik (M104), darunter ging nichts.
Gleich mehrere Jubiläen bei Mercedes
Aber bevor ich jetzt mit dem Einsteiger-Roadster losdüse, drehe ich gedanklich erst einmal ab - oder auf, je nach Perspektive. Vorlage dafür bietet der Ort, zu dem Mercedes anlässlich des SLK-Jubiläums einlud. Denn eigentlich feiert Mercedes ein größeres Jubiläum, was aber wiederum nicht das alleinige Argument ist, am FuoriConcorso 2026 teilzunehmen, aber sehr wohl Auswirkungen auf die Fahrzeugwahl hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier in Como, wo ich letztes Jahr den 300 SEL 6.3 bewegen durfte und am Ende in Stuttgart landete, geht es für mich dieses Jahr deutlich beschaulicher zu, zumindest hinsichtlich der persönlichen Fahrzeugwahl.
Als Zuschauer sieht das anders aus. Hier in Como läuft am richtigen Mai-Wochenende wirklich alles auf, was in automobiler Hinsicht Rang und Namen hat. Und dabei ist nicht die Rede von einem 911 Turbo oder so, auch nicht vom Ferrari SF90. Hier sprechen wir von den wirklich verrückten Autos.
Denn zur gleichen Zeit findet ja auch noch das große Fest an der Villa d'Este statt gleich ums Eck mit dem legendären Concorso d'Deleganza. Und dort sind auch Konsorten angemeldet wie das Concept Volkswagen W12 Nardo (es gibt einen in Privatbesitz) oder ein millionenschwerer Pagani Zonda. Und noch so viele Autos mehr, die wirklich nur absolute Experten identifizieren. Wie beispielsweise den Isotta Fraschini 8C Monterosa.
Ganz besondere Automobile zu sehen
Aber mein Zuhause am fraglichen Como-Wochenende ist nun einmal nicht die Villa d'Deste, sondern der Bereich um die Villa del Grumello herum, wo Mercedes in Erinnerung ruft, wie das erste offiziell als solches patentierte Automobil auf der Welt ausgesehen hat. Doch wer sich vom 0,75 PS starken sogenannten Motor-Patentwagen schlicht wenig beeindrucken lässt, hat mercedesseitig immer noch viel Auswahl. Für Freunde modernerer automobiler Ware dürfte der AMG One für das größte Aufsehen sorgen. Das straßenzugelassene Coupé mit dem bis auf wenige Abweichungen originalen Formel-1-Antriebsstrang unter dem Blech samt 1,6-Liter-V6 inklusive der vier Elektromotoren zieht Publikum an wie ein starker Magnet.
Hinzu kommen diverse Rennwagen aus der Vorkriegsära oder auch der W198, im Volksmund bekannt als Flügeltürer, an dem sich viele Fans niemals sattsehen können. Oder einfach ein speziell für die Rallyesaison 1981 entwickelter 107er, also der SL, der die Mercedesenthusiasten nahezu die gesamten 1970er- sowie 1980er-Jahre begleitet. Die Baureihe wurde als SL (Roadster) und SLC (Coupé) insgesamt von 1971 bis 1989 gebaut, wobei die geschlossene Ausgabe schon 1981 durch die zweitürige Baureihe 126 abgelöst wurde.
Underdressed, aber mit viel Spaß
Und zwischen 1989 sowie 1996, also etwa eine Autogeneration, verändern sich die Möglichkeiten fundamental in der Frage, ob man sich einen offenen Mercedes als Neuwagen leisten kann oder nicht. Und zack, wäre der Bogen zum SLK gespannt. Und in diesem darf ich jetzt meine Runden drehen direkt am Ufer des Comer Sees, an dem neben der Villa d'Deste eben auch andere schmucke Bauten liegen. Eigentlich ist man mit dem simplen SLK 200 schon ein bisschen underdressed. Der Roadster hat schließlich bloß einen zwei Liter großen Sauger-Vierzylinder mit gerade einmal 136 PS.
Doch ganz ehrlich? Das Herumcruisen mit dem irgendwie nebenbei gealterten Zweisitzer macht tierisch Spaß. Nicht, weil die damals wahnsinnig modischen Designelemente (allein schon das Lenkrad) früher so furchtbar zeitgeistig waren und heute schrecklich überzeichnet aussehen. Auch nicht, weil in manchen Situationen der Punch eben nicht so ausgeprägt ist, sondern mehr, weil man einfach gar nicht mehr so viel Punch braucht. In Zeiten, da selbst schnöde Mittelklassen teils schon mit über 400 PS an der grünen Ampel lossprinten, ist nicht Beschleunigung Luxus, sondern bietet Entschleunigung das, an dem man sich getrost für einen Moment berauschen darf.
Hier in Como im SLK 200 weht einem nicht nur der Wind in brausendem Tempo um die Nase, sondern auch die verrückten Autos entweder von Ausstellern oder Besuchern. Der aus heutiger Sicht absolut puristische Zwohunderter mit einem ganz leicht hakelnden manuellen Fünfganggetriebe bekommt hier und da mal einen Passantenblick zugeworfen. Nicht, weil er als Modell spektakulär wäre, aber vielleicht, weil das Auto aus der historischen Mercedes-Sammlung fast spektakulär gut erhalten ist. Dabei geht ein SLK auch in dramatischer als Brillantsilber. Viele Exemplare wurden damals in Prismatingrün oder Yellowstone bestellt, das war ein kurzes Revival der Farbenpracht vergangener Epochen, die etliche Kunden damals für sich entdeckten.
Fahrfreude durch Einfachheit
Nach ein paar Kurven etwas weiter auf dem Land abseits von Cernobbio hat man sich wieder daran erinnert, dass gar nicht Leistung oder ein wahnsinnig aufwendiges Fahrwerk für Fahrfreude sorgen muss, sondern einfach Einfachheit. Die kann man schon im Fahrzeugschein ablesen, wo der simple Zweisitzer mit 1270 Kilogramm Leergewicht gelistet wird. Und es braucht selbst bei etwas höheren Temperaturen offen nicht einmal die heute selbstverständliche Klimaanlage. Spart auch wieder Gewicht und bringt den Roadster dieser gewissen Grund-Agilität näher, die er nicht verleugnen kann.
Falls Sie neugierig auf einen SLK der Baureihe 170 geworden sind - findet man in den einschlägigen Internetbörsen wirklich wie Sand am Meer in sämtlichen Preis- und Zustandsklassen. Brauchbare Ware mit neuem Tüv gibt es sogar schon für knapp unter 3000 Euro.
Zurück an der Villa del Grumello möchte ich noch ein paar richtiger Kracher erkunden nach der Fahrt im bodenständigen Auto. Zufällig stellt Constantin Buschmann gerade seinen Brabus Bodo vor, einen 1000-PS-Boliden als Hommage an den Firmengründer. Auch Koenigsegg, Pagani und verrückte Porsche-Modelle finden sich auf dem weitläufigen Gelände.
Und wer Nostalgie auf Neuwagen-Level erleben will, sollte mal bei HWA vorbeischauen. Die Techniker der alten Exklusivschmiede vor allem des AMG-Urvaters Hans-Werner Aufrecht, heute immer noch eng mit Mercedes verbunden, wollen 100 Exemplare des W201 neu interpretieren und mit einem 520 PS starken Dreiliter-V6 neu aufleben lassen als Restomod-Offerte. Warum nicht, wenn man Lust darauf hat. Kleine Wette gefällig? Beim SLK R170 fällt das Preis-Fahrspaßverhältnis ganz bestimmt besser aus.